Volks- und Wallfahrtsbewegung

Volks- und Wallfahrtsbewegung

Joachim Schmiedl

P. Kentenich wollte alle Elemente gängiger Frömmigkeitsformen und pastoraler Initiativen aufgreifen. Breite Bevölkerungsschichten mit Schönstatt in Kontakt zu bringen, gehört zu den Grundimpulsen P. Kentenichs: Das >>Heiligtum in Schönstatt soll zu einem Wallfahrtsort werden (vgl. 1GU 1914: “Ich möchte diesen Ort gerne zu einem Wallfahrts-, zu einem Gnadenort machen für unser Haus und für die ganze deutsche Provinz, vielleicht noch darüber hinaus.”). In den 20er und 30er Jahren geschah das vor allem durch ein offenes Tagungs- und Exerzitienangebot. Die bewusste Zurückdrängung öffentlichen kirchlichen Engagements durch den Nationalsozialismus veranlasste P. Kentenich, 1934 als “Schönstätter Marianisches Volksjahr” zu begehen. In populärer Weise wurde versucht, an vielen Orten das Gnadenbild Schönstatts anzubringen oder Bildstöcke zu errichten. P. Kentenich sah darin das Symbol einer religiösen Volksbewegung. Ein Neuansatz geschah nach dem Zweiten Weltkrieg. Das wachsende Bewusstsein, dass das Heiligtum ein Gnadenort ohne Erscheinungen und Wunder ist, wurde 1947 in der kirchlichen Anerkennung als Wallfahrtskapellchen legitimiert. Das förderte den Zustrom von Pilgern nach Schönstatt. Während der Verbannungszeit des Gründers geschah eine Verlagerung der Wallfahrten auf die inzwischen entstandenen diözesanen Schönstattzentren und Filialheiligtümer (>>Heiligtum). Ein weiterer Wachstumsring verbindet sich mit der Strömung der >>Hausheiligtümer und Pilgerheiligtümer (>>Pozzobon).

Die Volks- und Wallfahrtskreise Schönstatts verstehen sich als eine erweiterte Form der Apostolischen >>Liga. In ihnen realisiert sich “Bewegung” im eigentlichen Sinn, ohne rechtlich fixierte Zugehörigkeit und ohne strukturelle Festlegungen. Weltweit etwa zwei Millionen Menschen erhalten im regelmäßigen Kontakt mit einem Schönstatt-Heiligtum Ideen und Impulse für ihre Lebensgestaltung. Dabei spielen traditionelle Elemente des Wallfahrens, wie Gebet am Gnadenort, Beichte, Marienweihe, aber auch neue Formen der Begegnung, z.B. bei Jugend- und Studentenwallfahrten, eine Rolle.


Literatur:

  • J. Kentenich, Marianische Erziehung. Pädagogische Tagung (22.-26. Mai 1934), Vallendar-Schönstatt 1971, 286 S., 27 f. 40 ff.
  • J. Kentenich, Texte zum Verständnis Schönstatts. Herausgegeben von Günther M. Boll, Vallendar-Schönstatt 1974, 33-45
  • J. Kentenich, Das Lebensgeheimnis Schönstatts. I. Teil: Geist und Form (Brief an Joseph Schmitz, geschrieben in Santiago/Chile, ab dem 3. Mai 1952), Vallendar-Schönstatt 1971, 242 S.I, 77 f.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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