Einleitung

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In der Zeit von 1914-1919 entwickelt sich aus der Marianischen Kongregation des Studienheimes der Pallottiner in Vallendar die „Apostolische Bewegung von Schönstatt“. Damit beginnt die gemeinsame Geschichte der Gesellschaft des Katholischen Apostolates und des Schönstattwerkes.
Die Schönstattbewegung entsteht im Schoß der Gesellschaft der Pallottiner. Von ihr wird sie gefördert, ihre Entwicklung vollzieht sich in großer Nähe zu den Pallottinern. Die Beziehung bleibt jedoch nicht frei von Spannungen und führt in den fünfziger Jahren schließlich zu großen Auseinandersetzungen. Die gemeinsame Geschichte wird 1964 durch die von der Kirche vollzogene Trennung beendet.
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Verhältnis zwischen der Gesellschaft des Katholischen Apostolates und dem Schönstattwerk. Dabei wird die Zeitspanne von 1946 bis 22.1.1950 eingehend untersucht, in der das Ringen um Einheit seinen Höhepunkt erreicht. Es ist die Epoche ab den Provinzkapiteln der beiden deutschen Pallottiner-Provinzen mit ihren entscheidenden Stellungnahmen zu Schönstatt bis zur Seligsprechung V. Pallottis.
Dem jeweiligen „Sendungsverständnis“ kommt dabei eine Schlüsselbedeutung zu. Es steht als Ausdruck für die Suche nach dem Plan Gottes in der Geschichte und mit der Geschichte. Nur von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Sicht des Sendungsverständnisses läßt sich das Ringen der Gesellschaft der Pallottiner und des Schönstattwerkes um die Einheit verstehen. Darum waren die geschichtlichen Ereignisse immer mit dieser Motivation verbunden.[1]
Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten wird das Anliegen in die Arbeit einbezogen, das die Geschichtskommission[2] in ihrem zweiten Zwischenbericht zum Ausdruck bringt: Sie versucht, ein bescheidenes Zeichen der Versöhnung zu setzen und sich somit auch „in die Bemühungen um die ‚Reinigung des Gedächtnisses’ einzureihen, die Papst Johannes Paul II. im Rahmen des Heiligen Jahres 2000 gefördert hat“[3].
Die ersten zwei Kapitel zeigen den historischen Rahmen für das Verhältnis zwischen den Pallottinern und Schönstatt und fassen die gemeinsame Geschichte bis 1947 zusammen. Die folgenden Kapitel konzentrieren sich auf den hier zu behandelnden Zeitraum. Im letzten Kapitel wird der Versuch unternommen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede unter besonderer Berücksichtigung des Sendungsverständnisses beider Gemeinschaften stichpunktartig aufzuzeigen.
Soweit möglich, werden die Entwicklungen und Ereignisse chronologisch dargestellt und durch Schriftstücke dokumentiert. Dabei war die Sammlung „Die Gesellschaft vom Katholischen Apostolat und das Schönstattwerk. Dokumente zur Geschichte ihres Verhältnisses“ eine wichtige Quelle für die Entstehung dieser Arbeit.
Grundlage für die pallottinische Stellungnahme bilden Worte und Schriften von H. Schulte, der als führendes Mitglied der Limburger Provinz einen entscheidenden Einfluß auf das Verhältnis Pallottiner – Schönstatt ausübte, sowie von Mitgliedern der Generalleitung, soweit sie zugänglich waren.
Für die schönstättische Perspektive stehen vorwiegend Aussagen und Schrifttum von J. Kentenich. Darunter waren mir die Sammlung von Briefen aus den Jahren 1947-1950, zusammengestellt von H. Hug, und die Denkschriften und Vorträge zur Oktoberwoche 1947, 1948 und 1949[4] wertvolle Quellen, weil sie die vitalen Interessen und Entwicklungen innerhalb der Bewegung klar zum Ausdruck bringen.
Eine praktische Bemerkung sei noch angefügt:
Zur Terminologie: Der Ausdruck „Vereinigung des Katholischen Apostolates“ bzw. „Gesamtwerk Pallottis“ wird in der vorliegenden Arbeit durchgängig für den Terminus „Società dell’Apostolato Catolico“ verwendet. Für einen zentralen Teil dieses Werkes – von Pallotti ab 1846 Kongregation genannt – wird hier der Ausdruck „Pallottiner“ bzw. „Gesellschaft des Katholischen Apostolates“ gebraucht.[5] In den in dieser Arbeit genannten Zitaten findet man gelegentlich auch die Bezeichnung „Genossenschaft“.


[1]     Kontroverse Positionen, die in den späteren Jahren eine immer bedeutendere Rolle spielten, werden hier naturgemäß nicht berücksichtigt.

[2]     „Auf Initiative der Leitungen der Pallottiner und der Schönstatt-Patres ist 1994 die Geschichtskommission ins Leben gerufen worden, die den Auftrag bekam, die Geschichte beider Gemeinschaften, besonders die Zeit der Auseinandersetzungen nach dem zweiten Weltkrieg, aufzuarbeiten.“ Zwischenbericht der Geschichtskommission: dopali 2000, 284.

[3]     Zwischenbericht der Geschichtskommission: dopali 2000, 285.

[4]     Die sogenannte „Oktoberwoche“ ist eine Einrichtung der Schönstattbewegung, die ab 1945 als Besinnungs- und Schulungswoche für führende Kräfte jährlich in Schönstatt stattfindet.

[5]     Die von Pallotti genannte „Congregazione della Società dell’Apostolato Catolico” oder „Congregazione dell’Apostolato Catolico” wurde nach einem kirchlichen Dekret vom 9.4.1854 in „Pia Societas Missionum“ (PSM) umbenannt. Ab 1947 trägt die Gemeinschaft den Namen „Societas Apostolatus Catholici“ (SAC). Vgl. Wierzba, Pallotti, 34.

 

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