GdL-1945-05 Mein Lebensbuch – ein Liebesbuch Gottes

GdL-1945-05 Mein Lebensbuch – ein Liebesbuch Gottes

Aus: Pater Josef Kentenich, Unsere Marianische Sendung IV, S. 39 f. (Ennabeuren)

Wir schlagen … das Buch unseres Lebens auf und lesen … hier, was die Vaterliebe und Vatersorge Gottes hineingesprochen hat. „… Gott lebt noch.“ Hat Gott das wirklich bewiesen in der Geschichte meines eigenen persönlichen Lebens, im Leben meiner Familie? Hat er hier gezeigt, dass er die Liebe ist?

Wenn eine Mutter einem Kindlein entgegensieht, bereitet sie nicht sorgsam alles für das Kind ihres Herzens vor? Hat der Vater im Himmel nicht auch für mich, das Kind seines Herzens, von Anfang an die allerbeste Vorsorge getroffen? Stimmt das? Wie äußerte sich seine Liebe und Sorge? Hat er wirklich eingegriffen? Ist er wirklich Vater, der mich wie seinen Augapfel behandelt und behütet? Hat er auch an mir und an meiner Familie Großes getan?

Wir gehen oft zur heiligen Kommunion. Aber wir müssen auch aus Christus leben. Wir müssen ein Gespür haben für Gottes Liebe zu uns. Wir haben heute nicht viel Zeit, Bücher über die Vaterliebe Gottes zu lesen. Ein Buch ist immer da, immer aufgeschlagen: unser Leben und die Natur. … Wir Frauen und Männer müssen viel mehr aus diesem Buch die Vaterliebe und Vatersorge Gottes herauslesen.

Hinter allen Ereignissen unseres Lebens ist Gott verborgen, und zwar Gottes Liebe und Vatersorge. Es mag sich da … handeln … um eine Blume, ein Vöglein oder den Sonnenaufgang, um Erlebnisse voll Freude oder Ereignisse voll Leid. Über allem steht Gottes Liebe und Sorge um uns. Leider sehen wir Gott oft nicht gleich. Wir müssen eine Leiter anlegen für Verstand und Herz und emporsteigen. Die Leiter für den Verstand sagt uns: Es gibt keinen Zufall. Gott fügt alles, leitet alles, lässt alles zu. Er steht hinter und über allem. Gott ist an der Spitze aller Ereignisse. Wir dürfen dabei freilich nicht stehen bleiben. … Deshalb müssen wir die Leiter auch anlegen für das Herz, das heißt, wir müssen Gott, zu dem wir auf der Leiter unseres Verstandes emporsteigen, auch unser Herz schenken. Wir müssen Gottes Liebe erwidern in unserem Gebet, in unserer Arbeit, in unseren Opfern. Wir müssen leben mit Gott, für Gott, aus Liebe zu Gott.

Darum meine herzliche Bitte: Leget jeden Abend die Leiter an. Denkt nicht bloß an Eure Sünden. Seht Gottes Liebe an der Spitze von allen Ereignissen und Erlebnissen des Tages. Das ist die praktische Frömmigkeit für jeden, ist Werktagsheiligkeit. Fangt gleich heute Abend damit an und überlegt: Wo ist Gott mir heute begegnet? Wo hat er mich gegrüßt? Wo war er gut zu mir? Das müsst Ihr jeden Abend vor dem Einschlafen betrachten. Ihr entdeckt dann immer herrlicher das unendliche Meer der Liebe und Vatersorge und der Erbarmungen Gottes. Ihr lernt dadurch das Danken. (…)

Wir müssen … hinein in die Hochschule der Gottesliebe. Mein Lebensbuch ist nichts anderes als ein Buch der göttlichen Weisheit und Liebe. Vieles werde ich erst in der Ewigkeit ganz verstehen. … Leitgedanke … ist also: Lesen des Lebensbuches Gottes, ein frohes, herzhaftes Ja zu den Liebesplänen Gottes! (…)

Schon seit vielen Jahren haben wir davon gesprochen: Unser Lebensbuch ist ein Liebesbuch Gottes. Aber wir müssen diese Wahrheit viel mehr einüben, müssen ständig die Erbarmungen und Liebeserweise Gottes nachprüfen und nachkosten, vorprüfen und vorkosten. (…)

Wo ist mir heute Gott begegnet? Wo ist er mit mir lieb und gut gewesen? Könnte diese Frage nicht einmal … unser täglicher besonderer Vorsatz sein?

Aus: Pater Josef Kentenich, Unsere Marianische Sendung IV, S. 39 f.

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