KR-3 DE 65

65. Vom Reichtum des Reinseins.

Der folgende Text ist einer Aphorismensammlung mit demselben Titel, „Vom Reichtum des Reinseins“, aus dem Jahre 1939 entnommen. Die Sammlung wurde zusammengestellt von Schwester M. Bonifatia Warth. Da sie ausschließlich Aussagen Pater Kentenichs enthält und die Schrift außerdem von ihm selbst sehr häufig zitiert wurde, darf sie auch in ihrer Zusammenstellung – ähnlich wie die „Werktagsheiligkeit“ – als von ihm autorisiert gelten.
Die zweite Auflage des Büchleins aus dem Jahre 1968 gibt im Anhang eine ausführlichere Gliederung des Materials an, die im Text nicht erscheint und die einzelne Zitate in ihrer Reihenfolge auch anders anordnet. Unser Text ist dieser Auflage entnommen – Seite 87 – 102 -, er übernimmt die Gliederung aus dem Anhang und ordnet die Zitate so unter, wie dort angegeben.
Kentenich Reader bietet nach Text 3 eine weitere Aphorismensammlung an. Das literarische Genus bringt es mit sich, dass die Aussagen sehr apodiktisch erscheinen, die eine oder andere in ihrer lapidaren Aussage wohl auch herausfordert oder gar reizt. Der gewöhnliche Stil Pater Kentenichs ist ja, seine Gedanken auszubreiten und seine Lehre zu begründen, um möglichst zu überzeugen und zu motivieren. Es gab aber auch in der Praxis Pater Kentenichs den Vorgang, dass er mit einer zentralen Aussage konfrontierte/provozierte, zum Nachdenken oder zur Stellungnahme herausforderte. Das literarische Genus der Aphorismensammlung entspricht also durchaus auch seiner Art und sollte vielleicht auch bei dieser Lektüre dieselbe Wirkung haben.
Der Text über die fünf Türme zum Schutz der Reinheit schließt unser Kapitel über das geistliche Leben ab. Er erscheint an dieser Stelle, um aufleuchten zu lassen, wie sehr Pater Kentenich einzelne Gebote – wie das der Keuschheit in diesem Text – oder Herausforderungen im geistlichen Leben in seiner inneren Verflochtenheit mit gesamtmenschlichen Vorgängen sieht und es ihm darauf ankommt, pädagogische Wege aufzuzeigen, um ein solches Gebot aus innerer Freiheit und zur eigenen Zufriedenheit leben zu können.


Die fünf Türme zum Schutz der Reinheit

Wie das Paradies der Menschheit bewacht wird von einem Engel mit flammendem Schwert, so muss das Paradies der standesgemäßen Keuschheit von fünf hochragenden, uneinnehmbaren Türmen geschützt werden. Der erste Turm heißt: hochgradige, innige Gottesliebe, der zweite: tiefgründige Demut, der dritte: erleuchtete, wirksame Abtötung, der vierte: schöpferischer Arbeitseifer, der fünfte: entspannende, edle Freude.

Reinheitserziehung kann wirksam nur getätigt werden im Rahmen einer religiös-sittlichen Gesamterziehung.

1. Erster Turm: Gottesliebe

Der sicherste Schutz für jede Art von Reinheit ist eine erleuchtete, hochgradige und innige Gottesliebe.

1.1 Gottesliebe und Reinheit in ihrer Wechselbeziehung

Der Heiland verspricht in der Bergpredigt den Reinen ein besonderes Wachstum der Gottesliebe: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen!“ Er hätte den Satz auch umkehren und sagen können: Selig, die Gott anschauen, denn sie werden reinen Herzens sein!

Was dem Wachstum der Gottesliebe frommt, dient in gleicher Weise der standesgemäßen Keuschheit.

Je stärker die Gottesliebe, desto gesicherter die Reinheit.

Wirksame Reinheitserziehung muss immer erleuchtete Liebeserziehung sein.

Gesunde Sexualpädagogik ist stets tiefgreifende Liebespädagogik.

1.2 Gottesliebe und irdische Liebe in ihrem Verhältnis

Jede edle Liebe hat Quelle und Krone, Schutz und Sicherung in der Gottesliebe.

Irdische Liebe, die nicht eine Form der Gottesliebe ist, läuft immer Gefahr, treulos zu werden und sich in den niedersten Regionen des Seelenlosen zu verirren.

Der Mensch, der mit seiner Liebe nicht ins Gottesreich hineinwächst, sinkt mit ihr und durch sie hinab in das Tierreich.

1.3 Gottesliebe sichert, schützt und heiligt

1.3.1 die eheliche Liebe

Eheliche Liebe, die in Gottesliebe wurzelt und gipfelt, beugt sich in unentwegter Treue vor den Naturgesetzen.

Die liebebeseelte Treue zu den Naturgesetzen erhält die eheliche Liebe warm, tief und beglückend, sie steigert die sittliche Kraft und die körperlich-seelische Tragfähigkeit, zieht Gottes besonderen Segen herab auf Eltern, Kinder und Kindeskinder und gibt ein feines Gespür für Kindererzeugung und Kindererziehung.

Wie naturgetreue Ehen ein reicher Segen sind, so sind naturuntreue ein Fluch für Kirche, Volk und Vaterland.

Der Liebende, der dem Geliebten seinen Persönlichkeitskern opfert und sich wegwirft, verliert seine Geschlossenheit und Größe, nimmt seinem Geliebten die ehrfürchtige Scheu und erdrosselt und mordet die Liebe.

Ehrfurchtslosigkeit ist das Grab wahrer Liebe.

Ganz kann und darf der Mensch dem Menschen als Menschen die geheimnisvollen Tiefen seiner Seele nicht erschließen und den letzten Kern seiner Persönlichkeit bloßlegen.

Es ist die besondere Sendung der Frau, durch den feinen Schleier des Geheimnisses, mit dem sie ihr keusches Wesen zart umhüllt, und durch das Aroma der seelischen Geschlossenheit, das gleichzeitig Nähe und Ferne weckt, den Mann zu ehrfürchtiger, zartsinniger Ritterlichkeit zu erziehen.

Ehrfurcht und Hingabe erzeugt Ehrfurcht und Hingabe (167).

Der Mann, der in edlem Rittersinn den Degen vor der Frauenwürde senkt, weckt und mehrt hüben und drüben die Keime schöpferischer Ehrfurcht.

Die Liebe, die nicht aus Liebe verzichten kann, gleicht einem Feuer, das im eigenen Qualme erstickt.

Der geringste Grad des Verzichtes ist für die Liebenden standesgemäße körperliche Unberührtheit.

1.3.2 die Liebe im allgemeinen

Primitive Liebe sucht sich selbst, erleuchtete kreist um den Geliebten und seine Interessen.

Edle Liebe kennt immer gleichzeitig tiefes Erschaudern und zartes Erglühen, scheue Ehrfurcht und treue Hingabe, warmes Sichverschenken und starkes Sichbewahren.

Ehrfurcht ist das Erschaudern vor fremder Größe.

Der Liebende, der dem Geliebten seinen Persönlichkeitskern opfert und sich wegwirft, verliert seine Geschlossenheit und Größe, nimmt seinem Geliebten die ehrfürchtige Scheu und erdrosselt und mordet die Liebe.

Das Menschenherz ist viel zu groß und gottverwandt, als dass es volle Ruhe, Befriedigung und Ersättigung bei irgend einem Geschöpfe, und wäre es auch das vollkommenste, finden könnte. Früher oder später weisen alle mit deutlichem Finger über sich hinaus und rufen dem Liebedurstigen jubelnd zu: Steige höher hinauf, bis du dich wiederfindest im Herzen der ewigen Liebe!

Der Liebende ist für den Liebenden Weckruf und Weiterleitungsstation der Liebe zur ewigen Liebe.

Liebe muss sich erst am Menschen entzünden, bevor sie zu Gott emporlodern kann.

Wer viel reine, in Gott gegründete Menschenliebe empfangen und gespendet hat, dem fällt es nicht schwer, der Botschaft des Evangeliums von der unendlichen Liebe Gottes zu uns Menschen zu glauben.

Damit die Liebe Menschen nicht an Menschen versklavt und nach unten zieht, verlangt sie nicht selten Verzicht und macht sich bereit auf schwere Enttäuschungen.

Die Liebe, die nicht aus Liebe verzichten kann, gleicht einem Feuer, das im eigenen Qualme erstickt.

Der geringste Grad des Verzichtes ist für die Liebenden standesgemäße körperliche Unberührtheit.

Enttäuschungen im Liebesverkehr (168) mit Menschen sind eine Liebesgabe und ein Liebeswerben Gottes.

Ehrfurcht steht scheu vor allen Lebensgeheimnissen und äußert sich in unentwegter Durchführung des Grundsatzes: Innere Unbefangenheit und standesgemäße äußere Unberührtheit.

2. Zweiter Turm: Demut

Wahre Demut ist neben und mit der Gottesliebe der notwendigste und wichtigste Schutz der Reinheit.

2.1 Begriff der Demut

Demut ist Wahrheit.“ (169)

Die beiden Grundpfeiler der Demut heißen Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Wahrheit zeigt dem Menschen den Platz, der ihm zusteht. Die Gerechtigkeit behandelt ihn, wie er es verdient.

Demut stellt die Harmonie her zwischen persönlicher Gering- und Hochbewertung.

Geringbewertung wurzelt in der Erkenntnis der menschlichen Grenzen und Armseligkeiten, Hochbewertung in freudiger Anerkennung der empfangenen göttlichen Gaben und Gnaden.

2.2 Notwendigkeit der Demut

Wie der Leib zu seiner Gesundheit Licht und Luft und Wasser, so braucht die Seele Demut und Demütigung.

2.3 Demut als Wiederherstellerin der gottgewollten Ordnung

Der Stolze verlässt Gott und macht sich selbst zum Urgrund und Maß und Ziel seines Lebens. Er unterstützt freventlich die Revolution des Engels im Menschen gegen das Kind Gottes und gegen Gott. Die Strafe dafür ist vielfach eine starke Revolution des Fleisches.

Gottes Vatergüte weiß alles zum Besten seiner Kinder zu lenken. Er lässt die unordentlichen Regungen des aufgewühlten Trieblebens zu, damit wir unsere Schwäche erleben und den Weg in seine Arme finden und dadurch mehr und mehr Herr werden über unser niederes Begehren.

2.4 Demut als Frucht der Liebe

Wer Gott wahrhaft liebt, erhält tiefe Einblicke in Gottes Güte und Größe, aber auch in seine eigene Begrenztheit und Armseligkeit.

2.5 Demut als Quelle der Tugend

Ist die Liebe die Mutter aller Tugenden, so kann die Demut als deren Amme gelten. Alle ohne Ausnahme, auch die standesgemäße Reinheit, zehren und leben von ihrer Nährkraft.
Die Heilige Schrift nennt den Stolz den Anfang aller Sünde, deswegen muss Demut in ihrer Art alle Tugenden – nicht zuletzt die Reinheit – beeinflussen.

2.6 Demut und Reinheit

Den inneren Zusammenhang zwischen Stolz und Unreinheit entschleiert Augustinus, wenn er schreibt: „Das ganze Elend des Menschen besteht im Ungehorsam seiner selbst gegen sich selbst. Der Mensch wollte im Paradiese nicht, was er konnte, und nun will er, was er nicht kann. Unzähliges will er, was er nicht kann, weil er sich selbst nicht gehorcht, das heißt weil seinem Willen die Seele und das unter ihr stehende Fleisch nicht gehorcht.“

2.7 Lebensgrundlagen der Demut

Demut lebt vom Misstrauen auf die eigenen und vom Vertrauen auf die göttlichen Kräfte.

2.7.1 Auswirkungen des gesunden Misstrauens

Gesundes Misstrauen weckt in der Seele Vorsicht, Ehrfurcht und Lenksamkeit.

Vorsicht wird genährt durch die Tatsache, dass im Laufe der Geschichte nicht selten die „Säulen“ am tiefsten gefallen sind und dass im Menschenherzen immer der Verräter lauert. Sie wirkt sich aus in Meidung gefährlicher Gelegenheiten und im Kampfe gegen unzeitige Abenteuerlust auf sittlichem Gebiete: mag es sich dabei handeln um den Verkehr mit Gleich- oder Andersgeschlechtlichen oder um die Behandlung des eigenen Körpers.

Erleuchtete Vorsicht ist besonders geboten allen modernen Kultur- und Verkehrsmitteln gegenüber in einer Zeit, wo ein diesseitsseliger Weltgeist durch alle Tore und Poren, durch alle ober- und unterirdischen Kanäle siegreich hindurch dringt.

Durch das Radio und Fernsehen kommt Welt und Zeit zu uns, durch Motorrad und Auto finden wir den Weg in die Welt. Sowohl das eine wie das andere sind Geschöpfe Gottes, sie wollen deswegen auch zu seiner Ehre und Verherrlichung gebraucht werden.

Ehrfurcht steht scheu vor allen Lebensgeheimnissen und äußert sich in unentwegter Durchführung des Grundsatzes: Innere Unbefangenheit und standesgemäße äußere Unberührtheit.

Briefe – auch Liebesbriefe – die von solcher Ehrfurcht getragen, können jederzeit unbedenklich in der Presse veröffentlicht werden.

Menschen, die in ehrfürchtiger Liebe verbunden sind, geben sich in ihren Handlungen so, dass sie überall und immer von edlen Menschen beobachtet oder unversehens photographiert werden können.

Schlichte Lenksamkeit ist eine der kostbarsten Früchte eines ehrlichen Misstrauens gegen sich selber. Sie wirkt sich vorzüglich aus in Offenheit im Beichtstuhl und in Folgsamkeit erleuchteten und bewährten Ratgebern gegenüber.

2.7.2 Vertrauen als Ausgleich

Soll das Misstrauen nicht Schwäche werden und geschlechtlich aufpeitschen und verheerend wirken, muss es sich vermählen mit unerschütterlichem Vertrauen auf Gottes Schutz und Kraft.

Der Demütige spricht mit Paulus in allen Bedrängnissen des Fleisches: „Wer wird mich erlösen von diesem todbringenden Leibe?“ (170) – Er gibt sich aber auch mit dem Völkerapostel die Antwort: „Die Gnade Gottes durch Christus, unsern Herrn… Alles kann ich in dem, der mich stärkt!“ (171)

2.7.3 Auswirkungen des gesunden Vertrauens

Der Demütige spricht mit Paulus in allen Bedrängnissen des Fleisches: „Wer wird mich erlösen von diesem todbringenden Leibe?“ – Er gibt sich aber auch mit dem Völkerapostel die Antwort: „Die Gnade Gottes durch Christus, unseren Herrn… alles kann ich in dem, der mich stärkt!“
Wer standesgemäße Reinheit zurückerobern oder fleckenlos bewahren will, ohne ständigen Anschluss an Gott zu suchen durch Gebet und Sakramentenempfang, gleicht einem Vogel, der mit gebrochenem Flügel hoch fliegen will.

Der häufige kindliche Aufblick zur reinen Mutter unseres Herrn zeigt nicht nur das an sich harte und eherne Gesetz der Reinheit in lebendiger, anschaulicher und gewinnender Verkörperung, – er ist auch gleichzeitig Wirkung und Förderungsmittel einer tiefen Demut und eines starken Vertrauens.

Wenn die Gottesmutter für uns beim Heiland bittet: „Sie haben keinen Wein mehr!“, so wird der eingeborene Gottessohn schnell und freudig das Wasser unserer Armseligkeit durch den Wein göttlicher Hilfe umwandeln.

Wie sie auf der Hochzeit zu Kana die Bedingung stellte: „Was er euch sagt, das tut!“ – so ruft sie: allen, die ihren Schutz erwarten, zu: „Was er euch sagt, das tut!“ (172)

3. Dritter Turm: Abtötung

3.1 Aufgabe der Abtötung

Abtötung hat die Aufgabe, die Zügel dem Triebmenschen zu entwinden und sie dem Geistes- und dem Gottesmenschen in die Hand zu geben.
Abtötung will nicht Schönheit und Gesundheit des Körpers oder die edlen Kräfte eines starken Trieblebens brechen, sondern beides nur in den Dienst der Seele stellen. Darum muss Abtötung immer klug und erleuchtet sein.

3.2 Notwendigkeit der Abtötung

Jede erleuchtete Abtötung stärkt die Gesamtwiderstandskraft der Seele, übt deswegen – wenigstens indirekt – immer einen wohltätigen Einfluss aus auf die Regungen des unlauteren Begehrens.

Seitdem durch die Erbsünde Zwiespalt in die menschliche Natur gekommen ist zwischen Trieb- und Geistesmensch und zwischen Geistes- und Gottesmensch, kämpft der Triebmensch ständig und mit allen Mitteln gegen den Geistesmenschen. Er will nicht mehr dienen, sondern herrschen. Seither ist auch der Leib kein ruhiger, lenksamer Untertan mehr, sondern ein unruhiger Revolutionär.
Seit dem Sündenfall gibt es keine Reinheit ohne dauernde und kluge Abtötung.

3.3 Anleitung zur Abtötung

Die Art der Abtötung wird meist durch Beruf, Verhältnisse und innere Einsprechungen bestimmt. Kundige Führung bietet uns auf diesem schwierigen Gebiete auch die Liturgie an.

3.4 Der Leib als Bruder Esel

Franz von Assisi nennt den Körper gern „Bruder Esel“.

Der Esel ist störrisch, verschmitzt und dumm: Dieselben Eigenschaften hat unser Körper: er ist störrisch – er will selbstherrlich seines Weges gehen, ohne Rücksicht auf seine Schwester, die Seele. Er ist verschmitzt: er weiß seine unlauteren Pläne gut zu bemänteln und seine übertriebenen Forderungen durch „unwiderlegliche“ Scheingründe glänzend zu schützen. Trotzdem bleibt er dumm, weil seine Wünsche und Forderungen nicht nur der Schwester Seele, sondern auch vielfach ihm selber zum Verderben gereichen.

4. Vierter Turm: Arbeit

4.1 Begriff der Arbeit

Arbeit ist Teilnahme an schöpferischer und sich verschenkender Tätigkeit Gottes.

Weil der Mensch ein natürliches und übernatürliches Abbild Gottes ist, darf er durch seine Tätigkeit an Macht und Liebe des Ewigen teilnehmen.

4.2 Segen der Arbeit

Wer anderen nichts sein kann, kommt sich wertlos, minderwertig vor und verfällt schnell und hemmungslos dem niedersten Triebleben.

Je mehr der Mensch andern in edler Weise schöpferisch und sich verschenkend dienen darf, desto mehr wächst das gesunde persönliche Wertbewusstsein und der wirksame Selbstbehauptungswille gegen alles Niedere.

Je gesünder im Menschen der schöpferische Gestaltungs- und Verschenkungswille sich in der Arbeit auswirkt, desto weniger drängen diese starken Kräfte zur Entfaltung auf einer niederen Ebene.

4.3 Arbeitslosigkeit als Gottesgeißel

Wenn Arbeitslosigkeit das niedere Triebleben orkanartig aufbrechen lässt, wird sie zur Gottesgeißel für die Völker, ähnlich wie Hunger und Pest.

4.4 Gefahrbringende Arbeit

Ist die Arbeit nur „Beschäftigung“, so wird der Mensch durch sie kein Schöpfer, sondern nur ein „Macher“ und muss sich gefasst machen auf starke Triebanschwellungen und Triebentladungen.

4.5 Überwindung der Gefahr

Unbefriedigende, mechanische und unschöpferische Arbeit kann von den Gefahren für Sitte und Reinheit befreit werden, wenn sie in einen höheren Rahmen gespannt wird.

Wer aus tief religiöser Gesinnung heraus das Opfer verschuldeter oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit oder mechanischer Arbeit bringt, darf als Glied Christi in einer höheren Ebene schöpferisch und sich verschenkend mit bauen am Reiche Gottes auf Erden und erlebt dadurch eine wertvolle Beruhigung und Entspannung seines Trieblebens.

4.6 Christliche Haltung zur Arbeit

Wer sein „Arbeitskreuz“ trägt, weil er der Gemeinschaft als Ganzes dadurch dienen kann, wird sofort wieder schöpferisch tätig und innerlich frei und stark.

Christliche Arbeit ist zunächst auf Dienst und erst an zweiter Stelle auf Verdienst eingestellt.

5. Fünfter Turm: Freude

5.1 Reinheit und Freude in ihrer Beziehung

Ohne edle Freude kann Reinheit nicht gedeihen.

Die Gottesmutter ist nicht nur die mater puritatis, sondern auch die mater sanctae laetitiae.

5.2 Begründung dieser Beziehung

Werden dem Menschen keine edlen, erlaubten Freuden geboten, sucht er erst gefährliche, dann sündhafte Ersatzbefriedigungen.

Wo keine Freude, da herrscht Freudlosigkeit und Traurigkeit. Und wo ständige Traurigkeit den Lebensrhythmus bestimmt, entfaltet der Teufel seinen Einfluss. Mit Recht sagt darum der Volksmund: „lm Trüben fischt der Böse.“

5.3 Freudenerziehung

Wo keine Freudenatmosphäre, da herrscht Sumpfatmosphäre.
Freudenerziehung ist eines der allerwichtigsten Anliegen der Reinheitserziehung.

Wer die Freudenquellen im Christentum, in seinen Lehren, Einrichtungen und Sakramenten nicht entdeckt, nicht sprudeln und trinken lässt, erzieht weder tief religiöse, noch sittlich hochwertige und reine Menschen.


Schönstatt-Lexikon ONLINE: Geschlechtlichkeit
(167) In heutiger Sprache würde man sagen: Das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz erzeugt Ehrfurcht und Hingabe
(168) Der Wortgebrauch P. Kentenichs ist viel allgemeiner als das heutige Verständnis. Er meint jede Beziehung und jeden Austausch in der Liebe, nicht nur den sexuellen.
(169) Das berühmte Wort der hl. Theresa von Avila findet sich in: Seelenburg, 7.Wohnung, cap 10.7. „Gott ist die höchste Wahrheit; demütig sein heißt in der Wahrheit wandeln, denn es ist eine sehr tiefe Wahrheit [Selbsterkenntnis], dass wir aus uns selbst nichts besitzen, was gut ist, sondern nur Erbärmlichkeit und Nichtigkeit.“
(170) Röm 7,24
(171) Vgl. 2 Kor 12,9-10.
(172) Siehe Joh 2,3-5.

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