GwdK2010/11-6-11 Begründung der Laiensendung aus Taufe und Firmung. Allgemeines Priestertum

GwdK2010/11-6-11 Begründung der Laiensendung aus Taufe und Firmung. Allgemeines Priestertum

Marianische Erziehung (1934), 47-57.

Wir als Laien haben auch eine göttliche Sendung in ähnlicher Weise, ja bis zu einem gewissen Grade genauso wie die Priester. Sie hören die klassische Definition der Katholischen Aktion: Teilnahme der Laien am hierarchischen Apostolat der Kirche. Und in Deutschland müßte Katholische Aktion gleichbedeutend werden mit der katholischen Glaubensbewegung. Wenn Sie etwas anderes suchen, können Sie in Deutschland nicht zum Ziele kommen. Eine Bewegung muß das werden, nicht eine Organisation. Es mag wohl besondere Missionsorganisationen geben, aber primär hierfür nur Bewegung. Heute tun wir gut daran, dies bewußt zu sagen.

Hören Sie noch einmal die Definition der Katholischen Aktion: Gottgewollte Teilnahme der Laien an dem hierarchischen Apostolat der Kirche. Teilnahme der Laien. Worin gründet diese Teilnahme? Bloß in einem Recht, das Papst und Bischöfe mitgaben, oder haben sie ganz bestimmte Unterlagen und Quellgründe dafür, aus denen heraus sie arbeiteten und ihre Programmpunkte uns gaben? So müssen wir wohl die Teilnahme an der hierarchischen Sendung, am Apostolat der Kirche durch ein anderes Wort ersetzen: nicht nur gottgewollte Teilnahme, sondern göttliche Teilnahme. Darauf müssen Sie Gewicht legen: nicht nur gottgewollt – das ist sie schon deswegen, weil unsere Vorgesetzten uns gerufen; damit ist aber noch nicht unmittelbar eine göttliche Sendung bereitgestellt -, nein, wir haben eine göttliche Sendung.

Wir fragen: Was ist das Wichtigste, wenn wir unsere Katholiken mobilisieren wollen? Wenn wir tiefgründig eine neue Haltung für uns selbst schaffen und unserem Volke geben, wenn wir aber nicht diese göttliche Sendung, dieses göttliche Sendungsbewußtsein in die Massen bekommen, werden Sie Sisyphusarbeit leisten mit allem, was Sie zur Vertiefung und Verbreitung der Katholischen Aktion tun. Wir brauchen eine neue seelische Grundhaltung des Christentums, und diese ruht in dem großen Gedanken, in der großen Wahrheit: Wir alle sind von Gott gesandt. Nicht nur der Priester, auch der Laie hat eine Sendung für die ganze Welt, für die Verchristlichung der Welt und des Volkes. Es wird der Mühe wert sein, wenn wir bei anderen Gelegenheiten uns pädagogisch orientieren über diese tiefen Zusammenhänge.

Sie werden sich heute sagen lassen, daß die Sakramente, die ein unauslösliches Merkmal einprägen, stufenweise die Teilnahme vermitteln an der göttlichen Sendung des Gottmenschen, besonders an der göttlich-priesterlichen Sendung des Gottmenschen. So sagen wir mit Recht: Die Taufe will aufgefaßt sein als die allgemeine Christenweihe. Wie will die Firmung aufgefaßt werden? Sie will aufgefaßt sein als die Streiterweihe. Und wie will die Priesterweihe aufgefaßt sein? Als die Führerweihe. Aber schon auch durch die Firmung nehmen wir auch seinsgemäß teil am Führersein des Gottmenschen. Deswegen sind wir auch seinsgemäß hineinbezogen in seinen göttlichen Sendungsstrom, sprechen wir von Teilnahme an seinem dreifachen Amt. In untergeordneter, aber auch wirklicher Weise nimmt jeder, der gefirmt ist, geheimnisvoll daran teil. Das ist der tiefe Sinn der Firmung. (…)
Es ist natürlich schon der Mühe wert, uns zu fragen: Wie verlebendigen wir aber diese göttliche Sendung? Die Antwort ist sehr leicht gegeben. Sie gehört nicht einmal unmittelbar hierher; sie will nur, um etwas Ganzes anzudeuten, hier berührt werden: Wir müssen die Unterlagen, die Gott uns gegeben hat, erleben und wertgesättigt wieder in die Massen tragen. Und was ist die Unterlage? Eine doppelte, schier vergessene Wahrheit, eine verschüttete Wahrheit, eine katholische Wahrheit: Das ist erstens die Wahrheit vom allgemeinen Priestertum und zweitens die Wahrheit von der Gliedschaftswirklichkeit, von der Christusgliedschaft.

Veröffentlicht:
Joseph Kentenich ,
Marianische Erziehung. Pädagogische Tagung
Patris Verlag GmbH
ISBN: 978-3-87620-017-0
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