CS12 CAUSA SECUNDA Text 12

CS12 CAUSA SECUNDA Text 12

Aus: Allgemeine Prinzipienlehre der Apostolischen Bewegung 1928

Wir sagten: Die Apostolische Bewegung ist ein Werk der Gottesmutter. Sie hat es geschaffen. – Ein Werkzeug in ihren Händen: sie will die Bewegung gebrauchen für ihre Aufgabe, die Welterneuerung in Christus. Wir hebenhier stark die Tätigkeit der Gottesmutter hervor. Wie ist aber diese Tätigkeit zu bewerten? Wir wissen, daß alle Gnaden letztlich nur von Gott kommen. Damit bin ich zum Hauptpunkt unserer Darstellung, zur philosophischen Durchdringung der Geschichte der Bewegung gekommen.

Die Philosophie sucht immer die letzten Gründe zu erfahren; sie ist ihrem Wesen nach eine cognitio per causas, d. h. ein Erkennen aus den innersten Gründen und Ursachen heraus.

Wenn ich nun die ganze Bewegung philosophisch durchdringen will, muß ich Ihnen die einzelnen Ursachen der Bewegung namhaft machen. Wir werden deshalb den ganzen Stoff um zwei Gedankengänge • gruppieren. Der erste Gedankengang nennt mehr allgemein die Ursachen der Bewegung; der zweite geht etwas genauer auf einzelne Ursachen ein, um von da aus die ganze Bewegung ein wenig zeitgeschichtlich zu beleuchten.

I. Die Ursachen der Bewegung im allgemeinen:

Die Philosophie unterscheidet vier Gattungen von Ursachen: die causa efficiens, finalis, materialis und formalis.

1. Die causa efficiens der Bewegung: Hier müssen wir wieder unterscheiden die causa efficiens principalis von der causa efficiens instrumentalis.

Sobald die Apostolische Bewegung als ein Werk der Obernatur betrachtet wird, kann die causa efficiens principalis nur Gott sein. Und da es sich hier um ein Werk der Gnadenordnung handelt, hat selbstverständlich auch der Gottmensch seine Tätigkeit und Aufgabe dabei. Und die Tätigkeit in seiner Heilsordnung muß auch Funktion unserer Bewegung sein. Wie bei jeder Gnade, ist die menschliche Natur des Heilandes causa efficiens instrumentalis, seine gottmenschliche Person aber die causa efficiens meritoria. Von ihr ist zu unterscheiden die Tätigkeit der Gottesmutter als causa impetratoria.

Wenn wir nun sagen: „die apostolische Bewegung ist ein Werk und Werkzeug in den Händen der lieben Gottesmutter“, dann meinen wir theologisch nur diese Ursächlichkeit: Die Gottesmutter hat das ganze Werk geschaffen durch ihre Fürbitte. Mehr wollen wir damit nicht sagen. Selbst diejenigen, die die allgemeine Gnadenvermittlung ablehnen, dürfen, wenn sie i.n;unserer Geschichte erkennen, wie alles durch die Gottesmutter geworden ist, den obigen Satz mit fester Überzeugung bejahen. Wir im Bunde haben das Recht anzunehmen, daß die großen Gnaden, die wir bekommen haben, uns von der lieben Gottesmutter zugeflossen sind. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt der Allgemeinen Gnadenvermittlung. Doch davon sehe ich ab. Was der Bund ganz allgemein verlangt, das sind nur die allgemeinen Grundsätze und Dogmen. …

Insofern also Maria die causa impetratoria ist, haben wir ein Recht zu sagen: die Bewegung ist ein erwähltes Werk und Werkzeug in der Hand der lieben Gottesmutter zur sittlich-religiösen Erneuerung der Welt in Christus. -(S.26-28)

Wir haben also gesehen, wie der Anschluß an den Seelenführer herauswächst aus dem Gesetz : harmonische Verbindung von Natur und Gnade. Im übrigen bewahrheitet sich auch hier das große Gesetz der Heilsordnung: Gott wirkt alles durch Zweitursachen.

Damit haben wir auch schon denen die Waffen aus den Händen genommen, die noch Schwierigkeiten haben und sagen: Wir sind doch selbst Mann genug, was brauchen wir noch einen Seelenführer? Ich habe Ihnen dargelegt, daß der Heilige Geist der eigentliche Seelenführer ist, der uns leitet. Von dem menschlichen Seelenführer wollen wir nur erfahren, was des Geistes Gottes ist. So ist der menschliche Seelenführer nur das Organ des Heiligen Geistes. Dieser soll uns helfen, der Gnade Gottes besser Folge zu leisten. Auch hier ist das große Gesetz der Heilsordnung maßgebend: Gott wirkt immer durch Zweitursachen. Das tut er in der natürliche, das tut er aber auch in der übernatürlichen Welt. Und die Zweitursache, durch die er seinen Willen kdndtut, ist der Seelenführer: Von einer allseitigen Abhängigkeit von einem Menschen kann also keine Rede sein. -(S.88)-

vervielfältigt/Wachs, 171 Seiten A5, S.26-28; S.88 *

im Buchhandel erschienen:
Josef Kentenich, Die Allgemeine Prinzipienlehre der Apostolischen Bewegung von Schönstatt, Schönstatt-Verlag: Vallendar, 1999, ISBN 978-3-920849-92-8 (Form der Tagung vom 16-20.4. 1928)

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