3. Gegenüberstellung der Erziehungsanliegen Pater Kentenichs und Don Boscos

3. Gegenüberstellung der Erziehungsanliegen Pater Kentenichs und Don Boscos

3.1. Interpretation bedeutender Quellen aus Sicht der Sozialpädagogik

3.1.1. Die Vorgründungsurkunde und Ausschnitte der Ersten Gründungsurkunde von Pater Kentenich

Im Folgenden sollen zwei Quellen[1] von Pater Kentenich genauer betrachtet werden: Die so genannte »Vorgründungsurkunde«[2] und Ausschnitte der »Ersten Gründungsurkunde«[3]. Beide sind in voller Länge im Anhang abgedruckt, sodass beim Zitieren auf Zeilenangaben verwiesen werden kann. Die Quellen wurden ausgewählt, da sie die pädagogische Denkweise Pater Kentenichs skizzieren, wie sie in der Gründungszeit der Schönstatt-Bewegung vorherrschte. Ob und in wie weit diese noch heute aktuell sind, soll vor allem aus der Sicht der Sozialpädagogik diskutiert werden. Die praktische Umsetzung der Schönstatt-Pädagogik soll anhand des Projektes »Lebensschule« aufgezeigt werden, das im Schönstatt-Zentrum München seit dem Jahr 2000 jährlich durchgeführt wird und jeweils eine Dauer von neun Monate hat.

Die Vorgründungsurkunde wurde am 27. Oktober 1912 von Pater Kentenich vorgelegt, als er in seiner Antrittsrede als Spiritual des Studienheims in Schönstatt sein pädagogisches Programm erläuterte. Er erklärte darin, welche Einstellung er bisher zu den Schülern hatte und wie er zu seinem Programm gekommen sei. Außerdem führte er zeitkritische Gesellschaftsbeobachtungen an, bei denen er sich auch auf die Forschung bezieht. Nach dieser eher globalen Darstellung wendet er sich in seinen Gedankengängen dem Seelenleben der Menschen zu. Pater Kentenich ruft hierbei zur Selbsterziehung auf und motiviert die Schüler zur Gründung einer Marianischen Kongregation. Er bekräftigt jedoch, dass dies eine gemeinsame Sache sei und nur mit der Begeisterung aller entstehen könne. Seinen Vortrag beendet Josef Kentenich mit dem wiederholten Appell zur Selbsterziehung und schließt mit dem Segen.

Die erste Gründungsurkunde ist ein Vortrag, den Pater Kentenich am 14. Oktober 1914 zu Schulbeginn anlässlich der Einweihung der Kongregationskapelle, dem heutigen »Urheiligtum«, hielt. Dieser Tag wurde später als Gründungstag datiert. Pater Kentenich beschreibt inhaltlich seine Idee der Gründung des Marienwallfahrtsortes Schönstatts. Diese Quelle ist nur in geringem Umfang für die pädagogische Interpretation relevant. Der Text wurde aus Gründen der Vollständigkeit dennoch komplett im Anhang angefügt. Im Folgenden sollen beiden Quellen, die Vorgründungsurkunde und die erste Gründungsurkunde, auf ihre pädagogischen Aspekte hin genauer untersucht werden.

Pater Kentenich spricht in freundlichem, liebevollem Ton zu den versammelten Schülern. In seinen Ausführungen spiegeln sich Authentizität und Ehrlichkeit, denn er legt den Schülern dar, dass er vor seiner Ernennung zum Spiritual nichts mit ihnen zu tun haben wollte und sich stattdessen lieber um Menschen im Gefängnis kümmern wollte, bei denen er seine apostolische Begeisterung verwirklichen konnte.[4] Er fügt aber hinzu, dass er jetzt gerne das Amt des Spirituals annehme – in tiefem Glauben an die Vorsehung Gottes. Wie ernst es Pater Kentenich damit war, wird in folgender Aussage von ihm deutlich: „Ich stelle mich euch hiermit vollständig zur Verfügung mit allem, was ich bin und habe: mein Wissen und Nichtwissen, mein Können und Nichtkönnen, vor allem aber mein Herz.“[5] Hier werden schon die Linien seiner pädagogischen Vorgehensweise sichtbar. In Liebe (Liebespädagogik) und Vertrauen (Vertrauenspädagogik) will Pater Kentenich seinen Schüler begegnen (Bindungspädagogik) und sich ganz der Aufgabe ihrer geistigen Erziehung widmen. In der Erziehung ist das Festlegen und Benennen von Zielen unbedingt notwendig, um die Art der Beziehung und somit auch die Art des Umgangs unter- und miteinander zu definieren. Pater Kentenich formuliert in seiner Rede folgenden Grundsatz: „Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien priesterlichen Charakteren.“[6] Das ist die zentrale Aussage seines Vortrages, die er zur Bekräftigung am Ende der Ausführungen wiederholt. Im Folgenden erklärt er die Teilziele, die zur Erreichung dieses genannten Fernzieles notwendig sind. Hier klingt die Idealpädagogik Pater Kentenichs an. Als Erstes bekräftigt er: „Wir wollen lernen. Nicht bloß ihr, sondern auch ich. Wir wollen voneinander lernen. Denn niemals lernen wir aus, zumal nicht in der Kunst der Selbsterziehung, die ja das Werk, die Tat, die Arbeit unseres ganzen Lebens darstellt.“[7] Die Bindungspädagogik Kentenichs geht von einem gegenseitigen Lernen innerhalb der erzieherischen Beziehung aus. Hier wird deutlich, dass Pater Kentenich die Erziehung als langen Prozess auffasste. Statt darum über die Theorie nachzusinnen, ging es ihm um die Umsetzung im praktischen Leben. Zur Verdeutlichung erläutert er, wie ein Kleinkind das Laufen lernt: Es wird an die Hand genommen und übt ständig, nach dem Hinfallen immer wieder aufzustehen. Laufen lernt das Kind nicht, indem es rein verbal erklärt bekommt, wie Laufen funktioniert.[8] Dieses Beispiel überträgt Pater Kentenich auf das alltägliche Leben: auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und auf die Beziehungen zwischen Mensch und Gott. Pater Kentenich kritisiert, dass das Erforschen der »makroskopischen Welt« (im Sinne von wissenschaftlich-technischer Forschung) unermüdlich vorangetrieben wird, während die Erforschung der »Welt des Mikrokosmos«, das heißt der eigenen Innenwelt, auf wenig bis gar kein Interesse stößt.[9] Diese Lücke schließt er durch die Selbsterziehung. Er geht davon aus, dass durch das Festigen der eigenen Persönlichkeit ein Dialog mit der Gesellschaft und der näheren Umwelt möglich ist. Daran wird ersichtlich, dass Pater Kentenich großen Wert auf Freiheit legt (Freiheitspädagogik). Er betont, dass im Bewusstsein der eigenen Würde alle Aufgaben aus dem freien Willen heraus geschehen sollen. Seine reformpädagogischen Einstellungen werden in nachstehender Aussage deutlich: „Nicht aus Furcht oder Zwang beugen wir uns vor dem Willen unserer Obern, sondern weil wir es so frei wollen, weil jeder Akt der vernünftigen Unterwerfung uns innerlich frei und selbständig macht.“[10] In einem der bereits erwähnten Grundsätzen stellt Pater Kentenich dar, dass die Selbsterziehung „unter dem Schutze Mariens“[11] geschehen soll. Dies könnte als Anzeichen der später entwickelten Bündnispädagogik gewertet werden. Wie in Abschnitt 1.2.4. beschrieben hatte Pater Kentenich die Vorstellung von der Formung des »Neuen Menschen in der Neuen Gemeinschaft«. Somit hatte er nicht nur die Selbsterziehung als Mittel der persönlichen Reifung vor Augen, sondern auch die Schaffung einer Gemeinschaft, in der dies in optimaler Weise möglich ist. Dieses Vorhaben zeigt sich in dem Vorschlag, eine Organisation zu bilden „nach Art der Kongregationen, wie sie bekanntlich an verschiedenen Gymnasien und Universitäten bestehen.“[12] Daran wird der bindungspädagogische Charakter erkennbar, der sich hier, neudeutsch ausgedrückt, in einer Art Motivation zu »Teamwork« und »Teamgeist« zeigt. Pater Kentenich vermerkt: „Ich bin überzeugt, daß wir etwas Brauchbares zustande bringen, wenn alle mitmachen.“[13] Und: „Gemeinsam wollen wir das große Werk beginnen, gemeinsam es vollenden.“[14] Pater Kentenich war darum bemüht, ein persönliches Verhältnis zu den Schülern aufzubauen – ein vor dem Hintergrund der damals gängigen Erziehungsmethoden innovativer Aspekt. Er forderte die Jungen zur gegenseitigen Aussprache auf und vor allem auch zur Aussprache mit ihm. Denn nach seiner Meinung wächst die Gemeinschaft dadurch zusammen und kann nur so gelingen.[15] Das Finden eines Kongregationsideals, von dem Pater Kentenich in der Ersten Gründungsurkunde spricht, soll gewissermaßen das »Wir-Gefühl« unter den Schülern fördern (Bewegungspädagogik).[16] In seinem Vortrag betont er immer wieder seine Aufforderung zur Selbsterziehung. Ferner bedankt er sich für die Bemühungen, die die Jungen dazu im vergangenen Schuljahr auf sich genommen haben.[17] Dies ist aus pädagogischer Sicht, vor allem zu Beginn eines neuen Schuljahres, eine geeignete Methode, um zum einen an die gesetzten Ziele zu erinnern und zum anderen die Gemeinschaft weiter zu deren Durchführung zu ermutigen. Dabei forderte Pater Kentenich nicht wenig von seinen Zöglingen. Er sagte: „Meine Forderung geht ungleich höher. (…) Nicht schlechthin das Große und Größere, sondern geradezu das Größte soll Gegenstand unseres gesteigerten Strebens sein.“[18]

Im Folgenden soll nun die Aktualität dieser Texte aus sozialpädagogischer Sicht auf ihre heutige Anwendbarkeit untersucht werden. Dazu wird das Projekt »Lebensschule« vorgestellt, dass seit dem Jahr 2000 im Münchener Schönstatt-Zentrum »Kleinschönstatt« von Pater Stefan Strecker durchgeführt wird.

Das Projekt richtet sich an männliche Jugendliche im Alter von circa 18 bis 25 Jahren. Die Zugehörigkeit zur Schönstatt-Bewegung ist dabei weder Voraussetzung noch wird sie angestrebt. Lediglich eine gewisse Offenheit und Bereitschaft wird erwartet, sich auf die schönstättische Spiritualität und Pädagogik einzulassen. In einem Zeitraum von neun Monaten leben die jungen Erwachsenen in einer Wohngemeinschaft. Ihnen steht dabei eine dafür eingerichtete Wohnung innerhalb des Bildungshauses »Kleinschönstatt« zur Verfügung. Es können zwischen vier und sieben junge Männer teilnehmen, wobei jeder seinen Alltagstätigkeiten (Beruf, Studium, Zivildienst, o.ä.) nachgeht. Auch die Freizeit wird selbst von den Teilnehmern gestaltet. Feststehend sind in diesem Zeitraum nur zwei Termine: wöchentlich ein gemeinsamer Abend und monatlich ein gemeinsames Wochenende. Beide Treffen stehen unter der Leitung von Pater Stefan Strecker, der von StR Vikar Peter Göttke unterstützt wird. Inhaltlich werden Themen behandelt, die sich meist aus dem aktuellen persönlichen Entwicklungsprozess der jungen Männer ergeben. Ziel des Projektes ist es, die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit in dieser Zeit bewusst und intensiv in den Blick zu nehmen. Dafür gilt das Motto »gemeinsam das Leben lernen«.[19] Damit wird die Zielgestalt der Pädagogik Schönstatts, der »Neue Mensch in der Neuen Gemeinschaft«, deutlich. Der Einzelne erfährt sich in einer heterogenen Gruppe und wird im Zusammenleben mit sich selbst konfrontiert. Aufgrund des ähnlichen Alters besteht die Chance, miteinander nach und nach zu wachsen (Bewegungspädagogik). Da es in der Gruppe immer auch zu Konflikten kommt, kann ein fairer Umgang geübt werden. In den festen gemeinsamen Zeiten (Fixzeiten) finden gegenseitiger Austausch und Aussprache statt, wobei sich der Einzelne selbst einschätzt und der Gruppe mitteilt, wo er gerade steht. Auf dieses Anliegen weist Pater Kentenich schon in der Vorgründungsurkunde hin.[20] Das setzt jedoch voraus, dass sich die Teilnehmer schon kennen gelernt und dadurch gegenseitiges Vertrauen aufgebaut haben. Dasselbe gilt für die Beziehung zwischen dem Leiter und der Gruppe beziehungsweise zwischen dem Leiter und dem einzelnen Bewohner. Ein Schwerpunkt des Projektes bildet das Aufbauen und Reflektieren von Beziehung. Beides lässt sich im Prozess des gegenseitigen Kennenlernens üben und praktizieren, das seine Vertiefung in den gemeinsamen Fixzeiten findet. Somit erfährt die Bindungspädagogik zusammen mit der Vertrauenspädagogik ihre Anwendung. Der wesentliche Schwerpunkt des Projektes liegt in der Selbstfindung, wobei die Gruppe sehr hilfreich sein kann. Durch Impulse von Pater Stefan Strecker werden die Jungen zur Selbstreflexion angeregt. Themen, wie zum Beispiel das Finden des »Persönlichen Ideals« oder die Beschäftigung mit den eigenen Stärken und Schwächen unter Einbeziehung des Modells der vier Temperamente, sind Gegenstand der Beschäftigung sowohl in der Gruppe als auch jedes Einzelnen. Pater Stefan Strecker wendet hierbei vor allem Methoden der »Themenzentrierten Interaktion« nach Ruth C. Cohn[21] an. Ein weiterer Aspekt der Lebensschule ist die Beschäftigung mit der eigenen Zukunftsplanung. Häufig werden Entscheidungen zum angestrebten Studienfach, zur künftigen Arbeitsstelle, oder auch zur eigenen Lebensform während des Projektes thematisiert. Dabei kommen Werte zur Sprache, die im Entscheidungsprozess hilfreich sein können. Somit findet die Idealpädagogik ihre praktische Umsetzung. Pater Stefan Strecker steht in diesem Prozess stets, vor allem in Krisenzeiten, als Ansprechpartner zur Verfügung. Dabei legt er besonders Wert auf Einzelgespräche. In seiner Vorgehensweise spiegelt sich der schon zitierten Ausspruch Pater Kentenichs in der Vorgründungsurkunde wieder: „Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien und priesterlichen Charakteren.“[22] Das Attribut »priesterlich« ist heute jedoch durch »christlich« zu ersetzen, denn ursprünglich sprach Pater Kentenich vor Schülern, die Priester werden wollten. Zwar ist die Lebensschule als berufungspastorales Projekt aufzufassen, die Gewinnung junger Männer für den Priesterberuf ist jedoch nicht eigentliches Ziel. Unter den »christlichen Charakteren« versteht das Projekt Lebensschule vor allem ein Zusammenleben im Sinne der Nächstenliebe und das gemeinsame Praktizieren des Glaubens. Angestrebt wird auch die tiefere Beschäftigung mit dem Glauben. Die Beziehung zu Gott und das Leben aus dem Glauben sollen beim Prozess der Selbstfindung helfen. Somit kommt auch die Bündnispädagogik in diesem Projekt zur Geltung.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Inhalte dieser bedeutenden Quellen Pater Kentenichs bis heute nicht an Aktualität verloren haben. Zwar sind sie immer im Kontext ihrer Entstehung zu verstehen, dennoch ist mitunter am Projekt Lebensschule ersichtlich, dass die Schönstatt-Pädagogik aus sozialpädagogischer Sicht auch heute noch anwendbar ist. Vor allem in den Bereichen der Jugendarbeit, Jugend- und Erwachsenenbildung kommt diese zum Einsatz.

3.1.2. Das Präventivsystem und der Rombrief von Don Bosco

Wie in 2.3.2. ausgeführt, schrieb Don Bosco selbst relativ wenig über seine Erziehungsmethoden, verfasste dann aber auf Drängen seiner Mitarbeiter doch eine kurze Abhandlung über das von ihm geprägte Präventivsystem[23]. Außerdem werden in einem Brief[24], den er an die Angestellten des Oratoriums aus Rom schickte, typische Wesenszüge seines pädagogischen Wirkens deutlich. In der nachstehenden Ausführung sollen diese wesentlichen Merkmale herausgearbeitet und anhand einer Einrichtung exemplarisch aufgezeigt werden. Die genannten Quellen[25], die ebenfalls im Anhang abgedruckt sind, beschreiben Don Boscos Sicht der Erziehung zu seinen Lebzeiten. Inwieweit diese Ansätze heute noch aktuell sind und wie sie in den salesianischen Institutionen umgesetzt werden, soll aus sozialpädagogischer Sicht untersucht werden.

Das Präventivsystem von Don Bosco erschien erstmals 1877 im Rahmen einer Festschrift zur Einweihung des Salesianerwerkes in Nizza. Inhaltlich gibt es Aufschluss über die Unterschiede von Repressiv- und Präventivsystem. Don Bosco gliedert seine Abhandlung in drei Teile. Im ersten Teil zeigt er auf, „worin das Präventivsystem besteht, und warum es den Vorzug verdient“[26]. Als nächstes beschreibt er, wie dieses praktisch angewendet wird und schließlich im dritten Teil, welchen Nutzen es hat.[27] Im Anschluss an diese Ausführungen fügt Don Bosco „[e]in Wort über Strafen“ an, in dem er sich zu Regeln und Sanktionierung bei deren Nichtbeachtung äußert.[28]

Zunächst erklärt Don Bosco die Wesenszüge des Repressivsystems: strenge, militärische Disziplin und (körperliche) Bestrafungen bei Missachten von Regeln. Die Beziehung zwischen Pädagoge und Zögling ist von keinerlei emotionaler Wärme bestimmt und folglich wird kein Vertrauen aufgebaut. Don Bosco beschreibt dieses System als leicht durchführbar. Es nutze aber höchstens „beim Militär, und ganz allgemein bei erwachsenen und vernünftigen Menschen, die von sich aus in der Lage sein sollen, Gesetze und andere Vorschriften zu kennen und sich daran zu erinnern.“[29]Das Präventivsystem hingegen sei „ganz anders“[30] und „sogar dem entgegengesetzt“[31]. Um den Kontrast noch stärker zu betonen, hebt Don Bosco hervor, dass das Präventivsystem „sich ganz auf die Vernunft, die Religion und die Liebenswürdigkeit“[32] stützt. Diese Trias beschreibt die elementaren Erziehungsmethoden[33] Don Boscos, die noch heute für die salesianischen Einrichtungen konstitutiv sind. In diesem System geschieht Erziehung durch einfühlendes Verhalten, das gegenseitiges Vertrauen weckt. Don Bosco empfiehlt den Erziehern, eine freundschaftlich und brüderlich Haltung einzunehmen.[34] Diese liebevolle Einstellung ist der Schlüssel für eine gelingende Erziehung. Don Bosco weist jedoch darauf hin, dass auch der Pädagoge die Trias „immer wieder anwenden, lernen und für sich selbst praktizieren muss“.[35]Des Weiteren zählt er acht Voraussetzungen auf, die ein glückendes Miteinander zwischen Erziehern und Edukanten im Sinne des Präventivsystems sicherstellen. Dabei hebt er vor allem hervor, dass die Direktoren, Lehrer und Kleriker immerzu präsent sein sollen, um eine optimale Betreuung der Jugendlichen zu gewährleisten. Charakteristisch für Don Bosco ist ein hohes Maß an Lebensfreude, das er in allen Bereichen ausstrahlte. Deshalb war es ihm ein Anliegen, dass im Oratorium stets Freude und Ausgelassenheit vorherrschen solle. Don Bosco legte großen Wert auf die religiöse Erziehung der Jungen, jedoch sollen sie „nie zum Empfang der Sakramente verpflichtet werden“[36], sondern „man soll ihnen dazu Mut machen und ihnen auch gute Gelegenheiten dazu bieten.“[37] Das Ziel Don Boscos war es, gute Christen und ehrenwerte Bürger zu formen – ein hohes Ideal, das sich seiner Meinung nach nur durch die liebende Ganzhingabe der Erzieher verwirklichen lässt. Don Bosco notierte dazu: „Der Erzieher ist jemand, der sich ganz dem Wohl seiner Jungen verschrieben hat, und deshalb muss er bereit sein, jede Mühe und Anstrengung auf sich zu nehmen, um sein Ziel zu erreichen.“[38] Durch liebende Zuwendung erreicht er den Respekt der Jugendlichen, nicht durch Strenge. Dabei darf der Erzieher aber auf gar keinen Fall Präferenzen für einzelne Jungen haben. „Wie die Pest sollen sie jede spezielle Zuneigung oder Sonderfreundschaften zu den Jungen meiden“.[39] Im anschließenden „Wort über die Strafen“[40] betont Don Bosco erneut, von Sanktionen abzusehen, lediglich wenn sie unbedingt notwendig seien – dann aber nicht in der Öffentlichkeit, um den Jungen nicht vor seinen Kameraden bloßzustellen und niemals in körperlicher Form. Lehrreicher sei es, die Jugendlichen beim Gelingen einer Sache zu loben.[41] In der heutigen Erziehung wird darunter »ressourcenorientiertes Handeln« verstanden. Abschließend wies Don Bosco, wie bereits beschrieben, auf den Umgang mit Regeln und deren Sanktionierungen bei Verstößen hin. Aus langjähriger Erfahrung konnte Don Bosco bestätigen, dass die Anwendung des Präventivsystems zwar für den Erzieher schwieriger, dauerhaft jedoch Erfolg versprechend sei. Die hier angedeutete Schwierigkeit zeigt sich im »Rombrief« Don Boscos, den er am 10. Mai 1884 an seine Mitarbeiter schrieb. In diesem schilderte er zwei Träume, die ihn mit der vorherrschenden Situation des Oratoriums zur Zeit seiner Abwesenheit konfrontierten. Im ersten Traum erschienen Don Bosco zwei ehemalige Schüler, die ihm Ausschnitte ihrer Zeit im Oratorium und die vorherrschende Lage zeigten. Don Bosco fiel auf, dass sich der Umgang unter den Jugendlichen ebenso wie unter den Erziehern deutlich verändert hatte. Statt Freude, Vertrauen und Ausgelassenheit war das aktuelle Geschehen vom Gegenteil bestimmt. Auf die Frage Don Boscos, was nach der Meinung der Ehemaligen verändert werden müsse, antworteten sie, die Erzieher sollten wieder aktiver unter den Jugendlichen agieren und eine Vertrauensbasis schaffen, um so zu merken, wenn Unstimmigkeiten aufkämen. Die Pädagogen müssten in der Erziehung die Liebe für die Zöglinge mehr spürbar machen, indem sie im direkten Kontakt mit ihnen sind, vor allem auch in deren Freizeit.[42] Die diffizile Umsetzung des Präventivsystems wird in dieser Darstellung klar. Die Ehemaligen rieten Don Bosco in seinem Traum, seinen Mitarbeitern genaue Anweisungen zu geben, damit sie in seinem Sinne handeln. Erneut bekräftigten sie, dass es „[o]hne Herzlichkeit und Vertrauen (…) keine Liebe, und ohne Liebe (…) kein Vertrauen“[43] gäbe. Sie behaupten weiter, „wer geliebt wird, der erreicht alles, besonders bei der Jugend.“[44] Somit bezieht sich dieser Traum in erster Linie auf das Verhalten der Erzieher gegenüber ihren Zöglingen. Der zweite Traum, den Don Bosco im Rombrief beschreibt, nimmt das Gespräch mit einem der beiden Ehemaligen wieder auf. Auf die Frage Don Boscos, was er den Jungen mitteilen solle, antwortet dieser, sie sollen die Bemühungen ihrer Erzieher wertschätzen und Dankbarkeit für die ihnen entgegengebrachte Liebe zeigen. Dies setze jedoch voraus, dass die Pädagogen ihnen dementsprechend auch in väterlicher und familiärer Liebe begegnen. Zum Schluss weist der einstige Schüler Don Boscos darauf hin, er solle den Jugendlichen die Gottesmutter Maria als Hilfe der Christen empfehlen. Nach Abschluss der Beschreibung der Träume beendet Don Bosco seinen Brief mit dem Wunsch: „Tut auch Ihr[45] Eure Pflicht, und lasst die glücklichen Tage des alten Oratoriums wiederkehren, die Tage der Liebe und des Vertrauens zwischen Jungen und Erziehern, die Tage der gegenseitigen Zuvorkommendheit und Verträglichkeit um der Liebe Christi willen, die Tage einfacher Offenheit und Lauterkeit, die Tage der Liebe und der echten Fröhlichkeit aller!“[46] Durch dieses Zitat werden die wesentlichen Züge der Pädagogik Don Boscos noch einmal deutlich.

Im Folgenden soll anhand des »Don Bosco Clubs Benediktbeuern« die Umsetzbarkeit der pädagogischen Maxime Don Boscos in der heutigen Sozialen Arbeit untersucht werden.

Der Don Bosco Club ist ein offener Jugendtreff, der an vier Tagen der Woche (von Mittwoch bis Samstag) ab 16.00 Uhr geöffnet hat. In dieser Zeit ist ein Hauptamtlicher und nach Möglichkeit auch ein Praktikant anwesend.

Ziele der Einrichtung sind:[47]

– sinnvolle Freizeitgestaltung,
– Schutz vor Gefährdungen,
– Persönlichkeitsentwicklung,
– Gemeinschaftsfähigkeit,
– geschlechtsspezifische, individuelle Erziehung/Förderung,
– Unterstützung bei Schule, Beruf, Arbeit und
– gesellschaftspolitische Bildung.

Zielgruppe sind junge Menschen, die im Sinne des KJHG, § 7 Abs. 1 das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, unabhängig von Herkunft, Nationalität und Religionszugehörigkeit. Schwerpunkt dabei ist die Begegnung von Peers[48], da der Austausch mit Gleichaltrigen im entwicklungspsychologischen Prozess des Erwachsenwerdens förderlich ist.[49] Die hier beschriebene Zielgruppe deckt sich mit derjenigen zu Lebzeiten Don Boscos, dem niederschwellige Angebote ein Anliegen waren. Er begegnete jungen Menschen dort, wo sie sich aufhielten. Die Assistenz, bei der nach Don Bosco der Erzieher die Jugendlichen immer und überall im Blick haben soll, kann auf Grund räumlicher und personaler Gegebenheiten in diesem Maß im Don Bosco Club nicht gewährleistet werden. Allerdings ist fraglich, ob das der Selbstbestimmung der heutigen Jugend grundsätzlich noch entspricht. Handlungsprinzipien des Kernteams des Don Bosco Clubs, das aus zwei Dipl. SozialpädagogInnen (FH) und gegebenenfalls einem Praktikanten besteht, sind das KJHG, die Prinzipien der Katholischen Soziallehre und die Pädagogik Don Boscos.

In der Konzeption des Don Bosco Clubs werden folgende Schwerpunkte aufgeführt:[50]

– Zeit für junge Menschen,
Pädagogik der Vorsorge (Präventivsystem),
– Orientierung an einem gelingenden Leben,
– vorrangige Sorge um »ärmere« (wirtschaftlich, sozial, emotional) Jugendliche,
– wertschätzende Begegnung,
– offene Tür und offenes Ohr und
– ganzheitliche Sorge und Begleitung.

Im Blick auf die Trias der Erziehungsmethoden Don Boscos fehlt hier, kritisch betrachtet, die Dimension der »Religion«. Tatsächlich gerät diese zunehmend in den Hintergrund, da zum einen christliche Religiosität bei der heutigen Jugend zunehmend als »out« gilt und zum anderen aktuelle Themen, wie Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme, Kriminalität, Drogen, Umgang mit Sexualität und andere bei den jungen Menschen präsenter und zugleich brisanter sind. Des Weiteren ist auffällig, dass im Kernteam keine Mitglieder der Salesianer Don Boscos vertreten sind. Zwar stellen diese stundenweise studierende Mitbrüder für die Betreuung zur Verfügung, jedoch fehlt der direkte Bezug. Lediglich im Trägerverein, der unter anderem die Finanzierung sichert, sind die Salesianer Don Boscos vertreten.[51] Dies hat aber keine direkte Auswirkung auf die unmittelbare Arbeit mit den Jugendlichen. Die offene Struktur dagegen entspricht dem Oratorium zu Lebzeiten Don Boscos. Somit lässt sich abschließend sagen, dass die pädagogischen Grundsätze Don Boscos an Aktualität kaum verloren haben. Lediglich im Hinblick auf die Religion ist die Umsetzbarkeit in der heutigen Zeit zunehmend schwierig. Aus Sicht der Sozialpädagogik ist die Pädagogik Don Boscos wegen der Spezialisierung auf die Jugend sehr geeignet, da die Jugendarbeit ein weites Feld der Sozialen Arbeit beschreibt.

3.1.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Nachdem die Gründerpersönlichkeiten Pater Kentenich und Don Bosco sowie deren pädagogische Konzepte in ihrer Ursprungsform und exemplarischen Umsetzung dargestellt wurden, soll nun in vergleichender Weise ein Abriss der möglichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden. Die dargestellten Thesen erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ferner wird damit eine Wertung der Pädagogiken nicht beabsichtigt, sondern beide sollen in ihrer Einzigartigkeit für sich stehen.

Allgemein kann festgestellt werden, dass sich im Leben der beiden Persönlichkeiten Ähnlichkeiten feststellen lassen, die kennzeichnend für deren weiteren Lebensweg waren. Vor allem ist die Tatsache nennenswert, dass sowohl Pater Kentenich, als auch Don Bosco – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – weitgehend ohne Vater aufgewachsen sind. Es ist anzunehmen, dass dies Auswirkungen auf die beiden pädagogische Konzepte hatte, da in jedem Fall die Betonung des Familiären beziehungsweise des Väterlichen und des Mütterlichen eine große Rolle spielt. Dies spiegelt sich auch in den Grundlinien der jeweiligen Spiritualitäten. Hier ist in besonderer Weise der Bezug zur Gottesmutter Maria zu nennen. Zugleich ist sowohl Don Bosco als auch Pater Kentenich ein »prophetischer Blick« zuzuschreiben, der sich in ihren neuen Ansätzen der Pädagogik widerspiegelt. Ihre zeitkritischen Äußerungen sind deshalb bis heute aktuell. Die Liebespädagogik kann als »Brücke« zwischen der schönstättischen und der salesianischen Pädagogik verstanden werden. Beide, Don Bosco wie auch Pater Kentenich, ließen sich von der »liebesbezogenen« Spiritualität des Heiligen Franz von Sales inspirieren. Interessant sind die Würdigungen Pater Kentenichs gegenüber Don Bosco, den er innerhalb dieser Thematik häufig als „Genie der selbstlos sich verschenkenden Liebe“[52]bezeichnet. Weiter sagt er: „Das ist seine Größe, das ist seine Genialität, nicht die Genialität des Denkens, sondern die Genialität der Liebe.“[53] Aufgrund dieser Aussagen wird angenommen, dass Don Bosco hinsichtlich seines pädagogischen Wirkens Einfluss, wenn nicht sogar Vorbildcharakter, für Pater Kentenich hatte.

Betrachtet man jedoch die Vorstellungen von der pädagogischen Zielgestalt bei Pater Kentenich (»Neuer Mensch in Neuer Gemeinschaft«) und bei Don Bosco (»Guter Christ und rechtschaffener Bürger«), so lassen sich daran durchaus Unterschiede feststellen. Es kann behauptet werden, dass Pater Kentenichs Ziel eher in die »Weite« und »Höhe« formuliert ist. Damit ist die Formung einer Art »Elite« gemeint, die seiner Ansicht nach apostolisch und missionarisch tätig sein soll. Zur Zeit der Gründung der Schönstatt-Bewegung hatte es Pater Kentenich vor allem mit Schülern des Gymnasiums zu tun, die einen Priesterberuf und somit oft auch eine höhere Bildung anstrebten. Es ist zu vermuten, dass diese Jungen demnach auch überwiegend aus der mittleren bis höheren Bildungsschicht der damaligen Zeit kamen.

Hinsichtlich der Zielgruppe ist das Tätigkeitsfeld Don Boscos niederschwelliger. Sein Anliegen war vorrangig das Gelingen des Lebens und die Versorgung der Armen und Ärmsten. Ihnen ermöglichte er Bildung, um sie somit vor Delikten und Arbeitslosigkeit zu bewahren. Bezogen auf die heutigen sozial-karitativen Tätigkeitsfelder von Pater Kentenich und Don Bosco ist anzumerken, dass sie in der weltweiten Arbeit, so zum Beispiel in Südamerika, in der praktischen Umsetzung ähnlich Ziele verfolgen. Zu nennen sind Projekte und Errichtungen vorwiegend für Kinder und Jugendliche, die von Kriminalität bedroht sind. In Deutschland unterscheiden sich die Tätigkeitsfelder deutlicher. Ist bei den Salesianern der Fokus ausschließlich auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gerichtet, so umfasst die Schönstatt-Bewegung ein viel breiteres Altersspektrum. Gemeinsam ist beiden die Bildungsarbeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Schwerpunkte in der praktischen Umsetzung sind jedoch verschieden. Geht es in der salesianischen Pädagogik mehr um allgemeine Inhalte, die unter Umständen dann auf religiöse Thematiken transferiert werden, so ist die Schönstatt-Pädagogik konkreter auf das Individuum und dessen Persönlichkeitsfindung in Bezug auf Gott gerichtet.

Abschließend kann aus Sicht der Sozialen Arbeit gesagt werden, dass beide Konzepte ihre Anwendbarkeit und Umsetzung in Arbeitsfeldern der Sozialpädagogik finden.

3.2. Resümee

3.2.1. Chancen der pädagogischen Konzepte von Pater Kentenich und Don Bosco für die Sozialpädagogik

Pater Kentenich und Don Bosco haben durch ihren Einsatz für die Menschen gezeigt, dass eine Verbindung der religiösen und der sozialen Dimension von Pädagogik möglich ist. Es kann sogar behauptet werden, dass beide Dimensionen erst in ihrer Wechselbeziehung voll zum Tragen kommen. Die Soziale Arbeit befasst sich mit Arbeitsfeldern, in denen sie weitgehend mit Menschen zu tun hat, die von Not bedroht sind, oder sich in Not befinden. Deshalb kann es buchstäblich »Not-wendig« sein, wenn Religiöses und Soziales sich gegenseitig bedingen. Ein Bemühen der modernen Human- und Sozialwissenschaften um die Inklusion dieser Dimensionen wäre erstrebenswert, damit sie – wie Pater Kentenich und Don Bosco – gezielter auf die Bedürfnisse der heutigen Zeit eingehen können. Der von Pater Kentenich und Don Bosco stark vertretene Aspekt des Vertrauens und der Liebe, sind wesentliche Voraussetzung für das Gelingen von pädagogischem Handeln. Beide, Religion und Soziales, fordern Haltungen, wie »einfühlende Wertschätzung«, »Echtheit« und »emotionale Wärme«, die in idealer Weise im »Doppelgebot der Liebe« ihren Ausdruck finden. Dieses besagt: „(…) Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. (…) Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“[54]

3.2.2. Grenzen der pädagogischen Konzepte von Pater Kentenich und Don Bosco für die Sozialpädagogik

In der Sozialen Arbeit geraten diese pädagogischen Konzepte dort an Grenzen, wo die Empfänglichkeit für Religiöses nicht oder nur wenig gegeben ist. Aufgrund der immer stärker zurückgehenden Religiosität in der heutigen Gesellschaft kann diese Grenze schnell erreicht werden. Des Weiteren muss beachtet werden, dass viele Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie damals noch nicht in der Fülle vorhanden waren, wie sie es heute sind. Deshalb erscheinen einzelne Methoden im Blick auf die Erziehung von Jugendlichen nicht mehr zeitgemäß. Die Art und Weise der Assistenz der Pädagogik Don Boscos ist hier exemplarisch zu nennen. Heute weiß man um die „schädigende Wirkung einer »Overprotection[55]« wie einer »Rejection[56]«“[57]. Eine Form wie die des Oratoriums mit ständiger Anwesenheit der Edukanten, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Heute müssen Möglichkeiten gefunden werden, eine Spannung zwischen Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Betreuungsbedürftigkeit. auszubalancieren. Der sehr vertraute Umgang mit den Jugendlichen ist sowohl für Pater Kentenich als auch für Don Bosco charakteristisch. Aus heutiger Sicht der Sozialpädagogik muss jedoch auch eine Abgrenzung des Erziehers möglich sein, um dessen Überbelastung zu vermeiden. Somit liegen die Grenzen dieser Konzepte auch in der Übersetzung in die Gegenwart.

3.2.3. Ausblick

Um eine ganzheitliche Erziehung, die aus dem Geist Don Boscos wie auch Pater Kentenichs handelt, auch heute noch zu gewährleisten, treten vor allem zwei Aspekte in den Vordergrund: die Besinnung auf die Wurzeln, also auf die Kernanliegen der schönstättischen und salesianischen Pädagogik und zugleich die Anpassung und Weiterentwicklung durch kontinuierliche Reflexion.


[1] Vgl. Texte im Original aus: J. Kentenich, Schönstatt, S. 9-26.

[2] In der folgenden Zitation mit »VGU« abgekürzt.

[3] In der folgenden Zitation mit »GU« abgekürzt.

[4] Vgl. Z. 22-45, VGU.

[5] Z. 49-51, VGU.

[6] Z. 58f, VGU.

[7] Z. 62-64, VGU.

[8] Vgl. Z. 65-80, VGU.

[9] Vgl. Z. 81-142, VGU.

[10] Z. 163-165, VGU.

[11] Z. 58, VGU.

[12] Z. 171-173, VGU.

[13] Z. 178-180, VGU.

[14] Z. 186f, VGU.

[15] Vgl. Z. 174-183, VGU.

[16] Vgl. Z. 37-39, GU.

[17] Vgl. Z. 30-49, GU.

[18] Z. 45-49, GU.

[19] Vgl. S. Strecker, Die Lebensschule Schönstatt, S. 4ff.

[20] Vgl. Z. 181ff, VGU.

[21] Vgl. F. Stimmer, Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit, S. 525.

[22] Z. 58f, VGU.

[23] In der folgenden Zitation mit »PS« abgekürzt.

[24] In der folgenden Zitation mit »RB« abgekürzt.

[25] Vgl. Texte im Original aus: http://www.iss.donbosco.de/paedagogik/quellen/ vom 15.3.2008.

[26] Z. 10f, PS.

[27] Vgl. Z. 10-13, PS.

[28] Vgl. Z. 169ff, PS.

[29] Z. 24-26, PS.

[30] Z. 27, PS.

[31] Ebd.

[32] Z. 34f, PS.

[33] Vgl. Abschnitt 2.3.3.

[34] Vgl. Z. 38-73, PS.

[35] Z. 79f, PS.

[36] Z. 105-107, PS.

[37] Ebd.

[38] Z. 145-148, PS.

[39] Z. 88f, PS.

[40] Z. 169ff, PS.

[41] Vgl. Z. 170-189, PS.

[42] Vgl. Z. 18-116, RB.

[43] Z. 138f, RB.

[44] Z. 149f, RB.

[45] Gemeint sind die Adressaten des Briefes.

[46] Z. 259-263, RB.

[47] Vgl. Don Bosco Club, Konzeption, S. 4.

[48] Peer/Peergroup = Bezugsgruppe eines Individuums, die aus Personen gleichen Alters, gleicher oder ähnlicher Interessenslage und ähnlicher sozialer Herkunft besteht und es in Bezug auf Handeln und Urteilen stark beeinflusst. Vgl. Duden, Fremdwörterbuch, S. 543.

[49] Vgl. Don Bosco Club, Konzeption, S. 3f.

[50] Vgl. Ebd., S. 7f.

[51] Vgl. Don Bosco Club, Konzeption, S. 11.

[52] J. Kentenich in: H. King, Pädagogische Texte, S. 385.

[53] Ebd.

[54] Mt 22, 37-39.

[55] Overprotection = Überbehütung. Vgl. F. Stimmer u. a. in: Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit, S. 346.

[56] Rejection = Ablehnung. Vgl. H. Willmann, Langenscheidts Taschenwörterbuch. Englisch.

[57] R. Weinschenk, Grundlagen der Pädagogik Don Boscos, S. 58.

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