Nachwort

Nachwort

Abschließend soll kurz auf den Weg dieser Arbeit zurückgeblickt werden, um das Ergebnis zu dem er führte, aufzuzeigen. Hierfür muß auf das Ziel dieser Arbeit verwiesen werden: Aufzeigen der Wurzeln, der Spezifikas der schönstättischen „Herzensheiligtumsströmung“ sowie deren Bedeutung für Glauben und Leben des Christen.

Nachdem im ersten Kapitel das Thema der Arbeit vorgestellt wurde, beschäftigte sich das zweite mit den theologischen Grundlagen. Hier konnte gezeigt werden, daß die kentenichsche Lehre vom Herzensheiligtum ihre Wurzeln in Bibel und Tradition hat. Leider konnten hier nur die wichtigsten Aspekte heraus gegriffen werden. Ich selbst würde es interessant finden in der heutigen Theologie noch stärker nach Ansätzen und Anknüpfungspunkten zu suchen, um sie in einen kritischen Dialog mit den kentenichschen Gedanken zu bringen.

Weiter wurden in diesem Kapitel drei Akzente in den Blick genommen, die in der originellen Ausprägung bei Kentenich hervortreten. Diese Aspekte zeigen sehr deutlich, wie ihm die Verbindung von Tradition mit den Erfordernissen der Neuzeit gelang.

Im dritten und vierten Kapitel stand der schönstättische Begriff „Herzensheiligtum“ im Mittelpunkt. Es wurden Herkunft und Bedeutung aufgezeigt. Diese Ausführungen wurden bewußt ausführlich dargestellt, da dieser Begriff im Leben der Schönstatt-Bewegung sehr zentral geworden ist; mir aber klar ist, wieviel Schwierigkeiten er doch in sich birgt. Für viele Menschen ist das Wort fremd und wenig aussagekräftig. Es bedarf einer langen Er-klärung, bzw. der „Heiligtumserfahrung“, um die Bedeutung nachvollziehen zu können. Hier fände ich es sehr wichtig weitere Bilder und Begriffe zu suchen, die den Gedanken der Einwohnung Gottes schöpferisch aufgreifen und die Arbeit mit ihm in Pastoral und Pädagogik erleichtern.

Im fünften Kapitel wurde durch Zeitbeobachtungen, Lebenszeugnisse und Reflexion gezeigt, wie das Wohnen Gottes im Menschen sich in Glauben und Leben des Christen auswirken und welche Bedeutung es für eine umfassende Spiritualität haben kann.

Mir selbst ist bei dieser Arbeit immer stärker aufgegangen, daß es sich bei der Einwohnung Gottes im Menschen wirklich um einen „Kerngedanken“ unseres christlichen Glaubens handelt, um „das größte Geheimnis des Christentums“, wie Kentenich es ausdrückt.[1]

Im Lauf der Arbeit fiel mir auf, daß sich der Gedanke des Wohnen Gottes im Menschen durch sein ganzes Wirken wie ein roter Faden zieht. Bereits in einem Vortrag von 1914 fand ich das erste Mal den Ausdruck „Heiligtum des Herzens“.[2] In vielen Tagungen und Vorträgen stand die Wahrheit unter dem Gedanke der Gliedschaft bzw. Kindschaft im Mittelpunkt. In der Exilszeit[3] bildete sich dann der Begriff „Herzensheiligtum“ dafür heraus und stand von da ab stark im Vordergrund seiner Arbeit. Dieses konsequente Arbeiten mit dieser Wahrheit war neu für mich, es bestärkt mich aber in der Auffassung, daß dies ein ganz zentraler Gedanke seines Lebens war.

Konkrete Wege zur Ausprägung und Vertiefung des Bewußtseins, daß Gott im Menschen wohnt, konnten in diesem Rahmen leider nicht mehr aufgezeigt werden. Ansatzpunkte finden sich teilweise im Punkt V; eine umfassende Ausarbeitung und Darstellung muß jedoch offen bleiben. Neben den erwähnten Anknüpfungspunkten können meines Erachtens auch Taufe und Kommunion hier Ansätze zu Ausprägung und Vertiefung bieten.[4]

Am Schluß dieser Arbeit soll ein Abschnitt aus einem Meditationsbuch von Andrea Schwarz stehen, der das Thema dieser Arbeit noch einmal zusammenfaßt:

Tief in mir
strömt das Wasser des Lebens.
Keine Phantasie,
keine Illusion,
keine Einbildung,
kein Wunschtraum
– sondern Zusage,
Realität und Geschenk.
Wasser des Lebens
– nicht käuflich,
nicht machbar,
nicht zu verdienen.
Es ist da, einfach da.
Ich muß nur
zur Suche bereit sein.[5]


[1] „ Der Heilige Geist ist nicht nur bei uns, er ist in uns wie in seiner Wohnung… Hier handelt es sich um den Kerngedanken, um das größte Geheimnis des Christentums. Alle Geheimnisse münden in dieses. Alle haben ihren Ausgangs- und Mittelpunkt, ihr Ziel in diesem Geheimnis.“

Kentenich: Marienlohn (1926), 9.

[2] Vgl. Kentenich: Vortrag bei der Gründung der Marianischen Kongregation, 19.04.1914. Auszugsweise veröffentlicht in: Christus, mein Leben, 108-110, hier: 108.

[3] Kentenich befand sich von 1951-1965 im kirchlich verfügten Exil in Milwaukee, USA.

[4] Im Jahr 1997 steht in vielen Diözesen im Rahmen der Vorbereitung auf die Jahrtausendwende das Sakrament der Taufe und das Taufbewußtsein der Gläubigen im Mittelpunkt der Arbeit. M. E. liegt hier eine große Möglichkeit der Arbeit mit dem Gedanken der Einwohnung deren sakramentale Grundlage ja die Taufe ist.

[5] A. Schwarz: Ich suche und finde das Leben in mir. Freiburg: Herder, 1996, 35-37.

 

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