GdL-1950-09 Kindliches Glauben, Hoffen und Lieben

GdL-1950-09 Kindliches Glauben, Hoffen und Lieben

Aus: Exerzitien für Schönstattmütter 1950, 4.-8. September

Das ist einfach kindliches Glauben, Hoffen und Lieben. Wir müssen den Ton legen auf das Wort „kindlich“. Kindlichkeit sieht überall im Leben Gott und findet überall mit ihm Fühlung, auch dann, wenn es hart auf hart geht. Kindliche Pietät sieht vor allem den Gott des Lebens überall im Leben und weiß die Fühlung mit ihm herzustellen. – Sie dürfen nicht meinen, Sie hätten allein Kreuz und Leid auszuhalten. Wenn Sie das Leben der Gottesmutter auf sich wirken lassen, werden Sie finden: Sie hat durchweg ähnliches Leid mitmachen müssen wie wir. Denken wir an das Mißverständnis zwischen ihr und dem heiligen Josef. Josef glaubte, sie entlassen zu müssen, weil er nicht wußte, was in ihrem Schoße Wirklichkeit geworden. Es war ein sehr niederdrückendes Mißverständnis. Dann das Leid mit ihrem Kinde (zwölfjähriger Jesus im Tempel). Und wie groß war ihre Heimatlosigkeit. Es war doch schwer, heimatlos das Kind in einem Stall zur Welt zu bringen, dann durch die Wüste fliehen und in einem fremden Land bleiben zu müssen. Die Gottesmutter hat auch Flüchtlingselend mitgemacht. Und sie hat ihr Kind hergeben müssen. Das ist das Los einer jeden edlen Mutter. Sie muß das Kind zweimal gebären: wenn sie ihm das Leben gibt und wenn sie es hergibt. Hergeben müssen wir es alle einmal: entweder dem lieben Gott in einem religiösen Beruf, oder einem Manne, oder Gott holt es in die Ewigkeit. Unser Herz muß auf der ganzen Linie auf das Opferbringen eingestellt sein.

Und wenn Sie weiter sehen: Auch die häuslichen Verhältnisse der Gottesmutter mögen ähnlich gewesen sein wie die unsrigen. Sie mußte sich bescheiden in den Wohnungsverhältnissen, in ihrer wirtschaftlichen Sicherstellung, auch in ihren religiösen Bedürfnissen. Wir können uns vorstellen, daß die Gottesmutter am liebsten in der Nähe Jerusalems gewohnt hätte. Sie wohnte aber in der Ferne. Sie konnte nur jedes Jahr eine Wallfahrt machen, obwohl ihr Herz Im Tempel beheimatet war. Sie mußte sich bescheiden in ihrem religiösen Affektleben. Auch sie hat Trockenheit gekannt. Nehmen Sie als Symbol dafür das ängstliche Suchen nach dem Heiland, als er sich ihr entzogen hatte. Sie sollte eben alles Leid mitkosten, das ein edler Mensch hier auf Erden durchmachen muß, abgesehen von dem Leid der Sünde.

Wir sehen, daß die Gottesmutter in ihrer Art immer ein Ja spricht. Was müssen wir tun, damit auch uns das als Dauerzustand glückt? Sie tun gut daran, sich zu bestimmten Zeiten ausschließlich dieser Betrachtungsweise hinzugeben. Das ist eine sehr einfache Art, zu betrachten. Wir können sie auch mit den beiden Merkworten nennen: Nachprüfen und nachkosten und vorprüfen und vorkosten. Das sollten wir eigentlich jeden Tag tun, und wenn es nur kurz beim Morgengebet wäre, wenn wir keine andere Zeit haben.

Was bedeutet das: Nachprüfen und nachkosten? Was ich Ihnen vorher erzählt habe, ist so schlicht und verständlich und trifft wohl auch den Nerv unserer Seele. Es wäre ein Meisterstück, wenn wir alle Situationen unseres Lebens so auskosten könnten. Aber dafür sind die Reize des Lebens noch zu stark, sie reißen uns weg. Deshalb wäre es gut, wenn wir uns jeden Morgen, etwa beim Morgengebet oder bei der heiligen Messe, eine bestimmte Zeit reservierten und uns die Frage stellten: Wie ist mir gestern Gott begegnet? Dann lege ich nachträglich die Leiter an. Ein Familienleben bringt doch tagsüber allerlei Abwechslung, mal angenehme, mal unangenehme, doppelt, wenn wir an die Zukunft denken. Wenn wir uns nicht daran gewöhnen, jede Sekunde auf die Anregung Gottes zu antworten, sind wir nicht gewappnet gegen alles Schwere. Ich frage mich: Was hat Gott mir gestern sagen wollen? Meinetwegen, das Kind hat eine Unart begangen, oder mit dem Mann ging es nicht gut. Ich habe es gestern noch nicht fertiggebracht, die Leiter anzulegen. Das hole ich nach. Was wollte mir Gott dadurch sagen? Wollte er mich mehr lösen, mich abhängiger machen von sich? Gott hat es selber gesagt: Nicht einmal ein Haar fällt von unserem Haupte ohne einen besonderen Sinn. – Was war gestern? Dieses oder jenes Ereignis. Alles ist in den Plan Gottes eingegliedert. Was will er mir dadurch sagen? Nachträglich gebe ich mir die Antwort für den Willen und für das Herz. Dann habe ich die Leiter angelegt für den Verstand und für das Herz. Dann bin ich eine tief-religiöse Mutter. Dann lerne ich die Kunst, immer bei Gott zu sein, seine Sprache zu verstehen.

Ich bin persönlich der Meinung: Wenn uns das glückt, uns nach jedem Ereignis mit dem lieben Gott auszusprechen, dürfen wir sicher sein, daß künftig nichts Schweres kommt, wofür wir nicht gewappnet sind. Gott bereitet uns durch alle Ereignisse auf die späteren vor. – Wie einfach ist diese Frömmigkeit! Die kann jedes Kind des Volkes üben. Das sollten wir auch unseren Kindern wieder mitgeben: Nachprüfen und nachkosten.

Der zweite Teil heißt: Vorprüfen und vorkosten. Was das besagen will? Ich frage mich: Was wird mir heute wohl begegnen? Ich weiß nicht, vielleicht ist es der Tag, an dem der Mann mit dem Geld nach Hause kommt, an dem er so und so viel in der Tasche behält. Ich stelle mich schon von vornherein darauf ein, kämpfe das schlicht durch und lege jetzt schon die Leiter an für den Verstand und sehe überall Gott. Wenn das so käme, was würde Gott mir sagen?… Das gilt auch in der Kindererziehung. Gott läßt uns manchen Mißerfolg erleben, damit er Erfolg hat in unserer Erziehung. Wie oft will Gott, daß wir in uns gehen, daß wir spüren, wie fragwürdig alles menschliche Tun ist. Auch wollen wir nicht vergessen, daß bisweilen in der Erziehung und in der Familie der Teufel wirksam sein kann. Der Teufel ist auch eine Großmacht, die wir nicht übersehen dürfen. Wir Schönstattkinder haben uns im großen und ganzen daran gewöhnt, den Exorzismus zu beten. Viele von uns tun das jeden Morgen. „Der Herr möge aufstehen und alle seine Feinde in die Flucht jagen.“ Welche Feinde sind gemeint? Alle Teufel. Es kann sehr häufig sein, daß der Teufel im Hause los ist. Man sagt dann gerne. „Es ist alles wie verhext!“ Deswegen hat es schon einen tiefen Sinn, sich an solche Dinge zu gewöhnen. Das sind Dinge der einfachen, einfältigen Frömmigkeit, die wir nicht übersehen sollten.

Vorprüfen und vorkosten: Ich sehe schon voraus, was kommt. Wenn ich darauf eingestellt bin, dann ist die Seele nachher nicht so stark nervös. Ich glaube, wenn wir das tun und uns ein wenig Zeit dafür nehmen, haben wir das Bewußtsein, daß unsere Seele gleichsam Flügel bekommt. Dann verwirklichen wir das Wort: Eine Mauer um uns baue! Dann bleiben wir innerliche Menschen, sind widerstandsfähig, können das Leben besser meistern und alles um uns herum nach oben ziehen.

Aus: Exerzitien für Schönstattmütter 1950, 4.-8. September (E), Seite 90 – 95

in: Uns gesagt. Vorträge für Schönstattmütter von Pater Josef Kentenich. Dritter Band, Vallendar-Schönstatt o.J., 148 S.

 

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