JoBr52-06_093-103 Die Originalität des Schönstätter Liebesbündnisses III

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Die Originalität des Schönstätter Liebesbündnisses III

Realismus im Denken und in der Frömmigkeit

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Realismus im Denken und in der Frömmigkeit

Danach dürfen wir uns mit unserer Denk- und Frömmigkeitsform zu den Realisten zählen, die eine idealistische, pragmatistische und irenistische [[125]] Einstellung zu Religion und Leben – und damit auch zur Person der Gottesmutter und ihrer Verehrung – ablehnen.

Der Idealismus, wie er hier gemeint ist, verliebt und verliert sich über Gebühr in die Religion als System, als wohlgeordnete Gedankenkonstruktion, als umfassendes Ideengebäude. Er übersieht leicht die dahinter stehenden objektiven Wirklichkeiten und schwebt darum ständig in Gefahr, die Religion vom Leben zu trennen. Hengstenberg, der ein Stück Lebensaufgabe darin erblickt, idealistische Hemmungen im religiösen Leben der Jetztzeit zu überwinden, schreibt darüber:

»Es gibt unter den Gebildeten einen Frömmigkeitstyp, der nur dort mitzutun bereit ist, wo man das ‚Gesetz des Handelns‘ irgendwie mit dem Verstande ableiten und begreifen kann, wo man sich gleichsam als Mitautor des ganzen Unter- /

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nehmens zu fühlen vermag. Viele haben ihre Glaubensgedanken in einem schönen System abgerundet fertig liegen. Sie wissen genau, was zu glauben ist, und sind auch guten Willens bereit, alles das zu glauben, was die Kirche vorschreibt. Sie geben sich der Schönheit der religiösen Gegenstandswelt auch bis zu gewissem Grade hin. Aber sie merken nicht, daß ihre Freude doch mehr eine Freude am Gedanklichen, schön Abgerundeten und Gelungenen ist als an den wirklichen Gegenständen selbst. Sie glauben mehr an ihren Glauben als an die Wirklichkeiten, die der Glaube vorstellt. Sie bedürfen paradoxerweise keiner Stärkungen durch Glaubensmotive, besondere Bindungen, besondere Ereignisse, weil der Glaube im eigentlichen Sinne gar nicht da ist oder doch hinter dem Gedanklichen oder dem Asthetischen zurücktritt. Es sind die ‚religiösen Genießer‘.

Deshalb sehen sie natürlich nicht ein, wieso eine persönliche Weihe an das unbefleckte Herz Mariens ihnen irgendeine Hilfe bringen oder irgendetwas zur Realität ihrer Glaubensexistenz hinzugeben könnte. Sie sind bedürfnislos wie der reiche Jüngling. Auch Wunder und dergleichen werden sie ’nicht nötig haben‘ und deshalb für sich persönlich ablehnen. Gott kann sich seine Wunder nach ihrer Meinung ruhig sparen. Wunder sind etwas für die Unbebildeten (nicht, als wenn sie die Tatsache, daß es Wunder geben könne, bezweifeln wollten!). Sie rechnen es sich noch zum Vorteil an, daß sie Wunder und außergewöhnliche übernatürliche Ereignisse nicht brauchen, und meinen der Weisung Christi zu gehorchen: an das Unsichtbare statt an das Sichtbare zu glauben, nicht sehen und doch zu glauben. Eine Abhängigkeit von Maria sehen sie als einen Abfall von Christus an. Die Abhängigkeit von Christus im existentiellen Sinne erkennen sie zwar theoretisch an, spüren sie aber nie. Es sind diejenigen, die theologisch gelehrt vom Ärgernis des Kreuzes reden, aber das Kreuz im entscheidenden Augenblick verleugnen beziehungsweise es gar nicht sehen. Natürlich sind Gnadenorte für sie etwas, was der Vulgärfrömmigkeit vorbehalten ist. /

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Dieser entwirklichte, idealistische Glaube des ‚Als ob‘, der das Glaubenssystem an die Stelle des Glaubens setzt, ist häufiger als man denkt. Er ist ein Kernschaden der heutigen Zeit; auf ihm beruht weitgehend die ‚Wirkungslosigkeit des Christentums in der Welt'(1).«

Ich habe absichtlich Hengstenberg – er ist Laie – das Wort gegeben, weil es sich um einen Gegenstand handelt – um das mechanistische, separatistische Denken -, den ich schon so oft mit eigenen Worten charakterisiert und abgelehnt habe, mit Worten, die reieh mit persönlichen Beobachtungen, langjährigen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüllt sind. Da schien es angebracht zu sein, zur Abwechslung und zur [[126]] Vertiefung andere als Zeugen aufzurufen.

Hengstenberg mag uns auch sagen, wie sich solche idealistische Hemmungen auf religiösem Gebiete schlechthin, besonders aber auf dem mariologischen, praktisch ausnehmen. Er erklärt:

»Warum Marienverehung? Ist nicht Christus alles in allem? Genügt sein Erlösungswerk nicht zu unserem Heil? Ist nicht jede Nennung eines Namens außer dem des Gottessohnes im Zusammenhange mit dem Heilsplan eine Herabsetzung Christi? Solche Fragen tönen uns heute von verschiedenen Seiten entgegen, wenn von einer Verpflichtung zur Marienverehrung für jeden einfachen und jeden gebildeten Christen die Rede ist.

So urchristlich und zugleich dogmatisch einwandfrei diese Einwendungen gegen eine besondere Verehrung der Gottesmutter klingen mögen, sie sind es doch nicht ganz. Sie sind /

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vielmehr aus einer religionsgeschichtlichen Situation erwachsen, die für unseren deutschen Geistesraum, für unser religiöses Selbstverständnis charakteristisch ist. Das reformatorische Denken hat dabei unbewußt Pate gestanden.

Zunächst möchten wir eine Gegenfrage stellen: Ist mit dem Heilsplane Gottes des Vaters mit innerer Notwendigkeit Maria verbunden? Mit anderen Worten: Mußte sich Gott der Vater notwendig Mariens bedienen, wenn er uns von der Sünde erlösen wollte? Die Frage ist gewiß zu verneinen; denn sonst wäre Gott in seinem Rettungsplane abhängig von einem Geschöpf. Also – so werden uns die oben genannten Gegner in die Rede fallen – ist auch die Marienverehrung etwas Zweitrangiges in unserer Frömmigkeit, sie führt vom ‚Wesentlichen‘ unserer christlichen Existenz ab!

Hier scheiden sich die Wege. Wir argumentieren nämlich gerade umgekehrt: Wenn Gott der Vater nicht gezwungen war, sich Mariens zu bedienen für unsere Rettung, wenn Maria aus dem Gedanken der Erlösung nicht notwendig folgt, dann ist ihre Einführung in den Ablauf des Heilsgeschehens für uns eine neue Tatsache, die wir nicht logisch ableiten, sondern nur demütig hinnehmen können. Also ist Maria in der ‚Idee der Erlösung‘ und der ‚Idee des Erlösers‘ durchaus nicht in dem Sinne enthalten, wie eine Folgerung keimhaft in einem Grundgedanken enthalten ist. Also ist in Maria für uns etwas Neues gegeben, was von uns eine gesonderte Beachtung verlangt, wenn wir uns dem Heilsplane Gottes so erschließen wollen, wie er es fordert.

Ja, hier scheiden sich zwei Grundtypen der Frömmigkeit. Die einen kommen rein von der ‚Idee‘, vom rein ‚Geistigen‘ her und wollen aus der christlichen Religion ein strenges Gefüge einsichtiger Sätze machen (mag auch am Anfang der Glaube stehen). Sie meinen, das ‚Wesentliche‘ am Christentum herausschälen und es vom ‚zufälligen‘ Beiwerk ‚reinigen‘ zu können. Die Väter dieser Art führen in die ersten christlichen /

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Jahrhunderte zurück. Es sind die Gnostiker, die bis zu gewissem Grade in der protestantisch-reformatorischen Lehre wiedererstanden sind. Diese Grundhaltung wird für Maria wenig Aufgeschlossenheit zeigen.

Auf der anderen Seite steht jene Haltung, die zwar nicht die Ideen leugnet und auch nicht daran verzweifelt, etwas vom inneren Sinn des göttlichen Heilsplanes zu erfassen, die aber sich dessen bewußt ist, daß wir zu diesen Ideen und diesem Sinn nur durch eine vorbehaltlose und demütige Hingabe an die geschichtlichen Tatsachen des göttlichen Heilsweges gelangen können. Für diese Haltung wird Maria kein zufälliges Beiwerk, die Mariologie keine Abschwächung der Christologie sein: Gott hätte uns ohne Maria erlösen können. Aber nachdem er sie tatsächlich mit einer bestimmten Aufgabe im Heilsplan betraute, können wir uns diesem Heilsplan nicht anschließen, ohne ein bestimmtes Verhalten zu Maria zu verwirklichen.

[[127]] Die erste Haltung muß folgerichtig zu einer Auflösung des religiösen christlichen Gehaltes führen. Man kann nämlich noch weiter gehen. War zu unserer Erlösung von der Idee her gesehen unbedingt notwendig, daß Christus kam? Auch das muß verneint werden. Denn Gott der Vater hätte in seiner Allmacht auch noch andere Wege wählen können, um die Menschheit zu retten. Er hätte sich mit einem Propheten, einem bloßen ‚Gesandten‘ für die erkrankte Menschheit begnügen können. Daß dieser Gedanke richtig ist, wird von katholischen Dogmatikern bestätigt(2). Also – so könnte man folgern wollen – ist Christus ‚unwesentlich‘ für den göttlichen Heilsplan mit den Menschen. Gott allein genügt, er ist alles in allem. Wenn man von der ‚reinen Idee‘ der Erlösung her kommt, muß man wie Maria so auch Christus streichen und die Erlösungslehre und Erlösungsidee von beiden ‚reinigen‘.

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Wir folgern wieder gerade umgekehrt: Wenn Gott der Vater nicht darauf angewiesen war, zur Rettung aus unserem Verderben seinen Sohn zu schicken, so ist doch die Tatsache, daß er ihn sandte, um so verpflichtender für uns. Diese Tatsache ist für uns etwas Neaes, was aus der Idee nicht zu folgern war. Wir müssen uns dieser Tatsache demütig staunend hingeben in Ehrfurcht vor der unerforschlichen und unbegreiflichen Liebe des Vaters. Nachdem Gott der Vater die Fleischwerdung des Wortes in den Heilsplan einsetzte, können wir diesen Heilsplan nicht mehr an uns erfahren, ohne uns dem fleischgewordenen Worte – dem im Stalle zu Bethlehem einmalig geschichtlich geborenen Worte – hinzugeben.

Die ‚Reinigung‘ unserer Frömmigkeit von Maria und die ‚Reinigung‘ von Christus, beides liegt auf derselben Ebene, bezeichnet nur verschiedene Phasen der Entwertung christlichen Gehaltes. Die Religionsgeschichte zeigt, daß der Weg des Verfalls tatsächlich so gegangen ist: die Ablehnung Mariens führt auf die Dauer die Ablehnung Christi mit sich, weil beides auf der gleichen Grundhaltung beruht, die wir nach obigen Anmerkungen die ‚gnostische‘ nennen. Man könnte sie auch die ‚idealistische‘ nennen, weil hier versucht wird, den Inhalt des religiösen Glaubens aus der reinen Idee abzuleiten, ohne demütige Hingabe an die heilsgeschichtlichen Tatsachen.

Aus diesen einleitenden Gedanken wird schon ersichtlich, daß wir die Marienverehrung letztlich nur aus der Stellung begründen können, die Maria tatsächlich im Heilsplane Gottes des Vaters einnimmt. Je nach dieser Stellung werden wir den Umfang und die Verpflichtung der Marienverehrung für jeden einzelnen Christen ermessen(3)«.

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Ein anderes Mal sagt derselbe Verfasser:

»Die verhältnismäßig geringe Ausbreitung des Weihegedankens in der Öffentlichkeit hat also zum Teil jedenfalls einen sachlichen Grund in der Problematik der Volksfrömmigkeit. Aber das erklärt nicht alles. Es erklärt nicht, daß an der Ausbreitung des theologischen Gehaltes der Weihe so wenig gearbeitet worden ist. Hier liegt ein Versagen vor. Die minderwertige Vulgärform (die ‚Kitschigkeit‘), in der sich die marianische Frömmigkeit einschließlich Fatima heute vielfach bewegt, die Tatsache, daß man daraus eine ‚Volksfrömmigkeit‘ im ersten Sinne(4) gemacht hat, ist für viele Gebildete und führende Geister nur ein Vorwand, um sich dem verpflichtenden Gehalt des Weihegedankens zu entziehen. Es besteht eben vielfach nicht nur eine Hemmung gegenüber der Volksfrömmigkeit, sondern überhaupt gegen eine Frömmigkeit, die Verpflichtungen anerkennt, die nicht aus greifbaren Ideen abzuleiten sind, sondern aus persönlichen Bindungen erwachsen; aus Bindungen, deren Konsequenzen und Forderungen unberechenbar und unabsehbar sind. Sich an das unbe- [[128]] fleckte Herz Mariens zu weihen und aus dieser Bindung Verpflichtungen abzuleiten, die uns unvorhergesehen treffen können, erscheint vielen als ‚ungeistig‘, als etwas, was die ‚Autonomie der menschlichen Vernunft‘ herabsetzt. Es sind ‚idealistische Hemmungen‘, die sich auch der marianischen Frömmigkeit gegenüber geltend machen(5)«.

Pragmatistische Frömmigkeit jeder Art – also auch die marianische – ist der Gegenschlag gegen die idealistische. Sieht die eine nur einseitig Ideen, so kennt die andere nur oder fast nur den Lebenswert der Religion. Sie /

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schwebt darum ständig in Gefahr, psychologistisch oder naturalistisch oder pädagogistisch zu werden. Sie verliert eine letzte Verankerung und Verpflichtung in einer gesicherten Seinsordnung und in der überaus wirksamen Bindung an Personen. So schwebt sie – ohne es recht zu merken – in Gefahr, dem eben gezeichneten Idealismus zum Opfer zu fallen.

Trennt man zum Beispiel die Idee der Mütterlichkeit oder der jungfräulichen Reinheit oder der seelischen Ergänzung von der Person der Gottesmutter – von heute auf morgen wird das nicht geschehen, die Entwicklung braucht eine Zeit, bis sie so weit hinabgleitet -, so haben wir wiederum den Idealismus in Reinkultur vor uns. Die religiösen Wirklichkeiten haben sich allgemach ins Nebelhafte verflüchtigt. Die Religion wird lediglich zum Symbol für Ideen oder geheime Herzenswünsche. Sie verliert ihren Eigenwert, ihre Eigenständigkeit und Eigengesetzlichkeit, ihren objektiven Gehalt. In diesem Sinne wird sie heute recht häufig von Nervenärzten aufgefaßt und zur Heilung körperlicher und seelischer Erkrankungen gebraucht.

Demgegenüber müssen wir festhalten: Der Hauptbeweggrund für Marienliebe ist und bleibt die Stellung der Gottesmutter im Heilsplane. Sie ist zunächst unabhängig vom Lebenswert, unabhängig von den einzelnen Bedürfnissen und Wünschen der Menschen. Sie ist unabhängig von Alter und Geschlecht. Sie spekuliert nicht – wenigstens nicht unmittelbar – auf Bildungs- und Erziehungseinfluß und auf Heilkraft. Wohl hat Gottes Weisheit und Güte dafür gesorgt, daß die von ihm gewählte Ordnung nicht nur Gelegenheit gibt zur Anerkennung seiner Oberhoheit und zum Beweise der per- /

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sönlichen Gegenliebe, sondern auch gleichzeitig Mittel zur persönlichen Vollendung, Bereicherung und Beseligung ist. Letzterer Gesichtspunkt darf darum auch – aber nur an zweiter Stelle, nur als Nebenbeweggrund – mitsprechen. Er darf nicht ungebührlich in den Vordergrund gerückt werden, sonst drehen wir die gottgewollte Ordnung um, sonst machen wir die Religion, machen wir, die wir uns ancilla Domini(6) oder servus Dei(7) nennen, praktisch Gott im üblen Sinne des Wortes zur Dienstmagd des Menschen. Wir entthronen ihn und setzen uns an seine Stelle: Wir machen uns zum Mittelpunkt der Welt.

Ich wiederhole: Wahr ist es, daß zum Beispiel die Gottesmutter für den Mann eine ideale seelische Ergänzung, für die Frau ein unübertreffliches Vorbild fraulicher Art und für die Menschen schlechthin das Hochbild edlen und adeligen Menschentums ist. Man darf sie auch unter diesem Gesichtspunkte zeigen und zeichnen, man darf die Liebe zu ihr als Erziehungs- und Bildungsmacht ersten Ranges künden und gebrauchen, man darf aber nicht dabei stehenbleiben. Letzten Endes sollten alle diese Wirkungen Folge, aber nicht Zweck und Ziel der Marienverehrung werden. Sie sollten ein »ut consecutivum« und nicht ein »ut finale(8)« sein.

Halten wir diese Ordnung ein, so erfüllen wir das Herrenwort: »Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles Übrige wird euch zugegeben werden!« (Mt 6, 33). Das »Reich Gottes« ist in diesem /

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Falle der Wunsch des Vaters, der Maria beispiellos erhöht und in seine Nähe gezogen hat, der sie in einzigartiger Weise als Werkzeug zur Welterlösung benutzt und deshalb von uns mit aufrichtiger, [[129]] warmer Liebe umfangen wissen will. Deshalb hat er uns durch den Heiland am Kreuz das Wort zurufen lassen: »Ecce mater tua(9)!« Wir lieben also die Gottesmutter letzten Endes, um dem Vater Freude zu machen und das Testament des Heilandes zu verwirklichen. »Zugegeben« wird uns sodann Wachstum und Verinnerlichung der eigenen Persönlichkeit, Kraft und Gediegenheit des Willens, Reichtum und Tiefe des Gemütes und vieles, vieles andere. Das ist der Idealzustand.

Das will aber nicht heißen, man dürfe nicht vorübergehend aus methodischen Gründen eine Akzentverschiebung vornehmen, um sich an die jeweilige Wertempfänglichkeit des Zöglings anzupassen und sie durch die Wertfülle in der Person der lieben Gottesmutter zu aktualisieren und emporzubilden. Das gilt besonders für das Reifealter und für die Masse des Volkes.

Irenistische Haltung kann Methode und Grundsatz sein. Im ersten Falle ist sie mit jeglicher Art Frömmigkeit vereinbar. Sie kann sich als meisterhafte und als fehlerhafte Anwendung von richtigen Grundsätzen geben. Wirkt sie sich meisterhaft aus, so nennt man sie irenisch, sonst irenistisch. Im zweiten Falle muß sie gleichbedeutend mit Charakterlosigkeit aufgefaßt werden. So gesehen, stellt sie einen eigenen Typ dar, der im Zeitalter der Massendämonie nicht selten vorkommt, vor dem sich deswegen jeder moderne Mensch hüten muß. Für /

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uns kommt die angesagte Haltung nur als Methode in Frage. Das gilt vor allem für Länder, die religiös zersplittert sind oder in großer Gefahr schweben, einem modernen Heidentum zum Opfer zu fallen.

1. H. E. Hengstenberg, Die Marienverehrung im Geisteskampf unserer Tage, Würzburg 1948, 80 f.

2. Hengstenberg merkt dazu an: Vgl. J. M. Scheeben, Die Mysterien des Christentums, Freiburg ³1911, 305 ff.

3. A.a.O., 9-12. Die Hervorhebungen stammen von Hengstenberg.

4. Hengstenberg beschreibt S. 77 diese Art der Volksfrömmigkeit als »Vulgärfrömmigkeit, in der Nachbarschaft von Aberglauben und Fetischismus«.

5. A.a.O., 79 f.

6. Magd des Herrn (Lk 1,38).

7. Diener Gottes.

8. Ein Ausdruck der Grammatik. Sinn: eine Folgeerscheinung, nicht angestrebter Zweck.

9. Siehe da deine Mutter! (Jo 19,27).

Aus: Das Lebensgeheimnis Schönstatts. II. Teil: Bündnisfrömmigkeit, Vallendar-Schönstatt 1972, 278 S. – www.patris-verlag.de

 

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