KR-1 DE 05

5. Das Verhältnis P. Kentenichs zu Vinzenz Pallotti und der Gesellschaft der Pallottiner.

Im Jahre 1956, dem Höhepunkt der geistigen Auseinandersetzungen um das Leitbild Schönstatt mit der Gesellschafter der Pallottiner, schrieb Pater Kentenich eine Studie von über 900 Seiten – wohl die längste seines Lebens – an den damaligen Generalobern, Pater Wilhelm Möhler; deshalb „Generalsbrief“ genannt.
in dieser umfangreichen Dokumentation geht es ihm darum, zwei Dinge nachzuweisen: zunächst dass Schönstatt einen vom Heiligen Vinzenz Pallotti unabhängigen Ursprung hat. Ferner zeigt er auf, wie sich dieser Ursprung mit der Sendung Pallottis verbunden hat und wie sich diese Sendung – so die Überzeugung Pater Kentenichs – nur in Verbindung mit der Quelle des schönstättischen Liebesbündnisses verwirklichen lässt.
In dieser Studie finden sich erhellende Selbstzeugnisse des Gründers. Das hier vorliegende bezeugt, wie ergriffen der Gründer von seiner Sendung war, wie er sie mit der Sendung des Heiligen Vinzenz Pallotti verband und welche Strategie er sein Leben lang verfolgte. Der Text findet sich in H. Hug (Hg.) Möhlerbrief Bd. 1 (Bipolarität), 175-185.


Dass alle meine Unternehmungen von einer wohlüberlegten klaren Planung und nicht von Willkür und Triebhaftigkeit gelenkt worden sind, weiß jeder, der mit mir in nähere Berührung gekommen ist.

In gleicher Weise ist klar ersichtlich, dass diese Planung mit großer, mit nicht alltäglicher Sorgfalt sich allezeit bewusst an göttlicher Planung orientiert hat. So ist das Wort: „Es steht im Plane“ ein Merkwort für meine ganze Struktur, für mein Sinnen und Minnen, für mein Leben und Wirken, es ist die Seele meiner Seele, es ist auch die Seele Schönstatts und das Geheimnis der außergewöhnlichen Ruhe, Sicherheit und Kühnheit geworden, die von allen ausgeht, die in dieser jenseitigen Welt zu Hause sind. Ich bin in meinem langen Leben vielen Menschen begegnet und habe ungezählt viele Seelen und Lebensgeheimnisse in mich aufnehmen können; habe bisher aber noch niemand kennen gelernt, der so stark, der so leidenschaftlich und ausschließlich, der so radikal und konsequent, ja fast rücksichtslos auf den Gedanken der göttlichen Planung in allen Lagen des Lebens ‑ in den größten und den kleinsten ‑ und der Gleichschaltung der menschlichen mit der göttlichen Planung eingestellt war.

So glaube ich denn sagen zu dürfen, dass derjenige wenigstens die Richtung meines Strebens richtig gesehen hat, der meint, feststellen zu dürfen: „Seit ich Sie kenne, sind Sie in meiner Erinnerung der Mann, der ganz in einer jenseitigen Welt wurzelt, und der diese Welt in alle diesseitigen Wirklichkeiten mit hereinbringt. Sie leben in dem Ursprungsland, so wie jemand, dem seine Herkunft zu einer beherrschenden Passion geworden ist. Das Wort Passion will hier in dem einen wie in dem anderen Sinn seines doppelten Inhaltes verstanden werden: als Leidenschaft und als erlittenes Schicksal.“

So ist es nicht verwunderlich, wenn ich sage, dass auch mein Verhältnis und mein Verhalten zur Gesellschaft der Pallottiner immer von einer eindeutigen Planung als Antwort auf einen klar erkannten göttlichen Entwurf bestimmt gewesen ist.

Nachdem ich mir über die göttliche Planung mit Schönstatt und Pallotti im Sinne der beschriebenen Doppelachse (15) tiefinnerlich in einer Zeit klar geworden bin, in der kaum jemand an die Durchführbarkeit von Pallottis Mammutidee, geschweige denn an die Verwirklichung dachte, und nachdem ich in der Durchführung dieser Planung in zeitgemäßer Weise meine spezifische Lebensaufgabe erkannt hatte, standen mir für ein solch unerhört gewagtes Abenteuer zwei Wege offen. Da niemand sich damals in ein Wagnis von solch ungeheuren Dimensionen hineindenken und mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte, musste ich Entscheidungen ganz allein treffen. Der Blick war dabei allezeit mit großer Ausschließlichkeit und Eindringlichkeit auf Gott und seinen Entwurf gerichtet, der sich in Hirn und Herz langsam unverlierbar fest verankerte; der Blick auf Menschen und Verhältnisse hielt Ausschau nach greifbaren Anknüpfungspunkten, nach Hilfen und Werkzeugen, die jeweils und zur rechten Zeit und am rechten Platz eingesetzt werden sollten, um langsam und in Gemeinschaft miteinander den phantastisch großen Zielen zuzustreben. Nachträglich komme ich mir wie ein Schwimmer vor, der Jahr für Jahr mit seiner Gefolgschaft wagemutig und kühn, inmitten von Sturm und Wettern, Wogen und Wellen geteilt, um an das unbekannte Ufer einer neuen Zeit zu gelangen. Ohne unermesslich tiefe Ideen‑ und lebensmäßige Verankerung in einer anderen Welt wäre das alles absolut unmöglich gewesen.

Die Kernfrage, die mich am Anfang der Entwicklung bewegte, lautete so: Soll ich die Ausführung der Planung erst unmittelbar im Rahmen der Gesellschaft in Angriff nehmen, will heißen: soll ich sie erst auf das große Doppelziel einstellen, um sodann nachher durch eine innerlich umgeformte, auf der Doppelachse ruhende Gesellschaft zur Gründung des Werkes zu schreiten?

Anders ausgedrückt: soll ich von innen nach außen vorstoßen…? Oder soll ich die Gesellschaft bis auf weiteres zum großen Teile sich selbst überlassen und den umgekehrten Weg beschreiten und so von außen nach innen gehen?

Die gesuchte Antwort musste Gott ‑ wie fast immer in der gesamten Schönstattgeschichte ‑ durch die Verhältnisse geben. Sie erfolgte recht bald. Sie fiel zu Gunsten der zweiten Möglichkeit aus, und sofort wurde sie in die Tat umgesetzt. Es würde zu weit führen, wenn ich hier auf die Gründe eingehen wollte, die mich den göttlichen Entwurf so schnell erkennen und deuten ließen. Eines sei jedoch festgestellt: Ohne den frommen Glauben an die Realität unseres Liebesbündnisses hätte ich ‑ wie schon so oft hervorgehoben worden ist ‑ niemals die Hand nach solch verwegenen Zielen auszustrecken gewagt.

Meine Entscheidung war jedoch nicht so gedacht, als sollte ich die Gesellschaft zunächst ganz aus dem Auge verlieren, um später erst, nach einem gewissen Abschluss der Entwicklung, mit der Bewegung langsam zu ihr vorzustoßen und so das Ganze zu einer Einheit zu verbinden und zu krönen. Das wäre zu mechanistisch gedacht gewesen. Es hätte einer zweiten Eigenart meines Wesens widersprochen: der organischen Ganzheitsschau.

So standen denn seit 1916 beide Partner allezeit vor meinem Geistesauge: beide lebten gleichzeitig in meinem Hirn und Herzen. So waren beide in einer Weise ideenmäßig miteinander verbunden, wie wir heute das lebendige integrale Schönstatt im Sinne einer integralen Gesellschaft und einer integralen Bewegung verkörpert vor uns sehen. Beides lebte und wirkte und entfaltete sich in der Folge in gesunder Weise nach dem Gesetze der organischen Entwicklung allezeit gleichzeitig, aber nicht gleichmäßig, aus einer organischen Ganzheit in eine organische Ganzheit. Was je und je im Vordergrunde stehen und vordringlich bejaht werden sollte, hatte Gott nach dem Gesetze der geöffneten Türe genauer zu entscheiden.

Es mag der Mühe wert sein, die umrissenen Grundsätze an einigen Beispielen zu veranschaulichen und so einige Streifzüge durch die Familiengeschichte zu machen.

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges bat ich ‑ aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse von der göttlichen Vollplanung ‑ um Enthebung von meinem Amte als Spiritual und um vollkommene Freistellung für die Verwirklichung der großen Planung. Dem Doppelgesuch wurde willig stattgegeben. Damit hatte ich eine Bahn beschritten, die an Abgründen jeglicher Art durch Dunkelheit und Nacht auf gänzlich unbekannten Wegen zu höchsten Firnen emporführte. Der einzige Faden, an dem ich mich orientieren konnte, war der Faden des Vorsehungsglaubens, der mich Schrittchen für Schrittchen weiter und vorwärts führte. Wie abenteuerlich das ganze Unternehmen war, ahnt, wer die damalige Lage in Welt und Kirche und in der Gesellschaft kennt. Der Ausdruck „Fahrt ins Blaue“ gibt nur einen ganz geringen Bruchteil des wirklichen Sachverhaltes wieder. Es hieß ja, gleichsam aus nichts eine große, eine ungeheuer große und neue Welt schaffen, oder gewissermaßen aus dem Boden stampfen.

Spätere Historiker mögen hier ansetzen, sie mögen Material sammeln und sichten und sodann auf letzte Prinzipien zurückführen. Will man einen flüchtigen Einblick in die große Wandlung gewinnen, und den Vergleich abmessen zwischen damals und jetzt, dann mag man in etwa überprüfen, wie das Heiligtum damals aussah, und welche Bedeutung es heute hat. Damals war es ein Abstellraum für Gartengeräte, heute ist es der Mittelpunkt einer großen, weltweiten Erneuerungsbewegung. Damals führten nur wenige Menschen den Namen Schönstatt im Munde. Heute ist es für ungezählt viele Zeitgenossen in Heimat und Übersee ein gefüllter Begriff. Von den vielen Häusern, die heute in Schönstatt von Schönstatt künden, standen damals nur das alte Haus und das Studienheim. Vergegenwärtigt man sich alle diese Ereignisse, so versteht man erst, dass eine große geheimnisvolle Macht im Laufe von wenigen Jahrzehnten tatsächlich „Wunder“ gewirkt hat.

Das Abenteuer gewann dadurch an Größe, an Gewagtheit und Ungeheuerlichkeit, dass ich damals sterbenskrank war. Als ich nach Engers ins Krankenhaus übersiedelte (16), wurde ich dort als Todeskandidat empfangen und behandelt. Jeden Augenblick rechnete man mit dem körperlichen Zusammenbruch. Das alles hat mich aber nicht im Geringsten gestört. Der Körper existierte praktisch nicht für mich. Tag und Nacht arbeitete ich und lebte in großen weltweiten Konzeptionen. Es hieß, vorsichtig im Kleinen wie im großen den Wegen nachzutasten, die die göttliche Vorsehung zur Verwirklichung der Riesenpläne eröffnete. Weil alles so waghalsig und weltfremd schien, was mir als Ideal vorschwebte, war ich gezwungen, es als mein Geheimnis still im Herzen zu tragen. Nur da und dort eröffnete ich bei Gelegenheit, was ich in mir trug und zog den Schleier ein wenig von meiner Welt hinweg. Bei allen Unternehmungen kam es mir niemals auf Erfolg und Misserfolg an. Die Sicherheit in Kopf und Herz, an Verwirklichung einer göttlichen Planung zu arbeiten, genügte mir allezeit. Sie ist nie, sie ist auch heute nicht im Geringsten in Erschütterung geraten. Daher die souveräne Ruhe mitten im größten Sturmgewitter.
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Für mich ging es allezeit darum, die Gesellschaft ‑ ohne ihre rechtliche Verfassung irgendwie zu berühren oder gar zu ändern ‑ innerlich für die Doppelachse zu gewinnen: für den integralen Pallotti und das integrale Schönstatt. Der integrale Pallotti schließt die bekannte ungeheuer große Mammutidee in sich. Und das integrale Schönstatt fußt auf seiner eigengesetzlichen Achse und ist seit 1916 mit der Achse Pallotti unzertrennbar verbunden.

Meine persönliche Treue zu Pallotti und zu seiner Gesellschaft ‑ ganz gleich, ob man sie in ihrer historischen Gestalt oder in dem von mir geschauten Idealzustand sieht ‑ ist nie im Geringsten in Erschütterung geraten. Das geschah auch nicht zu einer Zeit, wo es ein Leichtes gewesen wäre, einen Kreis ergebener, begabter und begnadeter Jünger aus dem Stande der Weltpriester um mich zu scharen und in einer Art Schnellverfahren eine neue pars motrix et centralis zu gründen (1924) (17). Wie viel Plackereien mir und meiner Gefolgschaft dadurch erspart worden wäre, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Freilich wollen auch die Nachteile einkalkuliert sein, die ein solches Neugebilde notwendig im Gefolge gehabt hätte. Historisch muss jedoch festgehalten werden, dass mir persönlich niemals ‑ nicht einmal im Traume ‑ ein Gedanke dieser Art gekommen ist. Im Gegenteil, die Gesellschaft hat allezeit ‑ auch da, wo sie der Bewegung nicht freundlich gegenüber stand ‑ in meinen Plänen die Stellung behalten, die ihr nach Pallottis Ideen gebührt. Das ist auch heute noch so: nicht nur bei mir, sondern auch bei meiner Gefolgschaft. Wohl wird das Gespenst der Trennung und Spaltung innerhalb der Gesellschaft da und dort an die Wand gemalt. Es muss aber festgehalten werden, dass kein Integraler sich mit solchen Gedanken trägt. Soll eine Spaltung kommen, so muss sie von anderen ausgehen: entweder von den Liberalen oder von der kirchlichen Autorität. Freilich bleibt in einem solchen Falle die Frage offen, wo dann die wahre Gesellschaft zu finden ist, wie der integrale Pallotti sie sich gedacht hat. Nach wie vor ist jedoch zu hoffen, dass Gesellschaft und Bewegung „sich kriegen“ und in unzertrennlicher Liebesgemeinschaft miteinander verbunden bleiben: so wie jetzt schon die integrale Gesellschaft mit der integralen Bewegung im integralen Schönstatt vereinigt sind.

Darf ich schnell in historischer Reihenfolge einige Meilensteine auf dem Wege zu dieser Zweieinheit sichtbar machen? Es sollen nur einige, es sollen nur die wichtigsten sein.

Nachdem mein Gesuch um Ablösung und Freistellung angenommen war, erfolgte eine radikale äußere Trennung von meinem bisherigen Arbeitskreis. Zwischen mir und der Jugend, der jahrelang meine ganze Lebenskraft, der meine Tag‑ und Nachtarbeit gehört hatte, zog ich ‑ wenigstens rein äußerlich ‑ schroff einen Trennungsstrich. Ich überließ sie ganz und ungeteilt meinem Nachfolger im Studienheim und den neuen Vorgesetzten in Limburg. Ich tat es, teils in der ausgesprochenen Absicht, mich nunmehr mit derselben organischen Einseitigkeit und Konsequenz der neuen Aufgabe zu widmen. Symbol für das unerbittlich kraftvolle Wollen nach der Richtung war meine Übersiedlung nach Engers. Durch diese Trennung vom Orte sollte meiner früheren Gefolgschaft der Weg zu meinem Nachfolger erleichtert werden …

Nacheinander wählte man mich später zum Gesandten für das Generalkapitel nach Rom. Ich lehnte klar und bestimmt ab; ich tat es auch dann, als P. Wynen aus der hl. Stadt im Namen des damaligen Generals um Annahme ersuchte. Ich handelte so, weil ich überzeugt war, zunächst und bis auf Weiteres keine Sendung unmittelbar in der Gesellschaft zu haben. Anders ausgedrückt: es stand nicht im Plane. Aus demselben Grunde winkte ich ab, als man mich allen Ernstes von einflussreichen Kreisen der Gesellschaft für das Amt des Provinzials wählen wollte. Auch hier galt: es steht nicht im Plan. Wenn ich später (1928) mich nicht gegen den Rektorposten im Bundesheim wehrte und ihn annahm, so geschah es wegen der sinngemäßen Personalunion mit dem Amte des Bewegungsleiters. Wiederum anders ausgedrückt: so stand es im Plane. Wie allgemein bekannt, besuchte ich seit meiner Aussiedelung aus dem Studienheim grundsätzlich kein Haus der Gesellschaft: nicht einmal das Studienheim auf dem Nachbarberg. Ließ sich ein Besuch durch die Verhältnisse nicht umgehen, so erfolgte er nur ganz kurz. Grund war auch hier: so und nicht anders steht es im Plane.

Ein Wechsel in Methode und Lebensweise trat später nach Dachau erst ein, als ich meine Auslandsreise begann. Der „Plan“ hatte sich geändert, damit musste sich auch meine Praxis ändern.

Dabei hatte ich jedoch aus organischer Ganzheitsschau und aus strategischem Weitblick die Gesellschaft ständig im Auge und hielt mich für sie mit verantwortlich.

Bis 1919 war reichlich Gelegenheit vorhanden, Saatkörner in die Herzen des Nachwuchses zu streuen und ihm die Aufgabe mit auf den Weg zu geben, im Sinne Schönstatts weiterzuarbeiten. Anfangs war es für den jungen Spiritual das ihm gleichsam eingeborene Ideal des neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft, das er seiner Gefolgschaft kündete, und für das er sie entzündete. Er kündete es ohne Beziehung zu Pallotti.

Als 1915 der bekannte Zusammenstoß mit dem damaligen General P. Gissler erfolgte, und nachdem er bei der Gelegenheit erklärt hatte, er könne mein Handeln vor Pallotti nicht rechtfertigen, ich möge die Gesellschaft verlassen, wenn ich von meinem Beginnen nicht abstehen wolle, hatte ich erwidert, ich könne mein Handeln gut vor Pallotti verantworten. Das Ereignis war für mich das Signal, mich reflexiv genauer zu vergewissern und nachzuweisen, dass Pallotti indirekt durch die gelübdelose Struktur seiner Gesellschaft mein Ideal vom neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft kannte, um damit auch die von mir geübte und eingeführte Erziehungsmethode ‑ von der ich hier nicht sprechen will ‑ nicht nur billige, sondern geradezu verlange.
[…..]
Seit 1919 nahmen unsere Fratres durchweg an den von mir gehaltenen Tagungen für die aufkeimende Bewegung teil. So verwuchsen sie selbst mit dem Geiste Schönstatts und konnten nach Rückkehr ins Noviziat und Scholastikat unter ihren Kurs‑ und Altersgenossen dafür werben.

Dasselbe Bild wiederholte sich später für unsere Patres durch deren Teilnahme an pädagogischen Kursen und Priesterexerzitien. Dazu kam ein bedeutsames Mittel, das recht geeignet war, Gesellschaft und Bewegung grundsätzlich und dauernd miteinander in Verbindung zu bringen. P. Kolb, der 1919 als Mitarbeiter zu mir stieß, übernahm auf meinen Wunsch und aus eigenem Herzensantrieb heraus die Aufgabe, die Leitung der Gesellschaft in Rom und in Limburg ständig über alles auf dem Laufenden zu halten, was in Schönstatt geplant und durchgeführt wurde. Später teilte er sich, wo es sich um die Provinzleitung handelte, mit P. Menningen, mit P. Schulte und mit P. Kastner in diese Aufgabe. So wusste ich denn diese Sparte in guten Händen, kalkulierte die besagte Orientierung der Gesellschaft in den gesamten strategischen Plan ein und konnte mich selber unmittelbar ausschließlich dem Außenwerk widmen.

Jahr für Jahr wuchs zudem die Zahl der Patres und Fratres, die in Schönstatt ihre geistige Nahrung bezogen. Auch die Provinzleitung war in ihren Gliedern dabei zu Gaste. In den Vorträgen handelte es sich nie um Wandlung der Rechtsgrundlage oder Rechtslage der Gesellschaft. Nie wurde ihre Eigenrechtlichkeit und Eigengesetzlichkeit irgendwie verkürzt oder beanstandet. Durch die fortlaufende Teilnahme höherer Vorgesetzter an den Kursen war indirekt eine ständige Kontrolle über Form und Inhalt gewährleistet.

Alles in allem: so machte die Durchdringung der Gesellschaft mit Schönstatt ‑ wenigstens wo es sich um die deutschen Provinzen handelte ‑ ständig Fortschritte.

Umgekehrt verstand sich Gesellschaft und Provinz Jahr für Jahr mehr dazu, die Bewegung als ihr Werk zu legitimieren.


Schönstatt-Lexikon online: Pallotti und Schönstatt
(15) Gemeint ist der doppelte charismatische Ursprung: Pallotti und Schönstatt. Der gebräuchlichere Fachausdruck für benannten Sachverhalt ist „Bipolarität“.
(16) Der Umzug nach Engers geschah im Herbst 1920.
(17) Nähere Ausführungen zu dieser Möglichkeit finden sich in Text 17

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