Teil B: Das Zürcher Ressourcen Modell

Teil B:

Das Zürcher Ressourcen Modell

5 Einleitende Bemerkungen

Das Zürcher Ressourcen Modell (kurz: ZRM) ist ein psychologisches Motivations- und Verhaltenstraining, das Menschen dazu anleiten will, im Alltag selbstbestimmt zu handeln.

Es ist vorrangig für eine Kleingruppe von ca. zwölf Personen konzipiert, die sich während des Trainingsprozesses gegenseitig unterstützen und motivieren. Dabei können die Teilnehmer „lernen, Ziele so zu entwickeln, dass sie von ihrer Gesamtpersönlichkeit getragen werden und damit beste Chancen haben, verwirklicht zu werden.“ [271]

Durch die Übungen und Methoden soll das erwünschte Verhalten so trainiert werden, dass die Person es eigenständig im Alltag selbst unter großen Widrigkeiten umsetzen kann. Das ZRM-Training soll sich in den verschiedensten Lebenssituationen und Beratungskontexten anwenden lassen. Nach Angaben der Entwickler ist es für jedermann geeignet, da es einen sehr niedrigschwelligen Einstieg bietet. [272]

Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich. Die einzelnen Trainingsphasen bauen sukzessive aufeinander auf. Während des Trainings werden zudem diejenigen wissenschaftlichen Grundlagen vermittelt, die ein Verständnis der angewandten Methoden ermöglichen.

Die Entwicklung des ZRM begann Anfang der 90er Jahre an der Universität Zürich.

Maja Storch und Frank Krause, die Autoren des Modells, beschreiben die Psychologie dieser Zeit als ein Konkurrenzverhältnis zwischen den verschiedenen Richtungen: Zum Beispiel verfolgten etwa Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie ganz unterschiedliche Wege, um psychische Störungen zu erklären und zu beheben. Die verschiedenen Disziplinen schätzten die Wirksamkeit von therapeutischen Methoden je nach Störungsbild ganz  unterschiedlich ein. Weiterhin stand die Grundlagenforschung in Erklärungsnot, da sie den Nutzen ihrer Erkenntnisse für die Praxis plausibel machen musste. Den Vertretern der Praxis hingegen fehlte teilweise die Anerkennung der Wissenschaft.

Das ZRM entstand aus dem „Versuch, die Unvereinbarkeiten zu versöhnen.“ [273]

Es bezieht sowohl geläufige psychologische Modelle als auch Erkenntnisse der empirischen Forschung mit ein. Durch die Kombination von Methoden aus verschiedenen Fachrichtungen soll eine möglichst breiteWirksamkeit gewährleistet werden.

Dabei geht man davon aus, dass der Teilnehmer selbst die Methoden einschätzen und danach auswählen kann, welche für seine Situation am besten geeignet ist. Als Gemeinsamkeit zieht sich durch alle Schritte die Ressourcenperspektive hindurch. Dies ist die Annahme, dass der Klient [274] von vornherein über alle Möglichkeiten verfügt, die er benötigt, um seine Schwierigkeiten selbst bewältigen zu können. [275]

Im Training soll er für diese Möglichkeiten – die Ressourcen – sensibilisiert werden und dann angeleitet werden, diese selbstständig und effizient zu nutzen. Er erhält also „Hilfe zur Selbsthilfe“ [276], die ihn auf Dauer unabhängig vom Trainer bzw. Therapeuten macht.

Ein weiteres Merkmal des Zürcher Ressourcen Modells ist eine konstruktivistische Didaktik. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden [277] die Ressourcen nicht einfach vorgegeben bekommen, sondern sie sich selber erarbeiten. Dadurch dass hier jede Person zu ganz eigenen Ergebnissen kommt, wird auch der Individualität besonders Rechnung getragen.

Seit seiner Entstehung wird das ZRM in Trainingskursen angewandt und anhand der Erfahrungen weiterentwickelt. Verschiedene empirische Studien erproben das Konzept laufend in anderen Kontexten, um seine Wirksamkeit zu untermauern. [278]

Die Autoren bemühen sich um eine immer weitere Verbreitung ihres Ansatzes. In Lehrgängen bilden sie zertifizierte ZRM-TrainerInnen aus, die als Multiplikator dienen. [279] Sie erlauben auch ausdrücklich die Verwendung und Weiterentwicklung der Inhalte und Ideen des ZRM. [280]

Ein einleitendes Handbuch, in dem sie alle theoretischen Grundlagen zusammentragen und den Trainingsablauf detailliert beschreiben, ist bereits in der 5. überarbeiteten Auflage erschienen. [281] An dieser Darstellung werde ich mich im Folgenden wesentlich orientieren.

Analog zur Vorgehensweise in Teil A werden zunächst die theoretischen Grundlagen, auf die sich das ZRM beruft, behandelt. Im Anschluss daran wird die praktische Umsetzung vorgestellt.


[276] Ebd., S. 24.

[277] Auf eine Unterscheidung von männlicher und weiblicher Form werde ich zumeist aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verzichten. Wenn ich einfach von den „Teilnehmern“ spreche, sind beide, Frauen und Männer ausdrücklich eingeschlossen!

[278] Siehe Storch/Krause, Selbstmanagement 2014, S. 312.

[279] Vgl. ebd., S. 13.

[280] Hierzu gehört auch ein Internet-Video mit leicht nachvollziehbaren Fallbeispielen: https://www.youtube.com/watch?v=ideJm4BsskA (Zugriff am 27.1.2016)

[281] Maja Storch/Frank Krause, Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmanual

für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM®). Bern 52014.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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