JoBr52-06_251-261 Die Deutung des Schönstätter Mariengeheimnisses IX

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Die Deutung des Schönstätter Mariengeheimnisses IX

Die Quelle des Schönstätter Mariengeheimnisses (Fortsetzung)

Gott ist König. Was ist ein König? 1951.

Gott ist Vater. Was ist ein Vater? 1951.

Jede ernsthafte Untersuchung dieser Art kommt zur Feststellung: Gott-König und Gott-Vater sind heute keine Wurzelbegriffe mehr, sie greifen nicht in die Tiefen der Seele, /

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wecken und binden nicht positiv deren unterste und oberste Kräfte. Das Verschatten des Gottesbildes, der Gottesvorstellung, ja des Gotteserlebnisses in der heutigen europäischen Menschheit hängt eng zusammen mit der soziologischen, historischen, politischen und religiösen Entleerung dieser archetypischen Vorstellungsbilder mensch-göttlicher Beziehung. Diese Entleerung, deren psychologische und religiöse Reichweite unübersehbar ist, erscheint in wesentlichen Bezügen als Ergebnis eines vielhundertjährigen innereuropäischen Kampfes gegen die Könige und Väter. Nietzsches vielberufenes und oft falsch verstandenes Wort [[191]] ‚Gott ist tot‘ ist nur das Schlußwort dieses historischen Kampfes um die Könige und Väter. Wir haben also vom Sterben und vom Tod der Könige und Väter in diesen letzten Jahrhunderten zu sprechen(12).«

Dann setzt der Verfasser in allgemeiner Ubersicht die Geschichte des Vater- und Königsmordes im Abendland auseinander. Die Konsequenz lautet:

»Das Ergebnis ist – unsere heutige Lage: Nach dem Tod der Könige und dem Sterben der Väter haben heute Millionen Menschen in Europa, wohl die überwiegende Mehrheit der europäischen Bevölkerung, kein natürliches, ‚angeborenes‘ Vater-Erlebnis mehr; ein Erlebnis, das durch die Umwelt getragen wird und auf der realen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Stellung des ‚Vaters‘ als Herr des ‚Hauses‘ und Haupt der Familie beruht. (Die Millionen vaterloser Kinder, die Kinder aus geschiedenen, brüchigen Ehen und so weiter sind nur ein Teilausdruck dieses Gesamtphänomens des europäiscfien Vaterverlustes.)

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Europa ist vaterlos geworden. Jede Statistik beweist dies (im kleinen Österreich etwa sind 30 Prozent der Schulkinder vaterlos) – und jeder Blick in die Literatur, Kunst, Wirtschaft und Politik bestätigt es; das Fehlen echter Autorität, gewachsener Verantwortung, natürlicher Führungsgruppen; die ungemein schwierige Entstehung neuer Eliten als verantwortungstragende ‚Klassen‘, die innerste Unsicherheit, Unbeständigkeit unserer politischen und besellschafflichen Ordnungen wird mitbedingt durch dieses Fehlen des ‚Vaters‘.

Die westliche Demokratie, deren Psychoanalyse eine lohnende Aufgabe wäre, siecht dahin, da sie den Vatermord nicht vergessen und schon infolgedessen die neue Brüderlichkeit nicht verwirklichen kann. Dasselbe gilt für weite Bereiche unserer westlichen europäischen Religiosität. Das quellfrische, das sichere Wurzeln in den Gründen fehlt, da der Varer nicht mehr in seiner natürlichen, hierarchischen Seinsmacht und Wertigkeit erlebt wird.

Hier aber können wir nun eine wichtige Beobachtung machen. In dieser ganzen heutigen Welt wird geschäftig und betriebsam an einer Reihe von Aufgaben und Problemen gearbeitet – auf Konferenzen, Tagungen, in Vereinen, Organisationen, Machtformationen; mit Presse, Partei, Heer. Sehr oft sind das Vordergrundaufgaben, dringende Tagesfragen der Wirtschaft, Politik und Kultur. Mit Tageslösungen und Nicht-Lösungen. Viele Teil- und Halberfolge. Von diesen Vordergrundfragen sind die Zeitungen und Bücher voll – und leider oft auch religiöse Veranstaltungen.

Es muß wohl so sein, so wie jeder Tag seine Plage hat. Man sollte sich vielleicht nicht zu sehr ereifern über diesen Betrieb. Zugleich werden, mehrfach in einer verborgenen Dialektik zu diesen ‚Veranstaltungen‘, in der Stille des Unterbewußten, im Bewußtsein einzelner Persönlichkeiten, in den Erfahrungen und Leiden der Völker und der Individuen, einige große ‚letzte‘ Probleme neu ‚behandelt‘, entfaltet, ent- /

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wickelt, zur Frage bestellt. Das heißt, sie werden neu bewußt in der ganzen Schwere eines spezifischen Gewichtes. Das sind Kernfragen, die Raum und Zeit neu formen. Ein neues Raum- und Zeiterlebnis sind die kostbaren und gefährlichen Siegesfrüchte, die ein ’neuer Mensch‘ eines neuen Zeitalters sich erwirbt: als ‚Werkzeuge‘ in seinem physischen und metaphysischen Existenzkampf. Zu diesen im Hintergrund stehenden Kernfragen gehört in Europa die Wiedergeburt des Vaters.

Das ist nicht die Sache (res, causa) einer Restauration. Restauration ist in solchen Wendezeiten Weg und Mittel Spätgeborener zu weiterer Destruktion. Keine Organisation, keine Vereinigung, keine technische, überhaupt keine willentliche Anstrengung und Angestrengtheit kann sie bewirken. Die Erweckung eines neuen Vaterbewußtseins, Vatererlebnisses setzt in anderen, tieferen Gründen an. In Schichten des Un-, Unter- und Überbewußtseins, im Individuum, in Kollektiven und Gemeinschaften, in die nur das Gebet, die Entsagung, das Opfer, der Schmerz und die aus dem Leid erwachsende Danksagung hinab- und [[192]] hinaufreichen. Geburt verhüllt sich. Ist verborgen und geborgen in Schweigen. Unsere Zeit gehört nun, wie alle Zeichen sagen, nicht mehr den Rednern und Tätern, den Phraseuren und Akteuren, sondern bereits den Geburten. Das ist der größte menschliche Trost, den unser Zeitgeschehen zu geben vermag…

‚Vater Unser’… Dem Christen hat der Sohn das Antlitz des Vaters gezeigt. Der Sohn, der uns zu Brüdern gemacht hat. ‚Wir wissen, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder… Wer die Güter dieser Welt besitzt, aber sein Herz verschließt, wenn er seinen Bruder Not leiden sieht, wie soll in dem die Liebe Gottes bleiben?‘ (1 Jo 3,14 f.). Johannes, der Geschichtsdenker des Neuen Bundes, weiß: der Kyrios durchbricht den Kreislauf der Äonen, der Sterngötter, /

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der Kaisergötter und Gottkaiser der alten Imperien und beruft ein neues Volk – non ex sanguinibus, nicht aus den blut- und bodengebundenen Vater-Sippen und -Klans, sondern ein Volk von Brüdern(13).«

Auf diesem Hintergrund erheben sich abermals die beiden unbeantworteten Fragen. Die erste heißt: Ist das Vaterprinzip in seiner überragenden Stellung etwas Überzeitliches? Sankt Thomas beruft sich auf die wesentliehe Funktion des Vaters, auf das Zeugen, als Abbildlichkeit zur proprietas des Vatergottes. Daraus schlußfolgert er: Väterliches Sein und väterliche Gewalt ist die primäre, ist die tragende und überragende(14). Die mütterliche als die empfangende ist die sekundäre, die anlehnende Macht und Gewalt. Leo XIII. und Pius XII. berufen sich auf diese Auffassung des Aquinaten, machen sie zu der ihren und ziehen daraus nach dem Gesetz: ordo essendi est ordo agendi(15) die Folgerungen für unsere Frage und das praktische Leben(16).

Im Gewirre heutiger Meinungen über das Verhältnis der Geschlechter untereinander und der Glieder der Familie zueinander müssen wir uns nehr denn je an der objektiven Seinsordnung unentwegt orientieren; sonst kommen wir auf die schiefe Ebene und unter den Einfluß von Fallgesetzen, die unweigerlich in den Abgrund drängen und einen erschreckenden Kulturzusammenbruch verursachen. Der metaphysisch gewonnene Standpunkt /

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muß unentwegt festgehalten und überall als Norm benutzt werden. Deswegen braucht die Anwendung nicht stur und starr zu sein. Sie darf und soll beweglich bleiben, sie darf und soll Verhältnissen und eingewurzelten Gebräuchen maßvoll Rechnung tragen.

So wiederholen wir denn: Die überragende Stellung des Vaters ist überzeitlich. Wiedergeburt des Vaters ist und bleibt deshalb das vordringlichste Anliegen der Erneuerung der christlichen Gesellschaftsordnung.

In dem Zusammenhang erhält die zweite Frage erhöhte Bedeutung: Ist ausgeprägte Marienverehrung nicht ein großes Hindernis für eine solche Wiedergeburt? Beeinflußt sie nicht die Kultur des Abendlandes zugunsten einer rapiden Beschleunigung des Matriarchats? Die Geschichte unserer Schönstätter Geistigkeit gibt darauf eine eindeutige Antwort. Es dürfte schwerlich eine religiöse Bewegung in Deutschland geben, die so stark marianisch ist wie wir. Dahin geht ja der ewige Vorwurf von verschiedenen Seiten. Der Kenner fügt bei: Deswegen gibt es auch kaum eine Bewegung, die so ausgeprägt patrozentrisch ist wie wir. Ich sage mit Bedacht »deswegen«. Das will besagen: weil marianisch, deshalb patrozentrisch. Weiter: Im selben Ausmaß patrozentrisch als marianisch, und umgekehrt. Der ursächliche Zusammenhang ist unverkennbar. Wer aufgeschlossen, wer objektiv und ehrlich ist, kann ihn mit Händen greifen.

In der übernatürlichen Ordnung verwirklichen sich hier offenbar Lebensgesetze, die auch in der natürlichen Ordnung Geltung haben. Ist das oben bezeichnete Grundverhältnis zwischen väterlicher und mütterlicher Seins- /

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struktur, zwischen väterlicher und mütterlicher [[193]] Gewalt richtig gesehen, dann ist es selbstverständlich die Aufgabe und Pflicht der Mutter, ihre Kinder, die naturgemäß erst den Weg zu ihrem Herzen finden, mit großer Selbstlosigkeit und Hingabe nach dem Gesetze der Affektübertragung zum Vater zu führen und so den Vater in den Vordergrund zu rücken und zum überragenden Mittelpunkt des Familienlebens zu machen. So verlangt es die gesunde natürliche Ordnung, die leider heute nur ganz selten gewahrt und als Norm für Handel und Wandel wirksam ist. So will auch die übernatürliche Ordnung gesehen und gewertet werden: genauso wie sie sich nachweisbar bei uns nach allen Richtungen ausgewirkt hat.

Wegen dieser patrozentrischen Einstellung nimmt der praktische Vorsehungsglaube, der Glaube an die väterliche Führung in der Weltregierung, in unserem Denken und Leben den bekannten hervorragenden Platz ein. Alles ist bei uns wie aus einem Guß: Das Kleinste und Größte ist zu einem einzigen Ziele hingeordnet. Alles orientiert sich an der objektiven Seinsordnung. Deshalb dürfen wir auch hoffen, daß wir den Gewitterstürmen der Zeit nicht gar zu schnell und zu leicht zum Opfer fallen.

Es darf allerdings nicht übersehen werden, daß eine solch gesunde Entwicklung – soweit menschliche Faktoren dabei in Frage kommen – augenscheinlich nur möglich war, weil wir der psychologischen Begründung der Marienverehrung verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dafür aber der objektiven Stellung der Gottesmutter im Heilsplan und Heilsgeschehen vollauf Rechnung getragen haben. Norm war in alleweg das /

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Gesetz: ordo essendi est ordo agendi. Solange wir diesen bewährten Weg weiter einschlagen, dürfen wir derselben Wirkungen sicher sein. Für den Psychologen mag es ferner wertvoll sein, an einem konkreten Fall nachprüfen zu können, wie wahr unsere Behauptung ist, daß die niedere Ordnung für die höhere Ausdruck, Schutz und Hilfsmittel ist, daß aber auch die höhere für die niedere eine ähnliche Funktion hat(17).

Jetzt können wir den Faden unserer Überlegungen wieder aufgreifen. Wir können uns zurückbesinnen auf Wesen und Aufgabe der Gabe der Frömmigkeit. Wir brauchen nicht zu fürchten, daß Zeitverhältnisse oder stark marianische Einstellung ein Hindernis für das Kreisen um den Vatergott ist und deshalb die Funktion, die die Gottesgelehrten der Gabe der Frömmigkeit glauben zusprechen zu müssen, illusorisch mache. Das Gegenteil ist der Fall.

Franke hat eine lesenswerte Broschüre über »Die sieben SchlÜssel zum ganzen Menschen(18)« geschrieben. Wo er über die Gabe der Frömmigkeit spricht, singt er einleitend ein Loblied auf das vom Heiligen Geist gewirkte Grundverhältnis von Vater und Kind, das dieser Gabe Existenz, Dauerhaftigkeit und Fruchtbarkeit verdankt. Der Text paßt in unsere Überlegungen hinein. Er führt treffend aus, was wir seit Jahren unser Gottesgeschenk nennen, aber nicht gut in sprachliche Form gießen können:

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»Die Pläne Gottes liegen von Ewigkeit ganz anders. Nach ihnen sollten Erde und Himmel von Anbeginn her zusammenwachsen zu einer großen Familie. Das verraten die Weltpläne Gottes.

Nicht aus Notwendigkeit, sondern aus grundgütiger Vaterseligkeit wollte Gott uns Varer sein, und zwar so ganz Vater in ursprünglichem Sinne, daß von seinem Vaternamen jede andere Vaterschaft abgeleitet ist(19). Und er wollte, daß seine langen Gottestische der Ewigkeit von hellen Kindergottesgesichtern erstrahlen, die Engel obenan. Er hat diesen Wunsch auch nicht aufbegeben, als ein großer Teil von diesen Teufel wurden. Andere Geschöpfe sollten nachrücken und die leergewordenen Fluchten der Himmelstische ausfüllen. Er schuf die Menschen, und diese Menschen zerstörten Gottes zweiten Plan. Sie brachen alle Brücken ab, die zum Hause des Vaters führen. Sie mußten hinaus in Disteln und Dornen und aßen das Brot der Knechtschaft. Auch die Gesetzestafeln waren mehr Ausdruck des Unwillens als des Willens Gottes.

[[194]] Es blieb nicht so. Gott hat seine Lieblingsgedanken nicht aufgegeben. So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn aus dem Hause gab, ihn in die Welt schickte und allen, die ihn aufnahmen, die Macht gab, Kinder Gottes zu werden – Kinder Gottes im göttlichen Sinne des Wortes: nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern wahrhaftig aus Gott geboren(20).

So sind die Christenleute wirklich Kinder Gottes. Und es gibt kein Verhältnis in der ganzen weiten Schöpfung, das so eng ist, keine Beziehung, die so intim ist wie die unsrige zum Vater im Himmel! Wie enge stehen Vater und Kinder zueinander! Vater, das ist das Wesen voll Kraft und Leben, /

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der die Macht hat, das Leben weiterzugeben, der sich gern in seinem Gegenbild sieht, der neben sich ein Stück von seinem Leben hütet, der sein Gegenbild nur gern haben kann, grundgütig besorgt wie um das eigene Leben; der sein zweites Ich nur lieben kann und niemals hassen. Vater, der seine Art weitergibt, der seine Fähigkeit gerne und mit Stolz in seinem Kinde weiterführt und erweitert sieht. Vater, der seine Vaterkräfte hinopfert, bis das Kind die eigene Vollkraft erreicht hat; der auch sein Herzblut vergießt, damit sein Kind gerettet wird.

Und das Kind! Es ist ein Stück aus der Lebenskraft des Vaters, das Vaterähnlichste auf der ganzen Welt; das erste Vergleichsstück, der klarste Spiegel des Vaters. Darum auch allererste Beziehung zum Vater, ohne Zwischenglied, Verwandtschaft im ersten Grade. Das Kind, der Lieblingsgedanke des Vaters, seine Freude bei der Arbeit, seine Sehnsucht auf dem Heimwege. Das Kind gehört ins Haus des Vaters, sitzt am Tisch des Vaters und hat Hausrecht mit ihm.

So sind die beiden Worte ‚Vater‘ und ‚Kind‘ die kostbarsten Worte unserer menschlichen Sprache, die beiden goldenen Schalen, in die Gott Vater ein Ahnen von seiner Vaterschaft zu uns und unserer Kindschaft zu ihm hineingelegt hat. Ahnungen sind es nur, weit hinter der Wirklichkeit, so wie im Mondlicht ein zartes Ahnen von der Sonne steht. Es ist nicht möglich, Unendliches in endliche Formen zu bringen. Und doch bleiben diese beiden Worte wie goldene Bogen hinüber zum Hause und zum Herzen Gottes, auf denen die Getauften hinübereilen in die Familie der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Zwei sichere Wegweiser sind es, in deren Richtung unser Herz laufen soll, um den lieben Gott zu finden. Wer aber fühlt sich denn praktisch als Kind dieses Vaters? Wem ist das Bewußtsein so lebendig und wach, so kindhaft gebunden /

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und gottverwachsen, daß er zwischen den Hecken des Alltags das Kindsein vor Gott nicht verliert? Es geht hier um etwas ganz Großes, um das eine Notwendige: ‚Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen‘ (Lk 18, 17).«

Der Verfasser weist dann im einzelnen nach, welche Wirkungen die Gabe der Frömmigkeit in der Seele hervorbringt. Er nennt ihrer sechs:

»1. Die Neigung und das Sich-leichter-Tun im Umgang mit dem Vater.

2. Eifer für die Ehre und Aufgehen in den Wünschen des Vaters.

3. Liebe und Sehnsucht zum Hause des Vaters, zum Himmel.

4. Das Bewußtsein, daß wir ‚Mitbürger der Heiligen‘ (Eph 2,19) sind.

5. Das Sinnen und Sorgen mit der Kirche.

6. Das Sinnen und Sorgen mit der Pfarrfamilie.«

Für unsere Zwecke kommt die vierte Wirkung in Betracht. Greift der Glaubensgeist tief, so lernen wir schlicht und unbefangen, einfältig und urwüchsig mit den Heiligen, besonders mit der Gottesmutter, verkehren. Wir tun so, als ständen sie unmittelbar unter uns. Das besagt das Wort: Sie sind unsere Hausgenossen(21). Deshalb gehören sie zu uns und wir zu ihnen. Sie interessieren [[195]] sich für uns und wir für sie.

Diese schlichte, gläubige Einstellung feiert Triumphe an marianischen Gnaden- und Wallfahrtsorten. Da wird die Gottesmutter gläubig so nahe empfunden und erlebt, als wäre sie unmittelbar bei uns, als blickte sie mit besonderem Wohlgefallen auf uns herab, immer geneigt, /

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unsere Anliegen zu den ihrigen zu machen. Sie werden aufgefaßt und empfunden wie die »gute Stube« zu Hause, wo der Verkehr zwischen Mutter und Kind vertraulicher, wo die Hilfs- und Empfangsbereitschaff größer ist. Wer unter diesem Gesichtspunkte unsere und der Gottesmutter Liebe zum gemeinsamen Familienheiligtum auf sich wirken läßt, dankt Gott von Herzen für den Reichtum, der uns durch die Gabe der Frömmigkeit zuteil geworden ist. Sie hat uns ja fähig und bereit gemacht, Gottes Planung mit Schönstatt zu verstehen und das Schönstätter Mariengeheimnis zum Mittelpunkt des Lebens und Strebens zu machen.

12. F. Heer, Die Wiedergeburt des Vaters, in: Stimmen der Zeit, Monatsschrift für das Geistesleben der Gegenwart, Bd. 148 (1950/51), 321 f. Die Hervorhebung stammt von Heer.

13. F. Heer, a.a.O., 328 f.

14. Vgl. S.th. I, q. 33, a. 2.

15. Die Seinsordnung ist die Ordnung des Handelns.

16. Vgl. Leo XIII., Enzyklika »Quod apostolici muneris« vom 28.12.1878, deutsch in: Lumen de caelo, Ratibor 1934, 236. Pius XII., Ansprache an die Katholische Aktion vom 4.9. 1949, deutsch in: Der Papst sagt, Frankfurt 1956, 89.

17. Hier endet der Exkurs über das Vaterprinzip.

18. A. Franke, Die sieben Schlüssel zum ganzen Menschen, Von den Gabenherrlichkeiten des Heiligen Geistes, Kaldenkirchen 1948.

19. Vgl. Eph 3,15.

20. Vgl. Jo 3,16; 1,12 f.

21. Vgl. Eph 2,19.

Aus: Das Lebensgeheimnis Schönstatts. II. Teil: Bündnisfrömmigkeit, Vallendar-Schönstatt 1972, 278 S. – www.patris-verlag.de

 

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