CmL1996 VI 2 Sieghafte Heimholung der Welt durch Christus

CmL1996 VI 2 Sieghafte Heimholung der Welt durch Christus

J. Kentenich, aus: Tagung 1946

Der Sinn des Weltgeschehens ist Heimkehr der Welt zu Gott. Der Sinn eines apokalyptischen Weltgeschehens ist die beschleunigte Heimkehr zu Gott. Ob es uns Antwort gibt auf brennende Fragen, wenn wir einen Augenblick stehenbleiben und dieses Wort „Heimkehr zu Gott“ überlegen? Dann spüren wir den Kampf des Glaubens mit dem Unglauben. Der Glaube an Gott drängt zur Heimkehr zu Gott, der Unglaube zur beschleunigten Abkehr von Gott. Auf der einen Seite sehen wir eine beschleunigte Heimkehr zu Gott, auf der anderen Seite einen beschleunigten Abfall. (…)

Wenn wir noch einmal an das Weltgeschehen denken, dann stellen wir die Frage: Welche Bedeutung hat Christus im Weltgeschehen? (…)

Was stellt die Apokalypse von ihm dar? Der Vater sitzt auf dem Throne (vgl. Offb 4,2). Von ihm geht alles Leben aus und flutet wieder zurück. Es gibt noch ein ruhiges Element im Jenseits: Der, der auf dem Throne sitzt. Es gibt noch einen Thron, der nicht wankt, das ist der Vatergott. Der Vater hat die Zügel des Weltgeschehens dem eingeborenen Sohne in die Hände gegeben (vgl. Offb 5).

Das stellt die Apokalypse sehr schön dar. Johannes, der Seher, möchte die Geschicke der Kirche sehen. Er wird hingewiesen auf das Buch mit den sieben Siegeln, und währenddessen erfährt er, daß das Buch mit den sieben Siegeln niemand öffnen kann. Wir verstehen, daß der Apokalyptiker weint, weil er sich gesehnt hat nach der geheimen Entschleierung des Weltgeschehens und sich jetzt in seiner Hoffnung enttäuscht sieht, und da wird ihm gesagt: Dieses Lamm, das geschlachtet war, ist Christus, der Verklärte, aber auch der Gekreuzigte. Dieses Lamm kann das Buch öffnen, dieses Lamm hat Einsicht und Einblick in die Pläne des Vaters und den Auftrag, die Pläne des Vaters durchzuführen. Da steht Christus im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Ein Christentum hatte man zugelassen, aber nicht mit dem lebendigen Christus. Haben auch wir Christus beiseite geschoben? Wie wird die Tätigkeit Christi im Weltgeschehen dargestellt? Wer öffnet das Siegel? Christus! Das heißt, ohne daß der Vater durch Christus das zuläßt, gibt es keinen Krieg, keine Seuchen, keine Revolutionen usw. Hinter allem steht Christus und führt alle Pläne des Vaters aus. Wann schütten die Engel die Schale des Zornes vor der Welt aus? Wer gibt das Signal dazu? Christus! (vgl. Offb 6).

Was ist der Sinn des Weltgeschehens von Christus aus gesehen? Welche Tätigkeit soll ich Christus einräumen? Ich soll jedes Ereignis benutzen, um mich für Christus neu zu entscheiden, und die schwersten Ereignisse sollen mich anregen, von innen heraus freigewählt und freigewollt mich für Christus neu zu entscheiden. Da stehen wir wieder vor zwei Dimensionen der Willensfreiheit: Entscheidungsfähigkeit und -willigkeit (die zweite Dimension ist die Durchsetzungsfähigkeit). Gott spekuliert auf meine Entscheidungsfähigkeit. Wenn schwere Leiden uns innerlich zusammenbrechen lassen, wohin geht dann der Zug des Herzens? Werden wir dann nicht fahnenflüchtig?

Der Sinn des Weltgeschehens und meines Lebens und meines Wollens ist, daß alle Ereignisse meines Lebens mich erneut dem Herrn ausliefern. (…)

Der lebendige Gott hat Christus zum großen Kämpfer im Weltgeschehen und zum Sieger über den Teufel gemacht, und er wird am Ende der Welt einen vollendeten Sieg davontragen. Wir dürfen teilnehmen an seinem Kampfesmut, seinen Leiden und seinem Siege. Was für eine Beseligung ist das, zu wissen, daß wir einmal den Sieg davontragen. Ich mag untergehen, aber die Sache, der ich diene, ist eine siegreiche.

Christus wird siegen. Im Weltgeschehen läßt sich Gott scheinbar besiegen und überwinden. Man kann alle Schlachten gewinnen und doch den Krieg verlieren. Christus wird aus vielen Stellungen geworfen. Nachdem der Teufel alles durcheinandergeworfen, erscheint Christus auf dem weißen Rosse als der König (vgl. Offb 19,11-21), der Kämpfer, der den Sieg errungen und den Teufel geschlagen, und nun ist das Ende der Welt da. Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat (Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht). Diesem Christus liefern wir uns aus. Jedes Ereignis soll eine Entscheidung für oder gegen Christus sein. Heiland, wir wollen erneut zu deiner Fahne schwören!

Erschienen in:
Joseph Kentenich
Christus mein Leben
Ausgewählte Texte zum Christus-Jahr 1997
Herausgegeben von Günther M Boll, M. Pia Buesge, Peter Wolf
Patris-Verlag Vallendar-Schönstatt
www.patris-verlag.de

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