CS38 CAUSA SECUNDA Text 38

CS38 CAUSA SECUNDA Text 38

Aus: Amerikabericht 1948

Incarnation der Idee kann erlebt werden in einer großen Heiligengestalt der Vergangenheit oder in einer Führerpersönlichkeit der Gegenwart.

Beide Male haben wir die Anwendung des göttlichen Weltregierungsgesetzes vor uns, das die causa secunda ehrfürchtig berücksichtigt und sich im einzelnen auswirkt als Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung. Das haben Erziehung und Seelsorge fast ganz vergessen, weil sie noch zu stark angekränkelt sind vom Idealismus des vergangenen Jahrhunderts. Romanisches Denken und Empfinden ist davon im Kern unberührt geblieben, während die germanische Seele durch die Bazillen des Protestantismus und der kantianischen Philosophie dafür sehr empfänglich gemacht, innerlich so verwüstet und verwildert worden ist, daß sie ihre eingeborene gesunde Anlage für organische Ganzheitsschau und Lebensauffassung zum großen Teil eingebüßt hat, ohne es selbst recht zu wissen. Das spürt man, wenn man auf Weltreisen Gelegenheit hat, unbefangen Vergleiche anzustellen.

Paulus geht in seiner urwüchsigen Art, die noch nicht von der „Blässe des Gedankens“ angekränkelt ist, unbedenklich ein Stück weiter. Er will die große Idee verkörpert sehen in lebendigen Persönlichkeiten. Es kommt in seiner unbefangenen Weise auch nicht darauf an, in dem Zusammenhang sogar auf sich selber aufmerksam zu machen. So ist er nicht nur der große Lehrer der Corpus-Christi-Mysticum-Dogmatik, sondern auch der beredte Künder der pädagogischen Grundwahrheit, die dem heutigen pädagogischen Denken und Empfinden vielfach als verabscheuungswürdige Häresie, als krankhafte peripherische Ichbezogenheit gilt: „Seid meine Nachahmer, wie ich Christi Nachahmer bin.“ Er leidet Geburtswehen, bis Christus in den Seelen wiedergeboren ist. Dadurch hebt er beides hervor: die große Persönlichkeit Christi und deren Spiegelung in einem lebendigen Transparent: in seiner eigenen Person. In volkstümlicher Weise finden wir hier das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung klassisch im Rahmen eines wundersam geschlossenen natürlichen und übernatürlichen Bindungsorganismus wiedergegeben, der in abendländischer Geisteskultur seit Jahrhunderten am Abbröckeln ist, neuerdings aber mit rasender Geschwindigkeit einer entsetzlichen vollkommenen Auflösung entgegeneilt.

gedruckt in: Herta Schlosser, Der neue Mensch – Die neue Gesellschaftsordnung, Vallendar 1971, S. 189f ***

 

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