GwdK2010/11-8-03 Versprechen an den Bischof von Münster (Promissio) – 2. Version 1. 12 1965

GwdK2010/11-8-03 Versprechen an den Bischof von Münster (Promissio) – 2. Version 1. 12 1965

Vorträge, I (1965), 86-91

Es folgt jetzt der feierliche Akt. Ja, wie soll ich das denn zum Ausdruck bringen? Ich mache das sehr einfach. Ich sage: Wir Schönstätter möchten alles tun, damit die nachkonziliare Zeit Exzellenz und der ganzen Diözese zum Segen gereicht. Will also heißen, daß all das, was das Konzil an Anregung gegeben hat, in Zukunft auch wirklich durchgeführt wird, von uns aus gesehen, soweit es möglich, auch durch unsere Mithilfe. Und ich persönlich bin der Meinung, bin sogar der Uberzeugung: Nachdem nunmehr die Mauern gefallen, nachdem nunmehr die Gottesmutter und der liebe Gott gezeigt, daß Schönstatt ein ausgeprägtes Gotteswerk, also nicht Menschenwerk ist oder nicht ein bloßes Menschenwerk, nachdem das alles so sich ausgewirkt, meine ich annehmen zu dürfen, daß wir in Zukunft reichlich Gelegenheit haben, der Kirche im Sinne der nachkonziliaren Anliegen zu helfen. Und wir wollen das aus ganzer Seele tun. Sie haben sich vielleicht dieser Tage sagen lassen, daß vor ein paar Tagen ich weiß nicht, waren es 22 oder wie viele Bischöfe in Schönstatt waren. Das war ein großes Ereignis für Schönstatt. Es ist dies auf einmal eine Beziehung zwischen Schönstatt und der Hierarchie größeren Ausmaßes. Nicht so, als wäre das nicht immer unsere Absicht gewesen, aber die Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß zwischen Schönstatt und der Hierarchie eine starke Spannung entstanden war. Aber beileibe nicht, unsererseits, als wollten wir irgend etwas gegen die Hierarchie unternehmen. Keineswegs. Die Schwierigkeiten sind nun überwunden.

Das wissen wir ja wohl alle: Was das Konzil beschlossen, das sind im wesentlichen nur Hinweise, zumal wo es sich handelt um das Zentralproblem: Kirche und moderne Welt. Darum dreht es sich ja: Wie das Christentum, der Katholizismus, die moderne Welt gestalten kann oder, um mit Johannes XXIII. zu sprechen, wie weit man gehen darf, um alle Türen, um alle Fenster der Kirche aufzureißen, damit Weltluft in die Kirche und Kirchenluft in die Welt hineingetragen wird. Es ist keine leichte Aufgabe, die damit der kommenden Kirche gestellt ist. Und wenn wir nun sagen, oder wenn ich sagen darf im Sinne, im Geiste unserer Familie ich lege also hiermit, wenn auch bei Tisch, eine feierliche Promissio ab , wir wollen alle Kräfte anwenden, nicht nur ganz allgemein dem Episkopat, sondern in besonderer Weise der Diözese zur Verfügung zu stehen. Was das im einzelnen heißt? Ich meine, auf einen Nenner zurückgebracht, dürfte ich dann wohl sagen: Wir sollen, wollen uns bemühen mitzuhelfen, daß die Diözese eine ausgeprägte Familie, eine zeitgemäße und eine überaus fruchtbare Familie wird.

(Ausgeprägte Familie). Wenn ich also meine: eine ausgeprägte Familie, greife ich einen Ausdruck auf, den das Konzil so häufig betont, einen Ausdruck, der einen Unterschied zeigt in der Selbstauffassung der Kirche von gestern und heute. Die Glieder der Kirche insgesamt, einfache Gläubige und Hierarchie, die wollen sich künftig als Volk Gottes auffassen. Genauer gesagt: Die Kirche soll künftig mehr als bisher eine einzige, große Familie Gottes darstellen.

Und wo eine Familie, da ist es selbstverständlich, muß auch ein Paterfamilias sein. Und der Paterfamilias für jede Diözese soll der Bischof sein. Jetzt darf ich nur an das erinnern, was Weihbischof Tenhumberg vorher gesagt, daß hier ein Ideal wir würden im Sinne Schönstatts wohl sagen: ein Persönliches Ideal das Persönliche Ideal auch meines Bischofs, unseres Bischofs, signalisiert ist. Offenbar von innen heraus, nicht nur durch äußere Anregungen, also nicht nur aus Erkenntnis der Not

wendigkeit, steht hier ein Bischof vor uns, der das als ein besonderes Anliegen auffaßt, von innen gedrängt, was das Konzil so überaus stark ersehnt: Bischof der Paterfamilias. Damit ist im wesentlichen der Mittelpunkt geschaffen für die Diözese als Familie. Normalerweise will eine Diözese fast möchte ich sagen: gliedhaft mehr und mehr kreisen um den Paterfamilias. Das wird genauer heißen: Der erste Kreis, der um ihn kreist, muß halt der Diözesanklerus sein.

Wenn ich also noch einmal ein Versprechen ablege, dann würde das in dem Sinne heißen: Wir wollen sorgen, daß Exzellenz wirklich lebens und ideenmäßig der Paterfamilias wird, daß aber auch der Klerus sich um diesen Paterfamilias schart. Wir wollen das als Schönstattpriester zunächst selber tun durch unser Beispiel; aber auch dorten, wo wir Gelegenheit haben, eine Lanze für ihn brechen.

Daß das schwer wird, das weiß jeder, der das heutige, aufgespaltete, zerrissene, entbundene, entfesselte moderne Leben kennt. Alle Bindungen, alle Bande sind ja heute fast bis in die Wurzel gelöst, wenn nicht total zerrissen. Und nunmehr eine wirkliche Familie zu schaffen, in der Mitte der Bischof, darum kreisend die einzelnen Priester in ihren verschiedenen Schattierungen und darum kreisend letzten Endes unser katholisches Volk promissio.

(Zeitaufgeschlossene Familie). Ich habe sagen dürfen: Wer nachkonziliarisch fruchtbar arbeiten will, der muß zweitens dafür sorgen, daß die Familie, also die Diözese als Familie, eine zeitaufgeschlossene Familie wird. Was das Wort „zeitaufgeschlossen“ bedeutet, läßt sich kaum mit wenigen Worten sagen.

Ich hebe nur einen Punkt hervor: Wer die heutige Zeit kennt, wer versucht hat, in ihr, für sie zu arbeiten, der horcht besonders stark auf, wenn er das Wort hört pluralistische Gesellschaftsordnung. Das klingt natürlich ungeheuer modern; das klingt wohl auch so, als wenn nunmehr Fesseln; Mauern gefallen wären. Aber man darF nicht übersehen, wie viele neue Fesseln für morgen zu erwarten sind. Der Ausdruck, der Lebensvorgang, der damit bezeichnet wird, setzt voraus, daß alle Mauern nun gefallen und am Fallen sind, setzt voraus, daß wir morgen oder übermorgen kaum noch ein katholisches Lager haben. Das setzt voraus nicht nur, daß Völker und Nationen ineinander fließen, ineinander wirbeln, setzt auch voraus, daß die verschiedenen religiösen Bekenntnisse, ob christliche oder nichtchristliche Bekenntnisse, durcheinander sich mischen.

Was das bedeutet? Wir kennen die menschliche Natur. Wir wissen auch, daß die menschliche Natur total abhängig ist von einer Atmosphäre, vom Schutz der Atmosphäre. Fällt morgen, übermorgen , Mauern fallen wie schwer muß es dann sein, überhaupt katholisch zu bleiben! Wie schwer mag es dann sein, religiös zu bleiben, den Glauben als Wurzel des Baumes, des katholischen und religiösen Baumes, zu wahren und zu bewahren!

Was das im einzelnen besagt? Ich hebe nur einen Punkt hervor: Waren wir bisher katholisch und konnten wir unseren Katholizismus bewahren, auch wenn er mehr oder weniger an der Oberfläche sich auswirkte, dann müssen wir heute sagen: in pluralistischer Gesellschaftsordnung muß alles wurzelecht werden. Was früher die Atmosphäre gebracht ob wir jetzt an die Arbeitsstätte denken oder an das gemeinsame Leben der Völker untereinander , was früher die Atmosphäre an Wohltaten uns gebracht, das will morgen, übermorgen das einzelne Individuum. Ich muß also so verankert sein im Katholischen, genauer gesagt im Jenseitigen, muß also so etwa Pauli Wort verstehen und deuten: Euer Wandel soll im Himmel sein (Phil 3,20). Erst wenn unser Wandel wirklich von oben bis

unten „im Himmel“ist, ist der Wandel auch in der heutigen Welt erst richtig möglich.

Ich weiß nicht, ob ich mehr darüber sagen darf. Es soll ja eine Tischrede sein mit ernstem Gepräge. Wir als Schönstätter sind uns wohl bewußt, was wir sagen, zumal was ich sagen möchte und nun in meinem und im Namen der Familie verspreche: Promissio oboedientiae dafür zu sorgen, daß die Münsteraner Diözese als Familie nicht nur ausgeprägt familienhaft, sondern auch zeitgemäß modern familienhaft ist, daß also die Wurzel unseres Seins, die Wurzel unseres inneren Lebens, wieder festgelegt werde.

(Eine fruchtbare Familie). Und endlich ein Drittes: Fruchtbar will und soll die Familie sein. Wir können dafür ja wohl auch sagen, es sollten von dieser Familie Kreise ausgehen apostolischer Art. Wir haben ja durch das Konzil einen neuen Begriff des Apostolates kennengelernt. Worin der besteht, wie der aussieht, sei dahingestellt. Ich suche das nur auszudrücken mit einem alten Worte, wenigstens mit einem Worte, das in unserem Kreise gang und gäbe

ist: Das Hauptapostolat besteht heute in unserem eigenen Sein. Wenn wir also nicht nur eine ausgeprägte, eine zeitgemäße, sondern auch eine bis indie Wurzel gehende Familie, Familiengeist in der Diözese haben wollen, wenn wir leben, was wir lehren, wenn also von den einzelnen Personen, von den einzelnen Diözesanen, von Priestern und vom Volk, eine wahre katholische Welle den ganzen Menschen erfaßt, meinetwegen im Sinne der Liturgie, wenn wir alle echt katholische, heiligmäßige Menschen werden wollen, ich meine, dann sind wir wahrhaftig eine ausgeprägte, fruchtbare Familie geworden. Was von der Kirche im großen gilt, wird deswegen auch von der Kirche im kleinen gelten. Eine einige, heilige, katholische und apostolische Kirche jede Diözese. Wir sorgen, soweit wir können dafür, daß Münster eine solche Kirche im kleinen wird; jetzt dürfen Sie den üblen Beigeschmack nicht auch hören, der mit dem Worte verbunden ist: eine Kirche im kleinen eine einige, eine heilige, eine katholische und apostolische Kirche werde.

Das soll also meine Promissio sein. Und wenn das, was ich Ihnen sage oder was ich selber bekennen darf, nun im Himmel anerkannt wird, dann meine ich, daß die Gottesmutter antwortet: Adsum. Sie hilft mit. Sie sorgt, daß unser Versprechen nicht bloß in Worten bleibt.

 

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