CS34 CAUSA SECUNDA Text 34

CS34 CAUSA SECUNDA Text 34

Aus: Krönungswoche 1946

Universalismus der Seinsordnungen! Sie mögen sich hier erinnern, daß das Sein schlechthin Gott selber darstellt, die causa prima. Halten sie aber auch fest, was der heilige Thomas erarbeitet und die Kirche legitimiert hat: die tiefe Auffassung von der Eigengesetzlichkeit der Zweitursache, der causa secunda. Das hat von Anfang an in der Familie immer eine starke Anerkennung gefunden.

(Das ist der) Universalismus der Seinsordnung: der göttlichen, übernatürlichen und der natürlichen Seinsordnung. Von Anfang an haben wir in tiefer Ehrfurcht vor jedem Sein gestanden, ob es sich um Erst- oder Zweitursachen, um die Kreatur oder um den Kreator handelte. Deswegen das Lieblingswort: Ordo essendi est ordo agendi! Deswegen ständige Orientierung am Sein! -(S.137f)-

Universalismus des Seins, sowohl der Seinsordnung als auch der Seinsarten und der Seinsverpflichtung! Ob ich noch einmal nachdrücklich hinweisen darf auf den Universalismus der Seinsverpflichtung? Die Fachleute haben gestern wohl aus den Gedanken, die in dem Zusammenhang vorgetragen wurden, herausgehört, wie hier grundgelegt ist das Naturrecht, die Seinsverpflichtung. Die geschaffenen Dinge sind nicht nur inkarnierte Gottesgedanken und Gotteswünsche, sondern sogar Gottesbefehle. Und den wissenschaftlich Interessierten mag es überaus lehrreich erscheinen, von diesem Punkte (aus) einmal zurückzuschauen in die Strategie, die in der Familie lebendig und wirksam war schier in allen Kursen, die aufgebaut wurden auf die objektive Seinsordnung und damit auch auf das Naturrecht. Wenn ich erinnern darf an unsere Geschlechterpädagogik, (es) ist immer vorausgegangen eine Geschlechterphilosophie. Wenn ich denke an die sozialpädagogischen, ehepädagogischen Tagungen; sie alle haben jeweils bewußt die objektive Seinsordnung und damit das Naturrecht gesucht.

Ob Sie wohl heraushören, von welcher Bedeutung eine derartige Denkweise ist? Wir können es dem heiligen Thomas nicht hoch genug anrechnen, daß er im Anschluß an Aristoteles die Bedeutung der Zweitursache so klar dargestellt und damit das Naturrecht grundgelegt hat. Nicht, als hätte nicht auch der heilige Augustinus auf dem Boden gestanden, aber er hat kein System daraus gemacht wie der heilige Thomas, der darin geschichtlich seine Bedeutung hat. -(S.148-151)-

Es liegt in der Natur des Menschen, sich nach Gebundenheit auszustrecken, von innen heraus nach Gebundenheit an Personen. Die heutige Zeit kennt das ja nicht mehr, sie kennt Vermassung der Persönlichkeit, aber nicht die gottgewollte personale Gebundenheit. Wollen Sie sich bitte daran erinnern: Der Mensch ist so konstruiert, daß er seine Vollendung nur in der Hingabe an eine Person findet. Nur in der Hingabe an ein persönliches DU wird der Mensch vollendet. Freilich, der lebendige Gott hat nun dafür gesorgt, daß nach dem Gesetz der Übertragung Menschen sich nicht bloß an ihn, (sondern) sich auch binden dürfen, sogar binden sollen an seine Stellvertreter. Personale Gebundenheit! Eine ganze Psychologie der Gebundenheiten haben wir dargestellt. Wer kann die Lehren, weitergeben, überzeugend weitergeben? Sind wir darin so zu Hause, daß wir Rede und Antwort stehen können? Ich meine, die Schätze, die der liebe Gott uns geschenkt und die Königin uns in den Schoß geworfen, wollen wir dankbar anerkennen und der Welt künden. Wir müssen ringen um diese personale Gebundenheit, um eine gewisse „Personalpädagogik“. -(S.166f)-

Unsere Schönstatt-Priestergeneration hat seinerzeit eine Weiheströmung inszeniert. Wir danken ihr, sie ist ihrer Sendung treu geblieben. Von ihr ging, zumal von den Münsteranern, in den verflossenen Jahren das starke Drängen aus, Deutschland der Gottesmutter zu weihen. Eine Weiheströmung! Sehen Sie, wie sie hineinmündet in die Weiheströmung des Heiligen Vaters. Sehen Sie bitte in dieser Weihebewegung eine große Aufgabe der kommenden Jahrzehnte!

Consecratio, Weihe an die Gottesmutter, bedeutet eine Anerkennung ihrer Herrschaftsrechte über die Welt. Gott arbeitet in der natürlichen Ordnung durch Zweitursachen. Gott arbeitet auch in der übernatürlichen Ordnung durch Zweitursachen. Er will die Verherrlichung der Gottesmutter, um dadurch selber verherrlicht zu werden. So erst verstehen wir die Botschaft, die eigenartig klingende Botschaft von Fatima. Wie oft weist die Gottesmutter darauf hin, daß es von ihr abhängt, ob die Welt gerettet wird. Und lesen Sie bitte das Weihegebet vom Heiligen Vater. Es sind Ausdrücke, die wir nicht in den Mund zu nehmen wagen. Von ihr hängt es ab! Spüren Sie, mit der Krönung gehen wir also durch und durch auf die Absichten des Heiligen Vaters ein. Und was so einschlußweise in der Weihe zum Ausdruck gebracht wird, hat er später dadurch noch einmal klarer gesagt, daß er die Gottesmutter als die Königin der Welt offiziell gekrönt hat. Neuerdings Krönungsbewegung! Wir sind also in guter Gesellschaft wie in alleweg. -(S.200f)

gedruckt als:
Krönung Mariens – Rettung der christlichen Gesellschaftsordnung, Schönstatt-Verlag, Vallendar, 1977, ISBN 978-3-920849-29-4
S.137f; S.148-151; S.166f; S. 200f **

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