GdL-1966-11 Die zentralste Frage ist Gott

GdL-1966-11 Die zentralste Frage ist Gott

Aus: Exerzitien für den Verband der Schönstattpriester in Würzburg, 21.-25. November 1966

Ich wollte einmal darstellen, daß all die ekklesiologischen Fragen, all die liturgischen Fragen sicher alle heute von Bedeutung sind. Aber die zentralste Frage ist Gott. Das dürfen Sie gar nicht übersehen. Das heißt jetzt nicht: wir sollten nicht im Sinne des Konzils alles auch bejahen und tun, was dort gesagt wird. Aber das Zentralste ist Gott. Der Gottesgedanke ist nicht nur durch liturgische Erziehung gesichert; das reicht nicht. Das sind Dinge, die müssen von anderer Seite gleichzeitig zentral immer im Auge behalten werden. Von hier aus lernen Sie wieder viel besser verstehen, was wir mit dem Gesetze der geöffneten Tür und mit dem Gott des Lebens wollen. Das ist bedeutend mehr wahr, was ich seit meiner Rückkehr so häufig sage: Wie wir die zentralen Fragen der heutigen Zeit antizipiert haben. Natürlich wenn es dann heißt: aber wir haben noch nicht Stellung genommen zu den modernen biblischen Fragen. Wir haben aber immer zu den biblischen Fragen Stellung genommen, ob zu den modernen, fragt sich, was das alles für einen Sinn hat. Auch hier dürfen wir uns nicht verwirren lassen: Das Zentrale ist und bleibt der Gottesgedanke!

Nehmen Sie einmal wahr, überlegen Sie einmal, was das heißt: und dann schauen Sie einmal in die Geschichte der Familie: wie die Gottesmutter uns zentral geführt hat. Auch in dem, das wir jetzt zum Ausdruck bringen mit dem, was jetzt noch vor der hiesigen Kapelle steht: die Sorge für das marianische Vaterreich. Da ist mit einem Worte das Zentralste für die heutige Zeit wiedergegeben. Das darf natürlich nicht getrennt werden, will im Ganzen gesehen werden. Aber wir sind heute wieder in Gefahr, daß wir uns wieder so zersplittern nach rechts und links das und dann das oder jenes zu betonen, daß wir letzten Endes doch nichts Rechtes mehr in der Hand haben.

Also wiederum: um was sollten wir uns bemühen? Geist des Glaubens schenkt mir Sympathie für Gott.

Ist natürlich schwer, einem Gegner nachzuweisen, daß das oder jenes Ereignis nur zu verstehen ist von Gott aus. Vieles, wird man heute nachweisen, kann ich auch ohnehin verstehen; ist ja auch Vieles möglich. Aber in unserem Denken… Lassen Sie mich bei dem schlichten Ausdrucke bleiben: wenn ich Sympathie für den lieben Gott habe, dann werde ich ihn überall wittern. Lassen Sie mich den anderen Ausdruck gebrauchen: Glaubensgeist schenkt mir einen außerordentlich sicheren göttlichen Instinkt. Das läßt sich natürlich nicht alles nachweisen wie: zwei mal zwei ist vier. Da ist so viel Imponderables. Aber wenn es schon in der natürlichen Ordnung so riesig viel Unverständliches gibt, warum nicht dorten, wo der liebe Gott auch in Frage kommt?!

Ich sage einen andern Ausdruck: besagt an sich dasselbe: Dieser göttliche Witterungssinn, dieser göttliche Instinkt bedeutet für mich auch ständig ein triebmäßiges Parteiergreifen für den lieben Gott.

Verstehen Sie: Ich kreise immer um die zentralsten Fragen. Deswegen ein instinktives Parteiergreifen für den lieben Gott. Ein Parteiergreifen, wenn ich mich weiter äußern darf, für den Vatergott, ja noch mehr: für den erbarmungsreichen Vatergott. Der Vatergott ist es, der aus Erbarmen mich jetzt in diese Sackgasse hineingeführt hat. Die Erbarmung des Vatergottes ist es, die mir jetzt diese oder jene Enttäuschung bereitet hat. Die ganze Welt bekommt einfach ein neues Gesicht. Das ist diese übernatürliche Sicht, die der heutige Mensch, die wir auch als Priester durchweg verloren haben.

Exerzitien für den Verband der Schönstattpriester in Würzburg, Marienhöhe,  21.-25. November 1966 

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