CmL1996 II 3 Dimensionen der Christusliebe

CmL1996 II 3 Dimensionen der Christusliebe

J. Kentenich, aus: Vortrag bei der Führertagung der Schönstatt- Frauenliga, 31.12.1945

Unsere Christusinnigkeit muß auch umfassend sein.

-Sie muß mein Leben formen und gestalten, muß in mir entzünden Opferkraft und Opferfreudigkeit. „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14). Die affektive Liebe muß zur effektiven Liebe werden. Sie muß wie ein Rad die Werktagsheiligkeit treiben. Der Werktag des Mädchens, der Frau, des Jungen muß geformt werden. Künftig soll unsere Jugend sich bewußter erziehen als bisher, und zwar nicht nur im Sinne der Persönlichkeitsbildung, sondern auch der Berufstüchtigkeit. Und hier liegt ein weiteres Gebiet vor uns. Der ganze Mensch soll also geformt werden. Unsere Jugendlichen müssen zeigen, daß die Christusliebe das ganze gewöhnliche Leben, das ganze Benehmen, das ganze Gebaren mehr und mehr prägt. Unser Leben muß beweisen: In uns geht Christus durch die Welt. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist alles Streben eine Selbsttäuschung. Es ist immer etwas Bedenkliches, wenn man in jungen Jahren schier alle Eindrücke kennengelernt hat, in alle Höhen emporgestiegen ist, aber nicht den ganzen Menschen emporgehoben und geformt hat. Das ist überaus gefährlich, denn es gibt dann kaum noch etwas, was die Seele wecken kann. Deswegen, der Schritt vom Idealismus zum Realismus ist unerläßlich. Die Christusliebe muß also eine umfassende oder besser eine uns gänzlich umgestaltende sein.

– Umfassend soll diese Liebe aber auch sein unter dem Gesichtspunkt, daß sie weiterführt in den Vatergott hinein, emporführt zum Heiligen Geist. Gedanken dazu finden Sie im Führergebet (HW 135-137). Hier wird das große Ziel der ganzen Erziehung angegeben: Wir wollen nicht nur das Marien- und Christusgeheimnis umfassen, sondern auch hineinwachsen in das Trinitätsgeheimnis. Es soll nicht nur so sein, daß ich mir sage: Vielleicht komme ich auch einmal so weit. Nein, dieses Ziel soll in unserer ganzen Persönlichkeit einen Widerhall finden und bewußt angestrebt werden. Wir, die wir als Führer hier sind, wollen auf jeden Fall die großen Zusammenhänge sehen.

– Umfassend muß die Liebe aber auch sein nach einer dritten Richtung hin. Sie muß zur umfassenden Menscheninnigkeit werden, das heißt, die Christusliebe muß zur Menschenliebe führen.Sie drängt uns also, um es in wenigen Worten zu sagen, in die Höhe und in die Tiefe, aber auch in die Weite und Breite. Das ist die Christusinnigkeit, die wir als die subjektive Quelle auffassen dürfen, aus der die Wasserleitung immer wieder neues Wasser erhalten darf.

Wie sollen wir nun die Christusinnigkeit im neuen Jahr pflegen?

Wollen wir nicht die Heilige Schrift mehr lesen als bisher? Wollen wir nicht mehr noch als bisher auch Christusbücher lesen und den Heiland dadurch besser kennen- und liebenlernen? Wenn wir uns üben wollen in der Liebe, muß dann nicht der Tabernakel unser Lieblingsplätzchen sein, an dem der Apostel sich immer neu ausruht? Muß die heilige Messe nicht der Mittelpunkt unseres ganzen Lebens werden? Muß unsere Nächstenliebe nicht der Ausdruck unserer Christusliebe sein? Wollen wir beweisen, daß wir Christus lieben, dann nehmen wir als Prüfstein in unsere Aszese die echte brüderliche und schwesterliche Liebe. Ich darf Sie in dem Zusammenhang auch bitten, alles, was die Familie uns lehrt im Hinblick auf die Selbstheiligung, ernstzunehmen, also die Tagesordnung ernstzunehmen und immer beseelte Kontrolle zu halten

 

Erschienen in:
Joseph Kentenich
Christus mein Leben
Ausgewählte Texte zum Christus-Jahr 1997
Herausgegeben von Günther M Boll, M. Pia Buesge, Peter Wolf
Patris-Verlag Vallendar-Schönstatt
www.patris-verlag.de

 

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