GdL-1961-05 Eindrücke im Gespräch mit Gott verarbeiten.

GdL-1961-05 Eindrücke im Gespräch mit Gott verarbeiten.

Aus: Am Montagabend – Mit Familien im Gespräch (28. Mai 1961) Bd. 2

Pater Kentenich zu Familien:

Heute abend möchte ich nun ein paar Worte sagen über das Überlegen mit dem lieben Gott und der Gottesmutter während des Tagewerkes.

Was wollen wir denn überlegen? Ja nun, was überlegen wir mit unseren Mitarbeitern? Was überlegen wir mit Frau und Kindern, wenn die Kinder größer geworden sind? Alle wichtigen Dinge werden doch mit ihnen überlegt, die mache ich nicht allein und selbständig, sondern ich bespreche sie mit denen. Sehen Sie, jetzt darf ich den lieben Gott nicht vergessen und die Gottesmutter nicht vergessen. Ich habe ja ein Liebesbündnis mit ihnen geschlossen, und sie haben ein Liebesbündnis mit mir geschlossen. Sie sind ja an allem interessiert, was mich und was mein Geschäft angeht. Da schickt es sich doch, daß ich auch alles mit ihnen bespreche.

Ich möchte heute abend nun zwei Sachgebiete heraus(greifen), die wir in besonderer Weise mit beiden zu besprechen haben (…) Erstens, es gibt ungezählt viele Eindrücke, die wir während des Tages in uns aufnehmen, die wir aber innerlich nicht verarbeiten. Und dann ein zweites Sachgebiet, wir kommen nicht zurecht mit unserm Schuldgefühl. Ich setze Ihnen später auseinander, was man unter Schuldgefühl versteht (…)

Jetzt müssen Sie einmal überlegen, wie viele Eindrücke nehmen wir, nehmen sogar unsere Kinder in sich auf, die sie nie verdauen. Sehen Sie, angewandt auf unsere Verhältnisse: Wir kommen ja noch aus einer Zeit, wo wir die Möglichkeit hatten, den Persönlichkeitskern zu stärken, so daß wir widerstandsfähig sind gegen riesig viele Eindrücke. Wenn Sie jetzt einmal besonders klare, tiefe, einschneidende Eindrücke in Ihrem eigenen Leben sichten wollen, müssen Sie vielleicht einmal denken an ein schweres Unglück, meinetwegen, man hat mir die Ehre geraubt. Verstehen Sie, wie das (einen) tiefen Eindruck zurückläßt im Gemüte?

Sehen Sie, sehr viele Menschen, die unterdrücken das, drücken das herunter, aber die verarbeiten das nicht. Und wenn die (Eindrücke) nicht verarbeitet sind, ja, da(nn) wirken die fast wie Schlangen, die eine Zeitlang im Unterbewußtsein herumgekrochen sind und auf einmal nach oben schnellen. Was wird die Wirkung sein? Da ist eine geheime Kraft in mir, die mich ständig unruhig sein läßt (…)

Überlegen wir einmal: Wie viele Eindrücke stecken noch in mir, die ich innerlich noch nicht bejaht, die ich innerlich noch nicht verarbeitet habe? Welches Ziel soll ich denn bei dieser Verarbeitung verfolgen? Ich soll keine Ruhe lassen, bis mein persönlicher Lebensrhythmus ausschwingt im Lebensrhythmus Gottes.

Was heißt das praktisch? Ich muß das herausholen, was in dem Ereignis steckt, was der liebe Gott mir sagen will. Also meinetwegen, mein Sohn hat mit einem Gewehr „herumgearbeitet“ und nun auf einmal sich selbst eine Wunde geschossen. Es ist (aber) noch mal gut gegangen. Was will der liebe Gott mir jetzt dadurch sagen? Ja, was will er sagen? Das ist jetzt die Frage. Sehen Sie, wenn nicht mal ein Härchen von meinem Kopf fällt, ohne daß der liebe Gott eine Absicht hat,1 muß er doch damit eine besondere Absicht haben. Deswegen, nicht nur mein Kopf soll denken, was der liebe Gott gedacht hat, mein Herz will ausklingen in dem, was der liebe Gott mir und meinem Jungen dadurch sagen will.

Oder meinetwegen, ich habe halt Pech im Geschäft gehabt, Tausende auf einmal verloren. Sehen Sie, jetzt geht es nicht an, daß ich hinausgehe und mich betrinke, damit die ganze Geschichte ersäuft ist. Jetzt ist die Frage: Lieber Gott, was willst du dadurch, und was soll mein Herz jetzt daraufhin sagen?

Ich will Ihnen einmal ein Beispiel aus dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben sagen, damit Sie den Ausdruck verstehen: Kopf und Herz müssen ausschwingen im Lebensrhythmus Gottes.

Nehmen Sie meinetwegen einmal an, da ist jemand von Ihnen, der kann sehr gut Klavier spielen. Und jetzt hat er im Geschäft Pech gehabt und ist nervös. Ja, was soll er jetzt ma – chen? Er kommt nach Hause. Die arme Frau, die muß es jetzt aushalten. Dafür ist die Frau ja auch schließlich da, gelt? Aber die Frau ist schlau, die kennt ihren Mann, die weiß: Wenn ich das fertigbringe, den Mann jetzt ans Klavier zu bekommen, dann fängt er an, auf dem Piano zu rasen, hin und her, und nach zehn Minuten ist er ruhig.

Oder jemand anders, der sagt so: Wenn ich das fertigbringe, den Mann zu bewegen, daß er jetzt in den benachbarten Wald geht – wenn der ein Viertelstündchen im Wald gewesen ist, kommt er nach Hause (und) ist der prächtigste Mann von der Welt. Dann brauche ich seine Nervosität nicht auszuhalten. Verstehen Sie, daß das sein kann?

Wo liegt aber die Psychologie dieser Methode? Nehmen Sie mal den Wald. Sehen Sie, der Mann, der jetzt in den Wald geht, wird daher stampfen, laufen, was er kann – und das wütet noch alles so in ihm, nicht? Aber es dauert nicht lange, da nimmt er die Ruhe des Waldes in sich auf. Was nimmt er auf? Den Rhythmus des Waldes.

Sehen Sie, was muß ich jetzt aufnehmen? Den Lebensrhythmus Gottes muß ich aufnehmen. Ich muß wissen, wie würde der liebe Gott jetzt urteilen über das Ereignis, und was würde er von mir verlangen. Und dann lasse ich nicht locker, bis mein ganzer Lebensrhythmus ausgeschwungen ist im Lebensrhythmus Gottes. Dann werde ich ein gesunder Mann und ein heiliger Mann und weiß nicht wie. Sehen Sie, das ist das Geheimnis der Heiligen, die sind nicht ans Klavier gegangen, nicht in den Wald hineingelaufen, wenn sie erregt waren, sondern sie haben alle ihre Schwierigkeiten mit Gott besprochen.

1 Vgl. Mt 10,30; Lk 12,7.

Aus:
Pater Josef Kentenich:
Am Montagabend – Mit Familien im Gespräch (28. Mai 1961) Bd. 2
ISBN 3-920849-90-6,
Schönstatt-Verlag, Hillscheider Str. 1, 56179 Vallendar
S. 250-256 auszugsweise

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