GdL-1966-06 Erschütterung des Gottesglaubens

GdL-1966-06 Erschütterung des Gottesglaubens

Aus: Vorträge vor den Schönstattpriestern in der Marienau – 06. 06. – 07. 06. 1966

Also der Gottesgedanke, der wird jetzt haarscharf – ja fast möchten wir sagen: hautnahe – uns tief ins Gemüt geprägt. Und darum geht es ja heute in der Hauptsache. Wir wissen von Kain, daß es von ihm heißt: Er wurde flüchtig vor dem Antlitze Gottes. Das ist an sich der große Lebensvorgang in der heutigen ganzen Welt: die heutige Welt wird flüchtig vor dem Antlitze Gottes. Und weil wir das so ungemein früh erspürt, haben wir in unserer Art dafür den Lebensvorgang umgekehrt und gesagt: Unsere Aufgabe besteht darin, gottessüchtig zu werden. Das will heißen: per eminentiam die Verbindung mit dem lieben Gott festzuhalten. Und nachdem nun einmal, wie wir das ja alle wissen, zwischen uns und den lebendigen Gott die Schöpfung getreten ist mit diesem ungeheuren Gewicht -. Es ist heute nicht leicht, durch das Gewicht der Schöpfung hindurchzuschauen und den lieben Gott zu sehen. Wie häufig deshalb die Frage, ja welche Frage?: Kann man die Weltregierung nicht ebenso gut erklären ohne Annahme eines persönlichen Gottes? Wo diese Frage schon einmal anfängt, akut, aktuell zu werden, dann wird gerüttelt und geschüttelt am Gottesbau. Erinnern Sie sich daran, wie wir schon gleich von Anfang an in den ersten Kursen immer hervorgehoben: Was suchen wir? Den Gott des Lebens! Nicht, als wenn wir den Gott des Herzens (und) den Gott der Altäre vergessen hätten. Aber das Problem, was ja heute schreit nach Erlösung, das ist an sich der Gott des Lebens, wie er sich durch die Weltregierung, die er tätigt, schier unmöglich macht. Das kann doch nicht der Gott der Bibel sein, wie er sich heute zeigt! Deswegen die Erschütterung des Gottesglaubens.

Nicht wahr, das ist ja so häufig hervorgehoben worden: Wenn es auch wahr ist, daß es nicht leicht ist, an den Gott der Altäre zu glauben (und) an den Gott unseres Herzens, aber praktisch greift uns das nicht sonderlich tief ins Gemüt; aber Hammerschläge Gottes zu erleben, erleben, wie seine Eigenschaften im Alltagsleben in Erschütterung geraten, seine Gerechtigkeit, seine Liebe, das zu erleben und dahinter nun klar den lebendigen Gott, den Gott des Lebens zu sehen, (das) ist für den heutigen Menschen ungeheuer schwer. Der ist ja an sich experimentell eingestellt, der möchte im großen und ganzen nicht viel wissen von metaphysischer Grundeinstellung, noch viel weniger von übernatürlicher Denkweise.

Alles in allem: Sie mögen verstehen, wie das in der Familie von Anfang an so überaus wichtig und wuchtig empfunden wurde: auf der einen Seite Gott des Lebens, der auch inmitten der ungemeinen harten Schläge, die die Welt heute empfängt, der Vatergott ist. Darum im Laufe der Jahre die verschiedensten Ausdrücke, etwa dieser Art: Vaterhände sind immer warm. Aber sie benutzen nicht selten Handschuhe der verschiedensten Art, um den Menschen zu fassen. Was sind das für Handschuhe? Das sind eiserne Handschuhe. Und wie sieht der eiserne Handschuh aus? Wenn das an sich Naturereignisse sind, mögen wir das einigermaßen fassen; wenn das aber unsere Vorgesetzten sind, wenn das unsere Mitbrüder sind, wenn das Freunde und Bekannte sind, wenn der liebe Gott uns durch die eisernen Handschuhe nun greift, angreift, wie schwer ist es dann dem heute experimentell eingestellten Menschen, in und hinter diesen Handschuhen der warmen Hand des Vatergsttes inne zu werden! Mir kommt es, wie Sie merken, in der Hauptsache darauf an, uns wieder ein wenig heimischer zu machen in unserer traditionellen Welt. Sie werden dann auch spüren, daß alle die Probleme, die heute durch die Zeit geistern, dieselben sind, die seinerzeit Schönstatt ins Leben gebracht, zum Leben erweckt haben.

Vorträge vor den Schönstattpriestern in der Marienau – 06. 06. –  07. 06. 1966

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