3) Bedeutung für die Kirche: Apostolat

V) Bedeutung für Leben und Glauben des Christen – Fortsetzung

3) Bedeutung für die Kirche: Apostolat

a) Ein Blick in die Zeit

Im Blick auf die Situation der Kirche in unserer Gesellschaft fällt auf, daß die Christen in einer immer stärker werdenden Diasporasituation leben. Glaube und Kirche haben ihre gesellschaftliche Relevanz weitgehend eingebüßt.[1] Das öffentliche Klima, in dem wir leben, ist bei weitem nicht mehr christlich. Aufs Ganze gesehen, ist die Kirche zu einer nahezu bedeutungslosen Randerscheinung geworden, im öffentlichen, wie im privaten Leben. Viele stehen der Kirche und dem christlichen Glauben gleichgültig gegenüber, obwohl wir in einer Zeit leben, die als sehr religiös gilt. „Der Glaube boomt – egal, woran“[2] so bringt Lorenz die neu erwachte religiöse Sinnsuche auf den Punkt.[3] Man mixt sich heute seinen Sinnkosmos selbst zusammen. Die Kirche ist hier nur noch ein Anbieter im „Spiritualitäten-Supermarkt“.[4] Viele Menschen kommen mit Gott und Kirche kaum mehr in Berührung. Mit dieser neuen Situation setzt sich die Kirche noch wenig auseinander: die beherrschenden Fragen der innerkirchlichen Diskussion sind hauptsächlich binnenkirchliche. So geht häufig die Kraft verloren, mit der man von der Botschaft Jesu Zeugnis geben könnte.

In der Pastoral haben wir es in den letzten 30 Jahren immer noch kaum geschafft, das Bewußtsein des Allgemeinen Priestertums aller Gläubigen ins Lebensgefühl zu heben und um-zusetzen. Die wenigsten Gläubigen in unseren Pfarreien tragen in sich das Bewußtsein, daß sie gebraucht werden. Sie erleben selten, daß sie gefragt und wichtig sind. Dabei ist in je-dem Menschen das Bedürfnis gebraucht zu werden, vorhanden. Diese Sehnsucht gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Die wesentliche Frage eines offensiven Christentums muß heute sein: Wie geben wir den Glauben als echte Lebenshilfe an andere weiter? Denn, wenn ich die Phänomene unserer Zeit richtig interpretiere, ist durchaus ein starker Bedarf nach gangbaren Wegen vorhanden.[5]

b) Lebenszeugnisse

„Jesus wirkt durch mich, das stimmt mich oft sehr froh. Ich darf sein Werkzeug sein.“[6]

„Das Licht Christi, das wir in uns tragen auf den Straßen des Lebens, soll Freudenquelle und sinngebender Glaube für andere sein.“[7]

Von Karl Leisner stammt folgendes Gebet:

„Wir leben in Christus,
wir leben Christus!
Tun wir es wirklich.
Das ist meines Lebens letzter Sinn,
Christus zu leben in dieser Zeit!
Christus, wenn du nicht bist,
dann möchte ich nicht sein.
Du bist, du lebst.
Nimm mich hin,
verfüge ganz über mich.
Laß dein Handeln und Wandeln
durch mich und uns alle
heute zur Tat werden.
Christus, Christus, Christus!
Du bist mein Leben,
meine Liebe, meine innerste Glut!“[8]

„Ich sah, wie jemand strahlte,
und fragte, warum,
wie jemand glaubte,
und versuchte es,
wie jemand liebte,
die Gottesmutter anschaute,
… ich fand alles.
Es war fühlbares Beispiel. Daraus wuchs die Bindung an Ort, Gemeinschaft, Ideal.“

So beschreibt eine junge Frau ihren Weg zu Schönstatt, und damit in die Kirche.[9]

g) Der Gott des Herzens will durch den Glaubenden wirken und anderen begegnen

Die „Einsichtigkeit“ des Glaubens bzw. einer Weltanschauung verläuft nicht mehr in erster Linie über die Stimmigkeit der vorgebrachten Argumente, sondern über stimmige, ehrliche Lebenszeugnisse. Der Mittelpunkt und Träger der Evangelisation müssen daher die Gläubigen sein, als „mit vitaler Kraft in der Tiefe“ geformte Persönlichkeiten.[10] Denn in ihnen und durch sie kann Gott Menschen begegnen, die keine Kirche mehr aufsuchen. Er erreicht Menschen in Lebensverhältnissen, in denen der sakrale Kirchenraum weit entfernt ist. Durch sie kann Gott erfahrbar werden. In ihrem Herzen ist Platz auch für andere Menschen und deren Sorgen. Nouwen beschreibt dies folgendermaßen: „Mir kam sehr lebhaft die Erkenntnis, daß ich in meinem tiefsten Innern einen Raum schaffen müßte, um andere darin einladen und ihnen zur Genesung helfen zu können… Wenn mein Inneres gütig und liebenswürdig wäre …, dann könnten dort Gott und meine Mitmenschen einander begegnen. Dann könnte die Mitte meines Herzens zu dem Ort werden, an dem Gott die Gebete für meinen Mitmenschen hören und sie mit seiner Liebe umfangen kann.“[11]Die Wohnung eines Christen müßte daher ein offenes Haus sein, das Anlaufstelle für viele Menschen wer-den kann, weil sie wissen, daß hier jemand Zeit für sie und Interesse an ihnen hat.[12] Es herrscht eine Atmosphäre, wo andere Menschen sich wohlfühlen können.

Der Mensch, der Gott im Herzen trägt und ihn wirken läßt, kann sich nicht mit passiver Innerlichkeit und persönlicher Gotteserfahrung zufriedengeben (vgl. Joh 15,16). Er wird sich aktiv einsetzen, um für Gottes Wirken Zeugnis abzulegen. Der Heilige Geist ist in ihm tätig und will durch ihn wirken. Kentenich nennt es als primäre Lebensaufgabe des Christen, daß er Christus gegenwärtigsetzen soll,[13] vom Glaubenden soll „göttliches Leben“, eine „göttliche Atmosphäre“[14] ausgehen. Diese Form von Apostolat durch das praktische Leben, die heute notwendig ist, nennt Kentenich „Seinsapostolat“. Er sagt: „Das Wichtigste ist die Gegenwärtigsetzung Christi…Und diese Gegenwärtigsetzung komplettester Art müssen wir Katholiken der heutigen Zeit mehr vorleben, mehr vordemonstrieren als vorsagen… Wie sieht also das Apostolat aus? Es ist, wie wir früher oft sagten, das Apostolat der seins-gemäßen religiösen Fülle. Alles will vorgelebt werden!…es ist das Überströmen, das Über-fluten der inneren Fülle des göttlichen Lebens. Ich muß also leben. Ich gebe mein Leben weiter. Ich darf das auch durch das Wort tun. Aber das Apostolat des Seins ist das wichtigste.“[15] Diese Auffassung vertrat auch das II. Vatikanische Konzil (Vgl. AA 4).

Bei einem solchen Leben wird es dann zwangsläufig auch zu einem „Zeugnis des Wortes“ kommen, denn „wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über“ (Mt 12,34). Aber das Primäre ist, echt menschlich zu leben und zu handeln und so Göttliches auszustrahlen. Es werden dann von selbst immer wieder Situationen kommen, wo Menschen nachfragen und so das Zeugnis des Wortes hinzu kommen kann und dann auch wirklich gefragt ist.

Für die Kirche der Zukunft haben daher gerade die Laien[16] große Bedeutung und eine große Aufgabe.

4) Bedeutung für ein christliches Leben in einer säkularen Umwelt

a) Ein Blick in die Zeit

Unsere Zeit ist von Pluralismus geprägt. Viele der Mauern zwischen Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen, Überzeugungen und Lebensstilen sind in den letzten Jahrzehnten gefallen. Durch viele technische Errungenschaften im Medienbereich sind die Menschen immer stärker vernetzt. Es ist heute absolut kein Problem mehr innerhalb von ein paar Minuten sich die neuesten Nachrichten, Informationen und Stellungnahmen aus den USA oder aus Asien zu besorgen.

Das Erleben einer neuen Relativität macht sich breit. Auch in der Kirche selbst gibt es verschiedene Standpunkte und Diskussionen über alle erdenklichen Themen. Für viele Menschen bringt das Unsicherheit und Angst mit sich. Das spiegelt sich meiner Ansicht nach in dem Aufkommen fundamentalistischer Gruppen in Politik und Kirche. Man wünscht sich Orientierung und Halt.

Gleichzeitig ist eine starke Sensibilität zu erkennen für Authentizität und Natürlichkeit. So wird wichtig welche Inhaltsstoffe in den Nahrungsmitteln enthalten sind, und in der Kleidung geht der Trend zu natürlichen Stoffen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Echtheit und Ursprünglichkeit sind Begriffe, die das umschreiben können.

b) Lebenszeugnisse

„Einige Mädchen in einem Internat fangen an zu rauchen. Sie sind erfinderisch, um nicht entdeckt zu werden: Einmal verstecken sie sich im hohen Maisfeld, andere Male erzeugen sie in den Duschen eine Dampfwolke und rauchen in deren Schutz ihre Zigaretten. Sie integrieren das Rauchen zunehmend in ihren Stil zu leben, es gehört dazu. – Einige Jahre später schreibt eine der Jugendlichen[17] in ihr Tagebuch: `Mater, heute hast du etwas Schweres von mir verlangt, das mich noch etwas kosten wird. Du hast mich gebeten, das Rauchen zu lassen. Mater, die Zigarette war das einzige Vergnügen, das ich noch hatte. Sie war so etwas wie eine Begleiterin. Aber du, Mater, du hast gewünscht, daß du und Christus meine einzige Begleitung seien.`“[18]

„Wenn ich Christus in mir trage, dann hat dies Konsequenzen. Dann kann ich mich nicht einfach gehen lassen. Ich bin wertvoll, weil Christus in mir wohnt. Er verändert das ganze Denken, er verändert den ganzen Menschen.“[19]

„Jesus, ich möchte so leben, daß es dir gefällt, bei mir zu sein.“[20]

g) Das Herzensheiligtum als Quelle und Wurzel der Lebensstils

„Wenn wir Gott in uns entdecken, dann ist das von tiefster Bedeutung für unser berufliches Leben, für unser seelisches Leben, auch für die körperliche und geistige Gesundheit.“[21] Für Kentenich steckt in der Einwohnung Gottes eine große Bedeutung auch für den Alltag. Sie hat Auswirkungen auf den Lebensstil, den Umgang und die Verarbeitung all dessen, was tagtäglich auf den Menschen  einströmt. Das Herzensheiligtum ist die Mitte der christlichen Persönlichkeit. In ihm findet alle Aufspaltung und das Nebeneinander der Lebensbereiche ein Zentrum.

Kentenich spricht davon, daß Christus nicht bloß als Ziel und Ideal gesehen werden dürfe, auch nicht nur als Kraftquelle, sondern Christus müsse zum „Lebensstil werden“.[22] Wenn jemand von dem Bewußtsein geprägt ist, daß er selbst und auch seine Wohnung „Heiligtum“ ist, entsteht ein neues Lebensgefühl, das einen veränderten Lebensstil mit sich bringt. Es ist ein Stil, der von innen heraus kommt und daher authentisch ist. Je mehr der Mensch sein Herzensheiligtum ausprägt, desto origineller wird sein Lebensstil.

Das bedeutet zum einen, daß man sich bewußt wird, daß man nie allein ist und sein Verhalten davon prägen läßt. Sind der Ausdruck, die Haltung, die Kleidung dem Christsein gemäß?[23]Konkret kann es z.B. bedeuten, daß man sensibel mit sich selbst umgeht, auch mit seinem Körper oder daß man seine Wohnung „schön“ gestaltet und einrichtet, so daß man sich selbst wohlfühlt.

Für alltägliche Entscheidungen hat der Glaubende eine Richtschnur in sich, die ihm Rat und Hilfe geben kann. Der Maßstab ist dann nicht mehr, was „man“ denkt oder was gerade „in“ ist, sondern was zu einem paßt, was Gott von einem möchte. Das bedeutet, darauf zu hören, was in einem ist und ernst nehmen, was im Inneren lebt. So hat der Christ die Möglichkeit einen authentisch christlichen Lebensstil[24] inmitten einer säkularisierten Umwelt zu leben. „Der Grundvorgang, der hier angezielt ist, ist immer derselbe: aus der Kraft des Herzensheiligtums das moderne Leben `umleben` (J.K.), es hineinleben in einen ganzheitlichen, mit Gott verbundenen Lebensrhythmus.“[25] So kann es einem Christen nicht um Weltflucht gehen, sondern darum, alles, was geschieht mit Gott in Verbindung zu bringen und mit ihm den Tag zu leben.[26] Es geht darum nicht gelebt zu werden, sondern selbst zu leben in unserer Welt. Das Wohnen Gottes im Menschen ist hierfür eine Hilfe und große Chance.

5) Spiritualität

a) Ein Blick in die Zeit

Verbunden mit der neu erwachten religiösen Sinnsuche (Vgl. V3a), erlebt der Begriff Spiritualität gleichsam eine „Renaissance“.[27] In ihr zeigt sich nach Gmelch die Sehnsucht, einen Sinn im Leben zu finden, für den es sich zu leben lohnt und der Wunsch nach einer „Konzentration auf das Wesentliche“. Viele Menschen erleben stark, daß Religion nur noch ein Sektor ihres Lebens ist, der neben den anderen steht, statt sie zu durchdringen.

Menschen heute sind durchaus religiös und suchen daher nach einer Form, daß diese Religiösität ihren Alltag durchdringen kann. Lorenz spricht von einem „Spiritualitäten-Supermarkt“[28]. Es gibt heute nicht mehr eine einzige geistliche Lebensform, auch innerhalb des Christentums nicht: „Die großen Systeme der Theologie und die relativ geschlossenen spirituellen Lebensmodelle von früher sind heute zerbrochen und können unter den Bedingungen eines Christentums, das sich im Umbruchprozeß zur Post-Moderne befindet, auch nicht wiederhergestellt werden.“[29] Damit verbunden ist eine stärkere Suche nach spirituellen Momenten, die wirklich der jeweiligen Persönlichkeit entsprechen und ihrem Alltag korrelieren.

b) Lebenszeugnisse

„Eine Schönstätterin, die es eilig hat, steht ärgerlich Schlange an der Kasse im Supermarkt: eine einzige Kassiererin, die vergeblich versucht, das Chaos der Stoßzeit in den Griff zu bekommen. – Unmögliche Zustände, 30 Minuten verlorene Zeit, und das bei all dem, was man tun müßte! – Verlorene Zeit? – Auf einmal fällt ihr die Gottesmutter ein – und sie erkennt mit einem inneren Aufatmen die Wartezeit als Chance für eine Einkehr im Herzensheiligtum. Das nervende Durcheinander wird zur Betanienerfahrung“.[30]

„Ein Buchhalter, der zur [Schönstatt-] Männerliga gehört, erzählt, wie er die Technik dazu gebraucht, in seinem Arbeitsfeld `Inseln der Geborgenheit´ zu schaffen: `Um morgens, und nach kurzen Unterbrechungen tagsüber, über meinen Bildschirm mit dem 300 km entfernten Rechenzentrum in Dialog zu treten, benötige ich eine Paßwort, eine Buchstaben- oder Zahlenkombination von 4-6 Stellen. Dieses Paßwort ist nach einem Monat ungültig und muß durch ein neues ersetzt werden. Ich begann mir Paßwörter auszudenken, die einen tieferen Sinn verkörpern, z.B. S-C-H-M: `Seele Christi heilige mich´… Eine fehlerfreie Eingabe dieser Buchstabenkombination ist für mich nur möglich, wenn ich still für mich diese Worte spreche – bete – , die dahinter stehen. Dies geschieht täglich bis zu zehnmal, denn ohne mein gültiges Paßwort …(ist) die Arbeit am Bildschirm nicht möglich.´ … Die technischen Gebrauchsgüter – das `Gebetbuch` des Christen von heute!“[31]

„Ich erlebe immer wieder, wie notwendig es ist, am Abend zurückzuschauen, um wenigstens nachträglich innezuwerden, was dieser Tag mit Gott zu tun hatte. Oft versuche ich, wenigstens nachträglich die Leiter anzustellen und hochzusteigen, um auf der Turmspitze der Tagesereignisse den lieben Gott zu ahnen und zu umarmen, so wie es unser Gründer oft geraten hat. Nur im Licht und unter der Voraussetzung des Glaubens finden wir Gott in allen Dingen und Ereignissen. Laß mich glauben, daß jeder Tag unter diesem Thema zu lesen ist, daß Gottes Liebe uns begleiten will.“[32]

„Ein anders Mal, als Herr Pater (Kentenich) den ganzen Tag über vielen Menschen zur Verfügung gestanden hatte und immer noch Besuche empfing, meinte jemand bedauernd, daß er durch diese seine Hingabe an andere sicher wenig Zeit zum Beten finde. Herr Pater [Kentenich] entgegnete darauf: ´Sie meinen, ich käme nicht zum Beten?´ Er bete ständig den Heiland in den Herzen derer an, die bei ihm seien.“[33]

g) Die Einwohnung als Hilfe zu einer Spiritualität des Alltags

Aufgrund der vielfältigen Verwendung des Begriffs Spiritualität heutzutage, scheint es mir sinnvoll, zu klären, was im folgenden damit gemeint ist.

Das Wort Spiritualität ist abgeleitet vom französischen Wort „spiritualité“ und bezeichnet das geistliche Leben eines Menschen sowohl im engeren wie im weiteren Sinn.[34] Es ist daher umfassender als die deutschen Worte „Frömmigkeit“ und „Aszese“, wenngleich diese ein wichtiger Bestandteil derselben sind. Spiritualität meint für mich die gelebte Beziehung zwischen Gott und Mensch sowie die „Formen“, in der sich diese ausdrückt. Aufgrund der Einmaligkeit jeder Gottesbeziehung, ist jede Spiritualität individuell und persönlich geprägt. Daher ist es schwer allgemeine Aussagen über eine gelebte Beziehung mit dem einwohnenden Gott zu machen, trotzdem denke ich, daß man bestimmte Konturen ziehen kann einer Spiritualität der Einwohnung.[35]

Wie oben bereits festgestellt, wird durch die Einwohnung Gott als der nahe, mitgehende Gott erlebt. Er, der den Menschen liebt, weckt damit die Gegenliebe des Menschen.[36] Je mehr diese Liebe erfahren wird, desto mehr kann Gott zum Mittelpunkt des Lebens werden, zum Mittelpunkt der Gedanken und zum Mittelpunkt des Herzens.

Das Leben wird so zu einem Wandel mit dem lebendigen Gott wie Kentenich es ausdrückt.[37] Er nennt drei Charakteristika, die eine solche Spiritualität prägen:

„Worin besteht nun unsere Aufgabe, wenn Gott so ständig bei uns, in uns ist? – Bei ihm zu sein, mit dem Herzen bei ihm zu sein! Liebesverkehr mit dem in uns wohnenden lebendigen Gott! Und wie sieht dieser Liebesverkehr aus? … Wir wollen ihn (Gott) im Glauben recht häufig anschauen, in Liebe recht häufig mit ihm sprechen und aus Glauben und Lieben heraus möglichst viele kleine Opfer bringen.“[38]

* Häufiges Anschauen Gottes im Glauben

Gläubiges Anschauen ist weit mehr als ein Denken an Gott, eine Reflexion über Gott und mehr als eine Vergegenwärtigung des allgegenwärtigen Gottes. Es meint ein ehrfürchtiges Auf-sich-wirken-lassen der Person Gottes und ein interessiertes Achten auf Gottes Wirken. Gerade in einem Leben mitten in der Welt, soll versucht werden alles Geschöpfliche „durchsichtig“ zu machen auf Gott hin,[39] um mit den Augen des Glaubens ihn dahinter zu entdecken. Denn Gott, der im Menschen wohnt, sucht Begegnung mit ihm: „alles Geschehen in und um uns will im Licht des Glaubens aufgefaßt werden als ein Liebesgeschenk, als ein Liebeswerben des Himmelsvaters.“[40] Ein solches Anschauen ist gleichbedeutend mit einem „Sich von der Sonne bescheinen lassen“, einem „Schwimmen im Erbarmungsmeer Gottes“,[41] ein „Innewerden der Liebesgaben Gottes“, aber nicht im allgemeinen, in der Vergangenheit liegenden biblischen Geschichte, sondern im eigenen konkreten Heute. Innewerden verlangt ein Innehalten und Stehenbleiben. Da im Alltag hierzu oft die Zeit fehlt, empfiehlt Kentenich eine Zeit der Betrachtung am Tagesabschluß.[42] Dies kann geschehen in Form eines Tagesrückblicks, um „nachzukosten“, was Gott durch die Ereignisse des Tages sagen und schenken wollte. Diese Zärtlichkeiten Gottes darf und soll der Mensch „verkosten“, das heißt nacherleben, und die Liebe, die darin zum Ausdruck kommt, genießen.[43]So wird Gott zur täglich erlebten Realität, der wirklich etwas mit dem Alltag zu tun hat.

Gott spricht hier im Alltag zum Menschen und er möchte menschliche Antwort:

* Häufiges Sprechen mit Gott

Gegenstand dieses Sprechens ist das im Glauben Angeschaute, also das, was der Menschen erlebt hat, was ihn bewegt. Es geht weniger um erlernte Gebete, als um ein persönliches, einfaches Sprechen.[44] Kentenich fordert öfters, wir müßten mit Gott so sprechen, „wie uns der Schnabel gewachsen ist.“[45]

Jede Beziehung, die Menschen pflegen, braucht Zeiten des Miteinanders, wenn sie nicht verkümmern soll. So auch die Gottesbeziehung. Damit religiöses Leben wachsen kann, braucht es entsprechende Zeiten und eine entsprechende Atmosphäre[46] dazu. Diese Zeiten und auch ihre Häufigkeit muß jeder Glaubende individuell festlegen. Generell ist aber zu sagen, daß eine gewisse Regelmäßigkeit Hilfe und Sicherung bietet. Auch wenn eine Einkehr in die Wohnung Gottes, das eigene Herz, an jedem Ort möglich ist (auch an der Supermarktkasse), ist es aus psychologischen Gründen doch sinnvoll immer wieder einen Ort aufzusuchen, an dem Gottes Gegenwart dem einzelnen besonders spürbar wird. Für viele Schönstätter ist dies das Schönstatt- Heiligtum, bzw. ihr Hausheiligtum[47], in dem sie auftanken können.

Stoßgebete[48] und Erinnerungszeichen im Tagesablauf sind eine andere, ebenso wichtige Form, den „Liebesverkehr“ mit Gott zu pflegen und sich seine Gegenwart im eigenen Herzen bewußt zu machen.

* Für Gott Opfer bringen

Liebe drängt zu Taten“ sagt ein altes Sprichwort. In einer Beziehung, in der einem der an-dere wichtig geworden ist, versucht man dem anderen Freude zu machen. Man tut viel, um die Wünsche des anderen zu erfüllen. Wenn Gott der Mittelpunkt des Lebens geworden ist, um den sich alles dreht, dann ist es ein ganz natürliches Bedürfnis, das zu tun, was dem Vater Freude macht (vgl. Joh 8,29).[49] Das heißt, das zu tun, was als Wunsch und Wille Gottes erkannt wurde, und ihm so Antwort zu geben auch in Taten. Mit dieser Beifügung macht Kentenich klar, daß das antwortende Sprechen kein bloßes Verbalisieren, kein bloßes Kultivieren irgendwelcher religiöser Gefühle, sondern das Umsetzen der angeschauten und besprochenen Wahrheiten in die Tat einschließt.

Damit der ständige Wandel mit Gott im Alltag tatsächlich gelingt und den Menschen tiefgehend erfaßt, ist neben der menschlichen Tätigkeit (s.o.) als Mitwirkung mit der göttlichen Gnade von der Wirksamkeit des Heiligen Geistes mit seinen Gaben abhängig. Kentenich drückt das so aus: „Wenn wir uns auch mühsam abgerackert haben um den ständigen Wandel mit Gott: wir wissen, wir werden es nicht weit bringen, auch wenn wir die entsprechende Gnade bekommen. Ein wirklich einigermaßen ständiger Wandel in und mit Gott, eine wirklich sprudelnde Liebe Gottes in allem und über allem ist nur denkbar, wenn der Heilige Geist durch die Gabe der Weisheit unsere Seele innerlich erfüllt.“[50]


[1] Nach der Emnid-Umfrage ´94 halten nur 15% der Befragten die Kirchen für glaubwürdig. Vgl. Lorenz: Die Werte sind im Kommen, 182.

[2] ebd., 159.

[3] „Tatsache ist, daß unzählige Gruppen, Vereinigungen, Sekten und Religionen um die Gunst sinnsuchender Menschen buhlen: New Age- und Esoterik-Gruppen versuchen mit Pendeln, Tarotkarten, Wünschelruten, Reinkarnationstherapien und Iris-Diagnosen den Sinn der menschlichen Zukunft zu erhellen. … Nach einer Umfrage der Wochenzeitung Die Woche glaubt jeder zweite Deutsche an Außerirdische und jeder dritte an Ufos, was zu einem bislang nicht gekannten Boom der Ufologie führte… Im Zug dieser Trends boomt auch der Sekten-Run auf die Seelen…. Alles, was heute einen religiösen Touch hat und nur ein wenig spirituellen Charakter verspricht, hat Hochkonjunktur.“ Lorenz: Die Werte sind im Kommen, 160-162.

[4] Lorenz: Die Werte sind im Kommen, 164.

[5] Nicht umsonst finden Bücher, die sich in irgendeiner Weise mit Lebensgestaltung und Lebensmeisterung befassen, reißenden Absatz. (Bücher zu den Themen Fasten, Meditation, neue Innerlichkeit, Selbsterkenntnis, Selbstwerdung, Beziehungsgestaltung,…)

[6] Aus einem Brief der Diözesanverantwortlichen der verheirateten Frauen und Mütter der SchönstattBewegung in der Diözese Eichstätt, Brigitta Schötz, in dem sie mir Aussprüche von Frauen zur Jahresarbeit 1996 zur Verfügung stellte.

[7]ebd.

[8] Zit. nach: Christus, mein Leben, 62.

[9] Zit. nach Oktoberwoche 1993, 117.

[10] Vgl. das päpstliche Schreiben „Evangelii nuntiandi“: „Evangelisieren besagt für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluß von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern: ´Seht, ich mache alles neu!`. Es gibt aber keine neue Menschheit, wenn es nicht zuerst neue Menschen gibt durch die Erneuerung aus der Taufe und ein Leben nach dem Evangelium. Das Ziel der Evangelisierung ist also die innere Umwandlung.“ Apostolisches Schreiben P. Pauls VI. über die Evangelisierung in der Welt von heute, 08.12.1975, Hg. v. Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, o. J., Nr. 18.

[11] H.J.M. Nouwen: Ich hörte auf die Stille. Sieben Monate im Trappistenkloster. Hg. v. P.-P. Straube. Leipzig: St. Benno, 1978, 137.

[12] Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt der Begriff „Hauskirche“ eine wichtige Bedeutung. Immer wieder machen Familien der Schönstatt-Bewegung die Erfahrung, daß ihr Haus zu einem echten Apostolatszentrum werden kann. Viele Berichte in den Werkheften „Unser Weg“ der deutschen Familienbewegung und „Familie als Berufung“ der österreichischen Familien erzählen davon. Ich möchte nur zwei Beispiele zur Illustration anführen:

„Es war Samstag Abend, als plötzlich das Telefon läutete. eine befreundete Familie rief an, daß es ihrem Benjamin ganz schlecht gehe, am Montag müsse er wieder operiert werden. Die Familie steht der Kirche nicht unmittelbar nahe, hatte aber bei einem Besuch bei uns unser Hausheiligtum gesehen. Und dorthin war nun auch unser erster Weg…“
„Mein Patenkind wohnt leider weit weg von uns… So sehen wir uns meist nur für eine Woche im Jahr… Lisa kommt immer allein zu Besuch. Ihre Mutter ist berufstätig und geschieden. Lisa ist noch mitten in der Pubertät, sie ist sechzehn. Was uns nun bei ihrem letzten Besuch aufgefallen ist: Wir hatten den Eindruck, Lisa saugt unsere `Familienatmosphäre`richtig in sich auf. Trotz der vielen Kilometer, die zwischen unseren Wohnorten liegen, haben wir ein sehr gutes Verhältnis zueinander. So gibt es auch viele vertraute Gespräche zwischen uns `Frauen`. Von Partnerschaft über Empfängnisregelung bis zu unserem Glauben. Und obwohl sie Zuhause kein religiöses Leben führt, betet sie bei uns ganz selbstverständlich mit und besucht auch die Messe.“
In: Familie als Berufung. Zeitschrift der Schönstatt-Familien Österreichs, Heft 3a/1994, 25f.

[13] „Wenn die Dinge, wenn die Räume immer mehr entsakralisiert werden, müssen wir als lebendige Personen ersetzen, und zwar in eigenartig wirksamer Weise ersetzen, was das öffentliche Leben kaum noch dulden möchte: Wir müssen die Repräsentanten des Göttlichen werden.“ Kentenich: Vortrag an die Schönstatt-Mütter der Diözese Münster v. 09.09.1966. Zit. nach Texte über das Herzensheiligtum, 114.

[14] „Heute, in einer Zeit des wachsenden Irrationalismus, versteht man unter einem Heiligen einen Menschen, von dem eine göttliche Atmosphäre ausgeht.“ Kentenich: Vortrag an die Schönstatt-Mütter v. 02.07.1966. Zit. nach: ebd., 112.

[15] Kentenich: Rom-Vorträge I (1965), 48-50. Zit. nach: King, Marianische Bundesspiritualität, 199f.

[16] Mit diesem umstrittenen Begriff sind in diesem Fall alle Gläubigen gemeint, die nicht hauptamtlich in Seelsorge und Apostolat arbeiten.

[17] Barbara Kast, in den 60-er Jahren ein Mitglied der chilenischen Schönstatt-Mädchenjugend. Ihr Ideal war es immer mehr zu einem „Tabernakel Gottes“ zu werden. Vgl. Esteban J. Uriburu: Tabernakel Gottes. Barbara Kast 1950-1968. Patris, Vallendar-Schönstatt, 1976.

[18] Zit. nach: A. Stosiek. Dein Heiligtum strahlt aus. In: Oktoberwoche 1995, 198-215, hier: 208.

[19] Aus einem Brief der Diözesanverantwortlichen der verheirateten Frauen und Mütter der SchönstattBewegung in der Diözese Eichstätt, Brigitta Schötz, in dem sie mir Aussprüche von Frauen zur Jahresarbeit 1996 zur Verfügung stellte.

[20] ebd.

[21] Kentenich: Mein Herz – dein Heiligtum, 33.

[22] Vgl. Kentenich: Vortrag für Schönstätter Marienschwestern vom 06.04.1946. In: Christus, mein Leben, 38-45, hier: 45.

[23] Wenn man diese Sätze isoliert auf sich wirken läßt, besteht die Gefahr, daß Zwang aus ihnen spricht. Man könnte den Eindruck gewinnen, hier läge eine Akzentverschiebung im Gottesbild in Richtung „Bewacher-Gott“, strafender Gott vor. Für Kentenich ist Gottes primärer Wesenszug die Liebe: Gott liebt uns und er möchte unsere Gegenliebe wecken. Es war ihm ein wichtiges Anliegen erst dieses Bewußtsein in den Menschen zu wecken, das Grundlage für die Lebensstilfragen ist. Es geht also nicht darum, sich aus Angst gut und richtig zu verhalten, sondern aus Liebe und in dem Bewußtsein, daß der Geliebte immer da ist. Ich denke der Vergleich von einem Liebespaar macht dies deutlich. Das Verhalten verändert sich, wenn der andere anwesend ist, weil man das ein oder andere aus Liebe zu ihm/ihr tut, was sonst vielleicht unterbleiben würde, wenn man allein ist. In diesem Sinn ist auch dieser Punkt hier zu verstehen. Dies zeigt sich sehr gut bei dem Tagebuchausschnitt, der oben angeführt ist: „Du hast mich gebeten“ schreibt B. Kast. Wie vital mußte ihre Gottesbeziehung sein, daß sie dies als Bitte empfinden konnte. „Da ist nichts von Sünde, nichts von dem Klischee: Das tut man nicht… Hier wächst ein Lebensstil, der an der eigenen Kostbarkeit ansetzt, nicht am Diktat der Masse.“ Stosiek, Dein Heiligtum strahlt aus, 208.

[24] Es gibt allerdings nicht den „christlichen Lebensstil“. Die konkrete Ausformung ist bei jeder Person originell, so wie der Mensch originell ist. Denn nur, wenn er persönlich ist, ist er auch authentisch.

[25] Stosiek: Schönstätter leben intensiver. In: Oktoberwoche 1995, 175-197, hier 178.

[26] Auch dies war ein wichtiges Anliegen des II. Vaticanums, wie Bischof Tenhumberg feststellt:

„Schließlich noch ein Gedanke, der das Konzil in diesem Zusammenhang immer wieder bewegt hat: die Erkenntnis, daß Religion und Leben, Sonntag und Alltag, Glaube und tätiges Handeln, Kirche und Welt heute auf eine neue Weise miteinander verbunden werden müssen. Die Versuche der letzten Jahrhunderte in dieser Richtung mögen alle gültig bleiben; aber die Struktur der Welt von heute verlangt eine neue Durchdringung, für die bisher der exemplarische Musterfall offensichtlich noch nicht verwirklicht ist.“
H. Tenhumberg: Grundlinien der Spiritualität des Konzils. In: Regnum, Heft 2/1966, 51-56, hier 54.

[27] Vgl. Gmelch: Du selbst bist die Botschaft, 29.

[28] Lorenz: Die Werte sind im Kommen, 164.

[29] Gmelch: Du selbst bist die Botschaft, 23.

[30] Zit. nach: Sr. Maria da Graça Sales: Laß, Mutter, Christus heller in uns scheinen. In: Oktoberwoche 1996, 140-155, hier, 148.

[31] Zit. nach: Stosiek: Schönstätter leben intensiver. 188f.

[32] Wolf: Gebetsschule Himmelwärts, 196.

[33] Zit. nach: Sekretariat der Schönstatt-Frauenliga (Hg.): Wir schauen auf ihn. 136.

[34] Als Spiritualität im engeren Sinn sehe ich das eigentliche Gebetsleben eines Menschen, und die Durchdringung verschiedener Lebensbereiche mit dem Geist des Evangeliums als Spiritualität im weiten, umfassenden Sinn. Einer solchen umfassenden Spiritualität ist all das zuzurechnen, was unter V bereits über das Leben mit dem „Gott des Herzens“ gesagt wurde. Aus diesen Gründen wird im folgenden mehr auf die Spiritualität im engeren Sinn eingegangen.

[35] Vgl. zu diesem Punkt Kentenich: Kindsein vor Gott, 130-152.

[36] Ich halte es hier für legitim, von menschlichen Beziehungen auf die Gottesbeziehung zu schließen, wenngleich Gott natürlich unendlich größer ist und man sich daher bewußt sein muß, daß hier ein menschliches Bild zugrunde liegt.

[37] Vgl. ebd., 127, 405.

[38] Kentenich: Mein Herz – dein Heiligtum, 20.

[39] Vgl. Kentenich: „Hier steht das hohe Gesetz der Durchsichtigmachung des Geschöpflichen. Auf Grund des Glaubenslichtes muß ich hinduchschauen durch den Menschen wie durch einen Glaskasten und in seinem Herzen den dreifaltigen Gott erschauen.“ Kindsein vor Gott, 139.

Dieses Durchsichtigmachen kann und muß sich durchaus auch auf Dinge und Vorgänge beziehen.

[40] Kentenich: Kindsein vor Gott, 139.

[41] Vgl. ebd. 143. „Deswegen (muß ich) auch in meinem religiösen Leben wieder viel Gewicht darauf legen, Gottes Wohltaten auf mich wirken zu lassen, zu schwimmen in den Wohltaten Gottes. Ich muß wieder und wieder das ganze Wohltätigkeitsmeer Gottes ausschöpfen.“
„ Es ist sehr empfehlenswert…, das göttliche Erbarmungsmeer, in dem unsere Familie schwimmt, recht häufig und wirksam auszutrinken.“ Kentenich: Nova creatura in Jesu et Maria, 32f.

[42] So leitet Kentenich in der Vesper in Himmelwärts dazu an, den vergangenen Tag nochmals durchzugehen und zwar unter dem Gesichtspunkt des Innewerdens der göttlichen Wohltaten: „Laß mich in diesem Lichte gläubig sehen, wie Vaters Lieb´zur Seit´mir heut´wollt gehen.“ Himmelwärts, 54,4.

[43] In dieser Form der Betrachtung liegt auch ein wichtiger psychologischer Moment zur Verarbeitung der täglichen Erlebnisflut, der der heutige Mensch ausgesetzt ist.

[44] Dies kommt dem heutigen Menschen in seiner Subjektivität und seiner Sehnsucht nach Identität meines Erachtens nach stark entgegen.

[45] „Weil wir heute in unserm Verkehr mit Gott so oberflächlich, so mechanisiert sind, können wir gar nicht genug daran tun, uns immer wieder zum Bewußtsein zu bringen, mit dem lieben Gott urwüchsig, ursprünglich, so «wie uns der Schnabel gewachsen ist», zu verkehren. Ich kann auch in gottesfürchtiger Weise mit dem lieben Gott schimpfen. Wenn wir das doch wieder lernen wollten! Das ist Kindlichkeit. Dann könnte unser religiöses Leben vielleicht langsam erwachen, langsam wachsen“. Kentenich: Kindsein vor Gott, 142.

[46] In Psychologie und Pädagogik wird nicht umsonst immer mehr erkannt, welch großen Einfluß das Milieu und die umgebende Atmosphäre auf die Entwicklung und das Leben des Menschen hat.

[47] „So, wie ich persönlich das Hausheiligtum aufgefaßt habe und wie es mir ideal zu sein scheint, muß das Hausheiligtum mir Gelegenheit geben – jetzt gebrauche ich einen ungewohnten Ausdruck -, meinen ´sakralen Atem´ auszuatmen und in einen sakralen Raum hineinzuatmen, damit auf diese Weise Haus- und Herzensheiligtum einander ergänzen und bedingen.“ Kentenich: Rom-Vorträge IV, Vortrag v. 14.12.1965. Zit. nach Texte über das Herzensheiligtum, 90.

[48] Die durchaus individuell und dem Tagesablauf angepaßt sein können, wie das obige Beispiel des PCPaßwortes zeigt.

[49] Vgl. hierzu auch Kentenich: Nova creatura in Jesu et Maria, 68-80.

[50] Kentenich: Kindsein vor Gott, 405.

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